Skutari-See

Verwunschenes Vogelparadies

© Martin Schneider-Jacoby
Die Insel Grmozur im Nationalpark Skutari. © Martin Schneider-Jacoby

Im Grenzgebiet zwischen Albanien und Montenegro liegt vom Bojana-Buna-Delta aus gesehen etwas landeinwärts der größte See der Balkanhalbinsel: der Skutari-See. Neben direkten Zuflüssen aus dem dinarischen Hochgebirge wird er aus bis zu 60 Meter tiefen Karstquellen mit Wasser versorgt – Quellen, die weit unter dem Meeresspiegel liegen. Niederschläge und Schmelzwasser lassen das Gewässer  im Verlauf der Jahreszeiten fast auf das Doppelte seiner eigentlichen Größe anschwellen.

Mit seiner üppigen Vegetation, und seinen ausgedehnten Überschwemmungs- und Flachwasserbereichen ist der fischreiche Skutari See ein wichtiges Brut-, Überwinterungs- und Rastgebiet für Hunderttausende von Zugvögeln auf der Adria-Zugroute. Insgesamt gibt es hier über 270 verschiedene Vogelarten. Stolze zwei Prozent des gesamten europäischen Brutbestandes an Weißbartseeschwalben nutzen den Skutari See als Brutplatz. Daneben so seltene Arten wie der Krauskopfpelikan und der weiß leuchtende Rallenreiher.

Der montenegrinische Teil des Skutari Sees wurde 1983 als Nationalpark ausgewiesen und 1995 in die internationale Ramsar-Liste schützenswerter Feuchtgebiete aufgenommen. Vor zwei Jahren wurde auch der albanische Teil zum Ramsargebiet. Jetzt geht es vor allem darum, wirksame Schutzmaßnahmen in die Praxis umzusetzen. Denn die Idylle ist nicht perfekt: Eine zunehmende touristische Nutzung des Sees und intensive Vogeljagd (Augenzeugenberichte lesen Sie hier, pdf 1 Mb) gefährden das Vogelparadies ernsthaft.



Was machen EuroNatur und seine Partner?

  • Gegen die Vogeljagd an der östlichen Adria kämpfen: Lesen Sie mehr in der Rubrik Zugvögel.
  • Wertvolle Daten sammeln: Regelmäßig erfassen wir sämtliche Brutvogelkolonien am Skutari-See - darunter Möwen, Seeschwalben, Reiher und Kormorane. Diese Daten bilden eine wertvolle Argumentationsgrundlage für weitere Schutzmaßnahmen.
  • Schutzzonen planen: Auf der Grundlage fundierter Daten haben wir ein ausgefeiltes Zonierungskonzept mit Schutzzonen und zeitlich begrenzten Betretungsverboten für den Nordteil des Skutari-Sees entwickelt und mazedonischen, montenegrinischen und albanischen Entscheidungsträgern in verschiedenen Workshops vorgestellt.
  • Krauskopfpelikane schützen: Lesen Sie mehr in der Rubrik Zugvögel.
  • Gegen den Bau von Wasserkraftwerken an der Moraca kämpfen: Fast alle Flüsse auf dem Balkan sind durch die Planung neuer Wasserkraftwerke bedroht. Die Kraftwerke an der Moraca, dem größten Zufluss des Skutari-Sees, würden etwa 100 Quadratkilometer Seeauen trockenlegen.

Was wir bereits erreicht haben – Eine Auswahl wichtiger Erfolge:

  • Der gesamte Skutari-See ist mittlerweile offiziell jagdfrei.
  • Die Zahl der überwinternden Wasservögel nimmt im Skutari-Nationalpark in Montenegro seit Beginn des Jagdverbotes 2002 stetig zu.
  • Im Jahr 2009 konnte EuroNatur in Zusammenarbeit mit der Nationalpark-Verwaltung und der albanischen Partnerorganisation APAWA erstmals sämtliche Brutvogelkolonien am Skutari-See erfassen. Die gewonnenen Daten liefern wichtige Argumente dafür, weitere Schutzbemühungen voranzutreiben.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat das von EuroNatur vorgeschlagene Zonierungskonzept mit Zustimmung des montenegrinischen und des albanischen Umweltministeriums in ihrem Konzept für die grenzüberschreitende Entwicklung des Skutari-Sees veröffentlicht. Allerdings verzögert sich die Umsetzung der Schutzmaßnahmen noch, und wir müssen weiter für die fortschrittliche Planung lobbyieren.

 

Partner: Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), National Park Skutari, Gesellschaft für den Schutz der Meerestiere in Albanien (APAWA), Universität Shkodra.

