Dragoman

Zwischen Rohrdommeln und Knoblauchkröten

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Durch die FFH-Richtlinie streng geschützt: die Knoblauchkröte

© Bruno Siegrist

Eingebettet zwischen Karsthügeln und ausgedehnten Feuchtwiesen liegt das Dragoman-Moor, ein etwa 400 Hektar großes Niedermoor am Grünen Band Balkan  nahe der serbischen Grenze und nur 40 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Sofia. Nördlich des Moores erhebt sich der langgestreckte, kahle Rücken des Karstberges Chepan, dessen höchste Stelle auf rund 1.200 Metern über verschiedene Wanderwege zu erreichen ist.
 

Artenreiches Mosaik
Hier findet sich eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen bedrohten Lebensräumen und Arten – darunter spezialisierte Moor- und Steppenarten, wie Moorente, Rohrdommel oder Kalanderlerche. Zugvögel wie Kranich, Weißstorch, Uferschnepfe sowie zahlreiche Entenarten wie die Tafelente nutzen das Gebiet vor allem im Frühjahr als Rastplatz. Knoblauchkröte, Laubfrosch und Hornotter leben hier neben seltenen Pflanzen wie der endemischen Urumoffs-Tulpe. Und in der rauen, steil abfallenden Felswand des Chepan brüten Uhus, Adlerbussarde, Falken und Raben.

Fotogalerie

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Schutzprogramm entwickelt
Im 20. Jahrhundert entging das Dragoman-Moor nur knapp einer Katastrophe: Durch Entwässerungsmaßnahmen wurde es von den 1930er Jahren bis 1990 fast vollständig ausgetrocknet, um es landwirtschaftlich nutzen zu können. Nach der politischen Wende hörte man mit dem Abpumpen des Wassers auf und nach den regenreichen Jahren 2005 und 2006 hatte das Moor bereits wieder seine ursprüngliche Ausdehnung von bis zu 400 Hektar erreicht. Zahlreiche ehemals heimische Arten wie Moorente, Rohrdommel oder Purpurreiher begannen daraufhin, das Feuchtgebiet wieder zu besiedeln.

Trotz dieser positiven Entwicklung war das Dragoman-Moor weiterhin in Gefahr: Vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft und ein zu hoher Nährstoffeintrag bedrohten das einzigartige Ökosystem. Gemeinsam mit seinen bulgarischen Partnern Balkani Wildlife Society (BWS) und Bulgarian Biodiversity Foundation (BBF) erarbeitete EuroNatur daher von 2009 bis 2013 ein umfassendes Programm, um das Dragoman-Moor, die angrenzenden Feuchtwiesen und den nördlich gelegenen Karsthügel Chepan mitsamt ihrer Artenvielfalt besser zu schützen und nachhaltig zu entwickeln.

 

Was wir im Einzelnen erreichen konnten – eine Auswahl wichtiger Erfolge:

  • Fundierte Wissensgrundlagen geschaffen: In Zusammenarbeit mit der Universität Sofia haben wir belastbare Daten zu Fauna, Flora, Geologie und hydrologischen Verhältnissen gesammelt und aufbereitet. 
  • Wirksame Schutzkonzepte entwickelt: Auf Grundlage der gesammelten Daten haben wir gemeinsam mit unseren Partnern passende Maßnahmen für eine nachhaltige Nutzung der Feuchtwiesen erarbeitet und deren Umsetzung begleitet.
  • Lebensräume gesichert: Um die Renaturierung von landwirtschaftlich genutzten Flächen zu gewährleisten und die  Lebensräume von zahlreichen bedrohten Arten zu sichern und zu erweitern, haben EuroNatur und seine Partner ökologisch wertvolle Flächen im Dragoman-Moor sowie der östlich angrenzenden Feuchtwiesen gekauft.
  • Vertrauen aufgebaut: Mit Umweltbildungsmaßnahmen und Aufklärungsarbeit haben wir bei der lokalen Bevölkerung die Akzeptanz für den Schutz des Dragoman-Moors erhöht. Denn  nur mit dem Rückhalt und der Unterstützung der Menschen vor Ort können die Naturschutzmaßnahmen erfolgreich sein.
  • Den Boden bereitet: Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir ein Naturschutzzentrum aufgebaut, das eine breite Palette an Umweltbildungsmaßnahmen anbietet, wie z.B. eine interaktive Ausstellung und Naturführungen in das Dragoman-Moor. Inzwischen hat sich das Naturschutzzentrum in Dragoman zu einem international genutzten Treffpunkt in Sachen Naturschutz gemausert.
  • Perspektiven für Mensch und Natur: Zu den größten Erfolgen gehört ein Pilotprojekt zur Energiegewinnung aus Schilf - ein Rohstoff, der im Dragoman-Moor reichlich zur Verfügung steht und die offenen Wasserflächen zuzuwachsen droht. EuroNatur-Partner BWS konnte eine lokale Firma dafür gewinnen, in die nachhaltige Produktion von Schilfpellets einzusteigen. So wurde eine ganz neue Einkommensquelle in der Region geschaffen, die auch der Natur nützt.



Partner: Balkani Wildlife Society (BWS), Bulgarian Biodiversity Foundation (BBF), Universität Sofia

Förderung: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), EuroNatur-Spender und -Paten

 

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