Nachhaltige Entwicklung am Grünen Band in Albanien

Menschen und Natur verbinden

© Hannes Knapp
An den steilen Hängen des Shebenik-Jablanica-Gebirges blieben die Buchenwälder dank ihrer abgeschiedenen Lage bislang von menschlichen Eingriffen verschont. © Hannes Knapp
© Herbert Bachmeier
Bunte ökologische Vielfalt am Grünen Band Balkan: Um sie zu erhalten, muss die Lokalbevölkerung ins Boot geholt werden. © Herbert Bachmeier
© Spase Shumka
Auf degradierten Flächen am Rand des Shebenik-Jablanica-Nationalparks haben Jung und Alt gemeinsam 900 Haselnusssträucher gepflanzt. © Spase Shumka

Das Grüne Band auf dem Balkan ist ein Hotspot der Biodiversität. Zu den ökologisch wertvollsten und zugleich am stärksten gefährdeten Abschnitten gehören die Grenzgebiete um Albanien. Im Schutz des militärisch abgeriegelten, ehemals jugoslawisch-albanischen Grenzgebiets konnten sich einzigartige Naturlandschaften erhalten.

Schutzgebiete allein reichen nicht

In Albanien wurden in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um wesentliche Teile des Grünen Bandes unter Schutz zu stellen. EuroNatur hat unter anderem wesentlich dazu beigetragen, dass seit dem Jahr 2008 an der Grenze zu Mazedonien 340 Quadratkilometer des Gebirgszuges Shebenik-Jablanica als Nationalpark ausgewiesen sind. Ein weiterer großer Erfolg ist die Aufnahme von zwei Buchenurwald-Gebieten (Rajca und Lumi I Gashit) in die UNESCO-Weltnaturerbe-Liste. 

Doch mit der Schutzgebietsausweisung allein ist es nicht getan. Entscheidend ist, dass einerseits für ein funktionierendes Management der Schutzgebiete gesorgt wird. Andererseits muss die lokale Bevölkerung in die Naturschutzprojekte eingebunden werden!

Denn gerade Menschen, die auf den ersten Blick nichts mit Naturschutz zu tun haben, können über Erfolg oder Misserfolg von Schutzmaßnahmen entscheiden. Es ist dringend nötig, ihnen Möglichkeiten für eine nachhaltige und naturverträgliche Nutzung zu vermitteln. Die ländliche Bevölkerung Albaniens betreibt überwiegend Subsistenzwirtschaft, das heißt, ihre Wirtschaftsweise dient vorrangig der Selbstversorgung. Doch ohne die Umsetzung intelligenter Nutzungssysteme kann auch diese im Prinzip naturverträgliche Wirtschaftsweise zu einer Übernutzung von Wiesen, Weiden und Wäldern führen. 

Genau hier setzt EuroNatur gemeinsam mit ihren Partnern an

In zwei ausgewählten Schutzgebieten in Albanien haben EuroNatur und ihre albanische Partnerorga-nisation PPNEA fünf Projekte lokaler Organisationen gefördert. Ziel war es, ein nachhaltiges Ma-nagement der Schutzgebiete sicherzustellen, die Zivilgesellschaft in Albanien zu stärken und einen Beitrag zur Sicherung der Naturschätze am Grünen Band Europa zu leisten. 

Finanziell unterstützt wurde die Initiative vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des vom Bun-desumweltministerium geförderten Projekts „Naturschutz und nachhaltige Entwicklung am Grünen Band Albanien“. Im Rahmen der Projekte pflanzten die Menschen der Region unter anderem Bäume auf degradierten Flächen oder es wurden kompetente Naturführer ausgebildet, die künftigen Besuchern die Naturschätze der Region näher bringen können. Denn nachhaltiger Ökotourismus bietet  der lokalen Bevölkerung eine weitere wertvolle Einnahmequelle. 

Die fünf geförderten Projekte im Überblick:

  • Ausbildung von Naturführern für den Shebenik-Jablanica-Nationalpark
  • Reduzierung des Feuerholzverbrauchs in einer Schule durch die Installation einer modernen Zentralheizung
  • Aufforstungen auf degradierten Flächen
  • Sanierung von Regenwasserauffangbecken für Schafe und Ziegen (womit es sich erübrigt, die Herden durch den empfindlichen Wald zum Fluss zu führen)
  • Umweltbildungs- und PR-Maßnahmen in Lumi I Gashit  

Der Fokus bei den mittlerweile erfolgreich abgeschlossenen Projekten lag auf den Kernzonen Rajca im Shebenik-Jablanica-Nationalpark sowie Lumi I Gashit  im geplanten Nationalpark Albanische Alpen im Norden des Landes. Beide Gebiete sind wichtige Rückzugsräume für Balkanluchs und Braunbär und es finden sich dort die letzten Buchenurwälder Albaniens. Auch dank der jahrelangen Bemühungen von EuroNatur und ihren Partnern stehen diese seit Juli 2017 auf der Weltnaturerbeliste der UNESCO. 

Partner: PPNEA (Protection and Preservation of Natural Environment in Albania) 

Förderung: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMUB), EuroNatur-Spender 

Buchenwälder am Grünen Band Albanien (engl.)

In der reich bebilderten Broschüre finden Sie nicht nur Informationen zu den beiden Buchenurwald-gebieten in Albanien, sondern auch eine ausführliche Beschreibung der fünf geförderten Projekte.

Buchenwälder am Grünen Band Albanien (engl.)

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EuroNatur-Magazin-Artikel: Verbindung und Vielfalt. Starkes Netzwerk für das Grüne Band Europa

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