Donau-Drau-Mur

Ursprüngliche Flusslandschaften im „Fünfländereck“

© Martin Schneider-Jacoby
Die Steilufer der Drau sind ideale Lebensräume für Eisvogel und Bienenfresser. © Martin Schneider-Jacoby

Im Grenzgebiet zwischen Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien liegt eine der letzten intakten dynamischen Flusslandschaften in Europa. Durch einen breiten Korridor aus Wiesen, Auwäldern, Weinbergen und malerischen Ortschaften fließt die Drau in weiten Mäandern bis zu ihrer Mündung in die Donau im kroatisch-serbischen Grenzgebiet. Zusammen mit ihrem Nebenfluss, der Mur, und ihrem Mündungsgebiet in die Donau bildet die Drau einen einmaligen Biotopverbund. Dieser ist Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten sowie Bestandteil des Grünen Bandes Europa.


Schutz durch den Eisernen Vorhang

Die abgeschottete Lage in einer Grenzregion zwischen, zur Zeit des Kalten Krieges, verfeindeten Blöcken verhinderte jahrzehntelang die Verbauung weiter Teile von Drau und Mur. Ungehindert konnten die frei fließenden Ströme Inseln und steile Ufer schaffen. Bis zu einer Höhe von 40 Metern ragen an den Flussufern Lehm- und Sandwände auf. Von ihnen aus reicht der Blick weit über eine Flusslandschaft aus Wasserarmen, Inseln und Auwäldern. Die senkrechten Abstürze selbst sind Brutplatz für Uferschwalben, Bienenfresser und Eisvögel. Auf den Inseln im Flussbett finden Arten wie die Zwergseeschwalbe und der Flussregenpfeifer noch natürliche Brutplätze.

Link zur Bilderschau "Amazonas Kroatiens" bei youtube

Europäische Urlandschaft bedroht

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem politischen Wandel in Europa änderte sich die Situation schlagartig. Gebiete, die vierzig Jahre lang kaum ein Mensch betreten durfte, waren nun für jedermann zugänglich und nutzbar – in vielen Fällen mit negativen Folgen für die Natur. Seit der Grenzöffnung wurden einige Flussarme, Auwälder und Kiesbänke durch Kiesabbau und Kanalisierungsprojekte erheblich geschädigt. Die größte Gefahr droht den noch verbliebenen natürlichen Flussabschnitten durch den Kraftwerksbau. Vor allem auf kroatischer Seite gibt es immer wieder Pläne, große Wasserkraftwerke entlang der Drau zu errichten.

Der Kurzfilm „Wading in to protect the European Amazon“ beschreibt eindrücklich die Gefahren, die der einzigartigen Flusslandschaft durch die Wasserbauprojekte drohen.

Zum Film „Wading in to protect the European Amazon“ auf euronews.net


Seit 1990 setzt sich EuroNatur für die Rettung der einmaligen Flusslandschaft von Drau und Mur ein. Gemeinsam mit unseren Partnern konnten wir bisher tiefgreifende zerstörerische Eingriffe verhindern. Es sind jedoch noch viele Anstrengungen notwendig, um einen dauerhaften Schutz des lebendigen Flusssystems von Drau und Mur sicherzustellen.



Welche Maßnahmen unternimmt EuroNatur zum Schutz der Flusslandschaft von Drau-Mur?

  • Um die Naturlandschaft von Drau und Mur als wichtigen Rast- und Brutplatz am Rande Mitteleuropas zu erhalten, setzt sich EuroNatur gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen dafür ein, zwischen Kroatien, Serbien, Slowenien, Österreich und Ungarn ein Fünfländer-Biosphärenreservat zu verwirklichen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.
  • Gemeinsam mit unseren Partnern betreiben wir intensive Lobbyarbeit in den betroffenen Ländern und auf EU-Ebene, um den Bau von Wasserkraftwerken an Drau und Mur zu verhindern und den Kiesabbau zu stoppen.
  • EuroNatur unterstützt seine Partner vor Ort bei regelmäßigen Kontrollen der ökologisch sensiblen Gebiete, um Vogeljagd und Verstöße gegen Naturschutzgesetze zu verhindern.
  • Wir unterstützen unsere Partner bei der Organisation von Tagungen und Workshops, auf denen sich Naturschützer und Entscheidungsträger über Maßnahmen zum Schutz der einmaligen Flusslandschaft austauschen können.


Was konnte EuroNatur bisher erreichen – eine Auswahl unserer Erfolge

  • EuroNatur und seine Partnerorganisationen sind dem Ziel, ein Fünfländer-Biosphärenreservats zu verwirklichen, bereits sehr nahe gekommen. Ausführlichere Informationen dazu finden Sie hier.
  • Schon mehrfach konnten wir durch kritische Stellungnahmen und Protestaktionen den Bau von Wasserkraftwerken verhindern, wie zum Beispiel 2007 im Fall des Kraftwerks Novo Virje in Kroatien. Nach jahrelangen beharrlichen Protesten seitens EuroNatur und weiterer  Naturschutzverbände strich die kroatische Regierung das Vorhaben aus der nationalen Raumplanung.
  • Ebenso konnten wir schon mehrfach durch Protestkampagnen schädliche Eingriffe durch den Kiesabbau stoppen.
  • Mit finanzieller Unterstützung des Eeconet Action Fund (EAF) gelang es uns, ökologisch wertvolle Kernzonen im Nationalpark Donau-Drau durch Flächenkauf dauerhaft für den Naturschutz zu sichern.
  • Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir Brutvogelkartierungen durchgeführt sowie die Fließeigenschaften und Gewässerstruktur von Drau und Mur analysiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind wichtige Grundlagen, um erfolgreiche Schutzkonzepte zu entwickeln.


Partner: WWF Österreich, Drau-Liga (Vereinigung der lokalen Naturschutzorganisationen), BirdLife Slowenien


Förderung: EuroNatur- Spender und –Paten, Eeconet-Action Fund (EAF), MAVA Stiftung, PIN Matra Programm, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

 

>>> Lesen Sie mehr über das EuroNatur-Projekt, zwischen Kroatien, Serbien, Slowenien, Österreich und Ungarn ein Fünfländer-Biosphärenreservat zu verwirklichen.



Film „Wading in to protect the European Amazon“ auf euronews.net

Mehr erfahren

Bilderschau "Amazonas Kroatiens" bei youtube

Mehr erfahren

Sie wollen helfen?

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Schutzmaßnahmen wirken: Wolfszahlen in Westpolen entwickeln sich weiter positiv

Die Zahl der Wolfsrudel im westlichen Polen und nahe der Grenze zu Deutschland ist im Vergleich zum vergangenen Jahr weiter angestiegen.

Auszeichnung für einen Fluss-Schützer aus Leidenschaft

++ EuroNatur-Preis 2018 geht an Roberto Epple ++ Gründungspräsident des European Rivers Network engagiert sich seit Jahrzehnten für naturnahe Flüsse...

Blue Heart im Europaparlament

Filmvorführung im Brüsseler EU-Parlament: Am Mittwoch, den 27. Juni wurde die Dokumentation „Blue Heart“ gezeigt. Bei der anschließenden Debatte...

Vier Jahre erfolgreicher Storchenschutz

Zahlreiche Erfolge für Europas Weißstörche wurden im Projekt zum Erhalt von Feuchtwiesen und -weiden erreicht. Das über die letzten vier Jahre...

Über 120.000 Stimmen gegen Wasserkraft

++ Petition gegen die Finanzierung von Staudammprojekten auf dem Balkan von mehr als 120.000 Menschen unterschrieben ++ Gestern erfolgte Übergabe der...

Baustopp für Kraftwerk an der Valbona

Hoffnungsvolle Nachricht für die albanische Valbona: Die Bauarbeiten am Wasserkraftwerk Dragobia im Valbona-Nationalpark müssen laut Urteil des...

Wildfluss Vjosa in Albanien erhielt hohen Besuch

Vertreter der Berner Konvention haben die Vjosa besucht und sich vor Ort ein Bild davon gemacht, inwiefern die Wasserkraftpläne die Ziele der Berner...

Historische Annäherung zwischen Mazedonien und Griechenland

Der Namensstreit um Mazedonien könnte schon bald der Vergangenheit angehören.

Die „Tapferen Frauen von Kruščica“ erringen Sieg gegen den Bau eines Wasserkraftwerks

Frauen blockieren seit über 300 Tagen Baustelle in Bosnien-Herzegowina - Gericht hebt Baugenehmigung auf

Erneuter Wortbruch der montenegrinischen Regierung im Fall Saline Ulcinj

++ Naturschutzorganisationen starten internationale Petition ++ Gefordert wird der sofortige Schutz der Saline Ulcinj in Montenegro ++ Wiederaufnahme...

Filmvorführung der Dokumentation „Blue Heart“

++ Filmscreening am Donnerstag, 28. Juni um 20 Uhr im K9 in Konstanz über Staudammprojekte auf dem Balkan ++ Ausbau von Wasserkraft bedroht das Blaue...

Waldzerstörung in Rumänien: Großangelegte Razzia der Anti-Mafia-Behörde angelaufen

Die Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft in Bukarest geht endlich gegen die mafiösen Strukturen der rumänischen Holzindustrie vor. Bei einer Razzia wurden...

Rumäniens Urwälder: Kampf für Ende des Holzeinschlags in Nationalparks

++ Protestaktion in der Wildnis des Domogled Nationalparks macht Öffentlichkeit auf Umweltdrama in den Karpaten aufmerksam ++

Illegale Jagd bedroht Zugvögel

Am 12. Mai ist Weltzugvogeltag ++ 2018 als Jahr der Vögel ausgerufen ++ EuroNatur kämpft für die Einhaltung der Gesetze zum Schutz der Zugvögel

Dokumentarfilm "Blue Heart" feiert Weltpremiere

Am stillgelegten Idbar-Staudamm in Bosnien-Herzegowina hat der Film "Blue Heart" seine Weltpremiere gefeiert und die Zuschauer begeistert.

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung