Transhumanz

Naturreichtum durch Tradition

© Hans-Joachim Mathlage
Die traditionelle Viehtriebwege (Cañadas) sind auch ökologisch von großer Bedeutung. © Hans-Joachim Mathlage

Die Wanderweidewirtschaft (Transhumanz) prägte über Jahrhunderte nicht nur die Landschaft, sondern auch die Kultur der Iberischen Halbinsel. Wenn im Frühsommer die Vegetation im Landesinneren allmählich austrocknete, zogen die Hirten mit ihren Herden in die bergigen, feuchteren Regionen im Norden Spaniens. Die Viehzüchter folgten so mit ihren Tieren den jeweils günstigsten Weidebedingungen und verhinderten damit die Übernutzung und Erosion der Weidegründe.

Riesiges grünes Netz
Für die weite Wanderung nutzten die Hirten traditionelle Viehtriebwege, die sogenannten Cañadas. Bis heute sind weite Teile dieser traditionellen Weidewege erhalten geblieben, die auch ökologisch von großer Bedeutung sind: Das grüne Netz der Cañadas bildet einen riesigen Biotopverbund, der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum und Wanderkorridor dient.

Wanderweide wegrationalisiert
Bis Mitte des 20.Jahrhunderts pendelten zweimal im Jahr mehrere Millionen Schafe, Ziegen und Rinder zwischen ihren Sommer- und Winterweidegründen hin und her. Mit dem Eintritt Spaniens in die Europäische Gemeinschaft wurde die Landwirtschaft immer stärker durch die EU-Agrarpolitik bestimmt: Massentierhaltung und Monokulturen verdrängten im Lauf der folgenden Jahrzehnte die traditionelle Wanderweidewirtschaft und die Cañadas gerieten in Vergessenheit.

Neue Impulse gesetzt
Gemeinsam mit spanischen Partnerorganisationen startete EuroNatur im Jahr 1992 das „Projekt 2001“. Ziel war es, bis zum Jahr 2001 die zehn wichtigsten Cañadas wieder als Viehtriebstrecken zu etablieren und so diese Form der Weidewirtschaft wiederzubeleben. Auch wenn es bisher noch nicht gelungen ist, die Transhumanz flächendeckend wieder einzuführen, haben wir doch wichtige Teilerfolge erzielt. So sind die Cañadas seit 1995 in ganz Spanien unter Schutz gestellt und dürfen nicht überbaut werden. In Zukunft wird es vor allem darum gehen, neue Perspektiven für die Transhumanz zu erarbeiten. EuroNatur macht sich daher insbesondere auf politischer Ebene dafür stark, nachhaltige Bewirtschaftungsformen wie die Transhumanz gezielt zu fördern.



Was macht EuroNatur zur Wiederbelebung der Transhumanz:

  • Positive Vorbilder stärken: Wir fördern ökologisch wirtschaftende Betriebe in der Extremadura, die extensive Weidewirtschaft betreiben.
  • Regionale Kreisläufe ankurbeln: Wir entwickeln Konzepte, wie sich die Produkte aus ökologisch wirtschaftenden Betrieben besser vermarkten lassen.

  • Politische Voraussetzungen schaffen: Gemeinsam mit unseren Partnern setzen wir uns für eine ökologische und sozial gerechte Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik ein, um die Rahmenbedingungen für die Landnutzer und den Naturschutz in Europa nachhaltig zu verbessern. Lesen Sie mehr dazu unter www.die-bessere-agrarpolitik.de 

Was haben EuroNatur und seine Partner bisher erreicht:

  • Wissengrundlagen geschaffen: Neben erfahrenen Hirten haben auch Naturschützer die Herdenzüge begleitet. Sie haben den ökologischen Zustand der Trasse und ihrer Umgebung genau untersucht und alle unpassierbaren Stellen dokumentiert.
  • Mitstreiter gewonnen: Durch die Einbindung der örtlichen Bevölkerung haben wir wichtige Schutzprojekte angestoßen. So konnten wir einige Landbesitzer davon überzeugen, auf ihren Flächen gegen die schleichende Zerstörung der Cañadas vorzugehen.
  • Aufmerksamkeit erhöht: Viele Spanier begeisterten sich für die Aktion und die Transhumanz wurde zu einem nationalen Ereignis, über das auch die Medien ausführlich berichteten.
  • Schutz gesetzlich verankert: Im Jahr 1995 beschloss das spanische Parlament, die alten Schutzgesetze für die Cañadas in modernes spanisches Recht zu überführen. Jede Verbauung und Nutzung dieser Routen ist - außer für Viehtriebszwecke - seither wieder verboten.
  • Alternativen aufgezeigt: Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen haben wir Initiativen angestoßen, wie sich die Cañadas auch für den nachhaltigen Tourismus nutzen lassen. Speziell Freizeitaktivitäten wie Wandern, Radtouren oder Reitausflüge auf den Spuren der Wanderherden bieten eine einzigartige Kombination von Kultur und Natur.

 

Partner: MURUNA Spanien
Förderung: EuroNatur-Spender





www.die-bessere-agrarpolitik.de

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