Livanjsko Polje

Landschaft der Superlative

© Borut Stumberger
© Borut Stumberger

 

Unweit der Adria, im Hinterland von Split, verbirgt sich eine Landschaft der Superlative: Das „Livanjsko Polje“ ist nicht nur das größte Feuchtgebiet Bosniens, sondern auch das größte, regelmäßig überschwemmte Karstpolje der Welt. Über Jahrtausende hinweg hat sich das Wasser hier über komplexe Lösungsvorgänge in das Kalkgestein des Dinarischen Gebirges gefressen und eine 400 Quadratkilometer große Ebene, ein sogenanntes Karst Polje, geschaffen („Polje“ bedeutet im slawischen Sprachraum „Ebene“ oder „Feld“). Das Wasser strömt unterirdisch aus mehreren anderen Poljen ins Livanjsko Polje, die stufenweise in Abständen von etwa 150 Höhenmetern oberhalb im Dinarischen Gebirge liegen.

 

Bunter Teppich der Vielfalt

Eingerahmt von schroffen Felswänden, konnte sich hier ein ebenso bunter wie empfindlicher Teppich aus Lebensräumen entwickeln: Röhrichte, Moore und Grasland liegen dicht beieinander und bergen eine große Artenvielfalt. Etwa ein Fünftel des Livanjsko Polje sind mit alten Wäldern aus Erlen, Stieleichen und Eschen bestanden, in denen so seltene Greifvögel wie Schrei- und Schlangenadler brüten.

Die Wiesen in der Umgebung des „Kranichmoors“ (Zdralovac) im Norden des Poljes beherbergen die größten Vorkommen des Wachtelkönigs in Südeuropa. Die ausgedehnten Wasserflächen dieses natürlichen Wasserspeichers, aber auch seine Sumpfvegetation und Erlenbruchwälder bieten einer Vielzahl von Wat- und Wasservögeln wie Rohrdommel und Wiesenweihe wertvolle Rast- und Brutplätze. Für Kraniche und andere Zugvögel bietet das Livanjsko Polje auf der Adria-Zugroute einen Rastplatz von unschätzbarem Wert.

 

Gefährdetes Paradies

Doch Pläne der Elektrizitätswirtschaft und der Kraftwerkswirtschaft, über Tunnel verstärkt Wasser aus den oberhalb liegenden Karstpoljes abzuziehen und in dem Gebiet bis zu 250 Meter tiefe Braunkohlegruben anzulegen, drohen die artenreichen Feuchtflächen des Livanjsko Polje in Industriegebiete zu verwandeln und gefährden die Trinkwasserversorgung in Kroatien.

Zudem wird im Kranichmoor, im Norden des Poljes, immer noch Torf abgebaut. Ein Netz aus Kanälen entzieht diesem wertvollen Feuchtgebiet seit den 1980er Jahren auf etwa einem Viertel seiner Fläche Wasser und gefährdet so den Lebensraum seltener und hochspezialisierter Pflanzen- und Tierarten.

 

Was macht EuroNatur gemeinsam mit seinen Partnern?

  • Wirksame Schutzkonzepte für das Livanjsko Polje weiterentwickeln, um das Gebiet als wertvollen Lebensraum und als wichtiges Rastgebiet auf der Adria-Zugroute (Adriatic Flyway) zu erhalten.
  • Die Renaturierung der 750 Hektar großen Fläche im Kranichmoor unterstützen und überwachen und damit auch einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz leisten.
  • Aufklärungsarbeit leisten, um die lokale Bevölkerung und sonstige Besucher für die ökologischen Schätze des Livanjsko Polje zu sensibilisieren und den langfristigen Erfolg der Schutzmaßnahmen zu fördern.


Was wir bereits erreicht haben – Eine Auswahl wichtiger Erfolge:

  • Die Jagdvereinigung Livno hat im Jahr 2009 große Teile des „Kranichmoors“ im Norden des Karstfeldes als Jagdbanngebiet ausgewiesen. EuroNatur hatte dem Kanton Livno und dem zuständigen Minister diese Maßnahme dringend empfohlen.
  • Das Livanjsko Polje wurde 2008 offiziell als international bedeutendes Feuchtgebiet für Wat- und Wasservögel (Ramsar-Gebiet) anerkannt. Über Jahre hinweg hat EuroNatur gemeinsam mit verschiedenen Partnern alle nötigen Daten zu Flora und Fauna des Livanjsko Polje zusammengetragen und damit die Grundlage geschaffen, dass die Regierung von Bosnien-Herzegowina einen Antrag auf Nominierung zum Ramsar-Gebiet stellen konnte.
  • Gemeinsam mit dem Franziskaner-Museum Gorica in Livno hat EuroNatur im Jahr 2008 eine Ausstellung eröffnet, die sich der Einzigartigkeit des Livanjsko-Polje widmet. 
  • Seit Anfang August 2011 ist das Livanjsko Polje als Important Bird Area ausgewiesen. Das weltweite, von BirdLife International ins Leben gerufene Important Bird Area Programm hat zum Ziel, die für den Vogelschutz bedeutsamen Gebiete zu identifizieren, zu beobachten und zu schützen. Important Bird Areas beherbergen bedeutende Populationen von bedrohten, im Vorkommen regional begrenzten Vogelarten oder große Bestände von rastenden oder durchziehenden Arten. 

 

Partner: Vogelschutzverein „ Nase Ptice“/ „Unsere Vögel“, Jugendzentrum Livno, WWF MedPo

Förderer: MAVA-Stiftung, EuroNatur-Spender und -Paten

 

Tagungsbericht des ersten Workshops zu Karstpoljen als Feuchtgebiete von nationaler und internationaler Bedeutung, Livno, 30.9.-1.10.2014 (englisch)

Lesen Sie mehr über die Arbeit von EuroNatur zum Schutz des Livanjsko Polje im Faltblatt "Livanjsko Polje - Moor am Mittelmeer"

Zum Download (438 KB)

Dinaric Karst Poljes — Floods for Life (engl.)

Zum Download (7 MB)

Lesen Sie mehr über die EuroNatur-Projekte zum Schutz der Zugvogellebensräume entlang der Adria-Zugroute.

Mehr erfahren

Sie wollen helfen?

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Zähler veranschaulicht illegale Abholzung rumänischer Urwälder in Echtzeit

++ Die rumänische EU-Präsidentschaft im Rampenlicht - und damit auch die Zerstörung der Urwälder ++ EuroNatur und Agent Green fordern Rumänien und die...

Pilotgebiete an der Save ausgewählt

Im Rahmen des Sava TIES Projekts wurden sieben Pilotgebiete festgelegt, in denen der Einfluss invasiver Pflanzenarten erforscht und Maßnahmen...

Naturschutztage am Bodensee

Auch in diesem Jahr bieten die Naturschutztage am Bodensee ein vielseitiges Programm. Sie finden vom 3. bis zum 6. Januar 2019 im Milchwerk in...

Auf Entdeckungsreise in Europas Natur

Internationaler Fotowettbewerb „Naturschätze Europas 2019“ startet

Vergiftungen bedrohen Geierbestände auf dem Balkan

In den letzten zwanzig Jahren sind mindestens 465 Geier auf dem Balkan Opfer von Vergiftungen geworden. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine...

Berner Konvention fordert Albanien zum Schutz der Vjosa auf

++ Geplante Wasserkraftwerke Pocem und Kalivac an der Vjosa sind sofort zu stoppen. ++ Ständiger Ausschuss der Berner Konvention sieht einmaliges...

Öko-Masterplan zeigt Wert der Balkanflüsse

++ 80.000 Kilometer Fließgewässer auf dem Balkan wissenschaftlich bewertet ++ 76 Prozent davon als Tabuzonen für Wasserkraftwerke ausgewiesen ++...

#GivingTuesday: Mitmachen und Flussperlen schützen!

Der Countdown läuft: Am 27. November ist #GivingTuesday. An diesem Tag ruft die gleichnamige Initiative weltweit Menschen dazu auf, ein Zeichen gegen...

Gänsegeier in der Saline Ulcinj abgeschossen

Für einen kroatischen Gänsegeier wurde die Saline Ulcinj zu einem tödlichen Rastplatz. Vermutlich erschossen Wilderer den seltenen Greifvogel – leider...

Grünes Band in Thüringen ist Nationales Naturmonument

Der einmalige Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze soll dauerhaft und flächendeckend geschützt werden.

EU-Kommission muss Urwälder in Rumänien schützen

EuroNatur und Agent Green: Größte Naturschutzkrise der EU erfordert dringendes Einschreiten

Kein „Weiter so“ in der Gemeinsamen Agrarpolitik

Die Verhandlungen um die Neugestaltung der europäischen Agrarpolitik ab 2021 auf EU-Ebene sind in vollem Gang. EuroNatur und ihre Partner fordern...

Serbien will Abkommen zum Schutz der Zugvögel beitreten

Lange haben EuroNatur und ihre serbische Partnerorganisation Bird Protection and Study Society of Serbia darauf hingearbeitet, nun ist der erste...

Grenzübergreifendes Projekt zum Save-Schutz angelaufen

Das von EuroNatur initiierte SavaParks Netzwerk hat den Zuschlag zu einer EU-Förderung für ein neues Projekt an der Save bekommen. Anfang Oktober fand...

Petition zur Rettung von Europas letzten Urwäldern

Die vierte Folge der investigativen Dokuserie „Out of Control“ zeigt die dramatischen Zerstörungen im rumänischen Calimani-Nationalpark. Parallel zur...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung