Dehesas

Schlaraffenland für Kraniche und Schweine

© Gunther Willlinger
Die Dehesas sind eine der letzten Barrieren gegen die Ausbreitung der Wüsten Richtung Norden. © Gunther Willlinger

Was in Mitteleuropa die Streuobstwiesen mit den hochstämmigen Apfel-, Birn-, Zwetschgen- und Kirschbäumen sind, entspricht im Südwesten Spaniens den lichten und weitläufigen Stein- und Korkeichenhainen, den sogenannten Dehesas.

Und tatsächlich sind beide Naturräume durch den internationalen Vogelzug miteinander vernetzt: Viele Streuobstwiesenbewohner wie Gartenrotschwanz und Ringeltaube verbringen den Winter in der Extremadura. Auch für die Kraniche sind die Dehesas mit ihrem großen Nahrungsreichtum ein wahres Paradies. Jeden Herbst finden sich hier rund 60.000 Kraniche zum Überwintern ein. 



Grüne Barriere gegen die Wüste
Dehesas sind auch aus globaler Perspektive besonders schützenswert: In dieser trockenen und warmen Region Europas sind die immergrünen Stein- und Korkeichenwälder eine der letzten Barrieren, die der Wüstenbildung Richtung Norden Einhalt gebieten. So sorgt die Vegetation dafür, dass der wenige Regen nicht wieder sofort verdunstet, sondern langsam versickern kann und den Grundwasserspiegel auffüllt.



Aus extensiv wird intensiv
Die Dehesas entstanden, indem die ursprünglich dichten Eichenwälder von Schweinen, Rindern und Schafen beweidet wurden. Während die Rinder und Schafe grasten, labten sich die Schweine an den nährstoffreichen Eicheln. So bildeten sich im Lauf der Zeit parkartige Baumbestände heraus. Mit dem Aufkommen der Intensivtiermast gaben immer mehr Landwirte diese naturnahe Produktionsform auf. Mit schwerwiegenden Folgen für die zerbrechlichen Lebensräume: So ist heute ein Großteil der Dehesas überaltert, weil die natürlich nachwachsenden Bäume durch den hohen Viehbesatz einfach weggefressen werden. Zahlreiche Besitzer wandelten die Dehesas in bewässerte Monokulturen um, die langfristig den Boden auslaugen und den Grundwasserspiegel senken. Wird die Bewirtschaftung auf der anderen Seite ganz aufgegeben, verbuschen die Dehesas, und fallen dann oft Waldbränden zum Opfer. 

Kehrtwende in der Landwirtschaft nötig
Gemeinsam mit unseren spanischen Partnerorganisationen setzen wir uns seit Jahren dafür ein, dieses ökologische Juwel zu erhalten. Neben direkten Schutzprojekten versuchen wir vor allem Einfluss auf die nationale und europäische Agrarpolitik zu nehmen: Eine Kehrtwende ist notwendig, um nicht noch mehr wertvolle Lebensräume für Kranich & Co. zu verlieren! 



Was machen EuroNatur und seine Partner für den Schutz der Dehesas: 

  • Wissen weitertragen: Gemeinsam mit unseren Partnern beraten und schulen wir Landwirte und Behördenvertreter im Hinblick auf die Nutzung und die Zukunftsperspektiven der Dehesa-Wirtschaft.
  • Positive Vorbilder stärken: Wir fördern ökologisch wirtschaftende Betriebe in der Extremadura, die extensive Weidewirtschaft betreiben.
    Wertvolle Schutzkonzepte entwickeln: Gemeinsam mit unseren Partnern erarbeiten wir Vorschläge, mit denen die Dehesa-Wirtschaft unterstützt werden soll.
  • Druck ausüben: Wir setzen uns mit naturschutzpolitscher Lobbyarbeit auf nationaler und europäischer Ebene für den Erhalt traditioneller Bewirtschaftungsformen wie der Dehesa-Wirtschaft ein.



Was haben wir bisher erreicht – eine Auswahl unserer Erfolge:

  • In Kooperation mit EuroNatur hat die Fundación Monte Mediterráneo (FMM) einen Katalog mit Vorschlägen für Förderprogramme erarbeitet, mit denen die Dehesa-Landwirtschaft unterstützt werden soll. Im Sommer 2006 legte die FFM diesen Katalog der andalusischen Regierung vor. Und fand damit Gehör: Das Gesetz zum Schutz der Dehesas (Ley del la Dehesa) der Regionalregierung von Andalusien enthält nun wesentliche Elemente, die sich auf die Vorschläge von Euronatur und FMM stützen.
  • Gemeinsam mit unseren Naturpartnern vor Ort haben wir zahlreiche Aktionen durchgeführt, um natürlich nachwachsende Eichenkeimlinge vor Verbiss zu schützen. So ist es uns gelungen, die Verjüngung der überalterten Baumbestände nachhaltig zu sichern und die Dehesas damit ökologisch wieder aufzuwerten. 


Förderung: Hermsen-Stiftung, EuroNatur-Spender

 

 

EuroNatur-Studie "Die Dehesa in den Programmen zur ländlichen Entwicklung 2007-2013", 2006

Zum Download (223 KB)

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