Förderung: Mava-Stiftung, Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz), EuroNatur-Paten und -Spender


Reisen Sie in das Naturparadies Skutari-See

© EuroNatur
© EuroNatur

Um die Naturschätze des Skutari-Sees  bekannter zu machen, hat EuroNatur in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift natur und Kartographie Huber eine Natur-Landkarte erstellt. Diese enthält neben detaillierten Informationen zu Flora, Fauna und Geologie auch ausgewählte Rad- und Wanderrouten.

Die Karte kostet 8,90 Euro und ist exklusiv im EuroNatur-Shop erhältlich.

 

 

Artikel "Krausköpfe im Aufwind" im EuroNatur Magazin 2/2015, S. 16-17

Zum Download (5 MB)

Faltblatt "Skutari-See - Vogelparadies am Grünen Band"

Zum Download (390 KB)

Tatort Adria - Vogeljagd auf dem Balkan - Augenzeugenberichte

Zum Download (1,008 KB)

EuroNatur-Reiseführer "Östliche Adria"

Mehr erfahren

Kurzfilm „Skadar“ über die einzigartige Seenlandschaft und Vogelwelt am Skutari-See auf Vimeo

Mehr erfahren

Sie wollen helfen?

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Globalisierung gerecht gestalten

Der Agrarhandel ist weder fair noch frei, vielmehr schädigt die landwirtschaftliche Exportstrategie Mensch, Tier und Natur, betonen die Verfasser des...

Der Schwarzwald ist Luchs-Revier

Auf Bildern von Wildtierkameras hatte er sich schon öfters gezeigt, nun ist es Experten gelungen, einen männlichen Luchs zu fangen und zu besendern....

Demonstrieren für eine nachhaltige Landwirtschaft

Die Folgen der industriellen Landwirtschaft sind dramatisch: Artensterben, Nitratverseuchung, Antibiotikaresistenzen. Das Aktionsbündnis „Wir haben...

Bauarbeiten am Jiu-Kraftwerk gehen weiter

Es ist skandalös: Das rumänische Berufungsgericht hat die Baugenehmigung für das geplante Wasserkraftwerk am Jiu mehrfach für ungültig erklärt,...

Naturschutztage 2018

Wenn Ministerpräsident Winfried Kretschmann über Artenvielfalt spricht, Ornithologen voll auf ihre Kosten kommen und Hobbygärtner etwas über urbane...

Märchenlandschaft mitten in Europa

Im Dreiländereck von Deutschland, Österreich und Tschechien liegt der Böhmerwald, eine wilde Mittelgebirgslandschaft im Herzen unseres Kontinents....

Wasserkraftwerk am Jiu vorerst gestoppt

Erfreuliche Nachrichten für den rumänischen Jiu-Fluss: Die Baugenehmigung ist vor Gericht für ungültig erklärt worden. Damit darf der Jiu weiterhin...

Studie belegt: Kleine Kraftwerke, großer Schaden

Neue Studie: Kleine Wasserkraftwerke finanziert mit europäischen Mitteln schädigen naturbelassene Landschaften auf dem Balkan

Zweiter Teil der Dokureihe "Out of Control" deckt weitere Machenschaften auf

Urwaldzerstörung in Rumänien: auch Teile des Semenic-Nationalparks durch Holzeinschlag verwüstet ++ EuroNatur und Agent Green: Inkompetenz der...

Mavrovo-Nationalpark: Baustopp für Wasserkraftwerke gefordert

Berner Konvention: Mazedoniens Regierung wird aufgefordert, den Bau von Wasserkraftwerken im Mavrovo-Nationalpark zu stoppen

Vielfalt der Natur im Fokus

Internationaler Fotowettbewerb „Naturschätze Europas 2018“ startet

Doku-Serie zur Urwaldabholzung in Rumänien

++ Europas größtes Umweltdrama findet in den rumänischen Urwäldern statt ++ EuroNatur und Agent Green veröffentlichen investigative Doku-Serie „Out of...

Lichtblick für den Balkanluchs

Der Balkanluchs muss als eigene Unterart des Eurasischen Luchses streng geschützt werden. Dies hat der Ständige Ausschuss der Berner Konvention bei...

Albanischer Industrieverband setzt sich für die Vjosa ein

Der Widerstand in der albanischen Gesellschaft gegen die geplante Verbauung der Vjosa bekommt weitere Unterstützung. In einem offenen Brief an den...

Wasserkraft-Tsunami auf dem Balkan

Neue Erhebung belegt: Europas Wasserschatz wird geplündert ++ Auf dem Balkan sind 187 Wasserkraftwerke im Bau und 2.800 geplant ++ Viele Nationalparks...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung