Neretva-Delta

Zerbrechliches Vogelparadies an der Adria

© Massimo Bottoni
© Massimo Bottoni

Mit seinen acht Mündungsarmen sieht das Delta des Flusses Neretva aus wie ein riesiger Vogelfuß. Und: aus unterirdischen Quellen gespeiste Deltaseen, schmale Flusstäler, weite Schilfwälder, Lagunen, nahrungsreiche Hutweiden, Sandbänke, Auwälder und mit Wasserpflanzen bedeckte Seitenarme machen das Gebiet tatsächlich zum reinsten Vogelparadies. In dem etwa 20.000 Hektar großen Delta, das sich von Bosnien-Herzegowina über die kroatische Grenze hinweg bis zur Adria ausbreitet, leben und rasten über 300 Vogelarten. Darunter Sichler, Löffler, Kraniche, die seltene Moorente und die Zwergscharbe.

 

Schlüsselgebiet für den Zugvogelschutz in Europa

Scharen eleganter Großvögel wie Silberreiher, Graureiher, Kraniche und Löffler sind auf die offenen Flächen im Delta als Landeplatz vor dem Flug über das Dinarische Gebirge angewiesen. Als einziges großes Schilfgebiet an der östlichen Adriaküste ist das Neretva-Delta ein überlebensnotwendiger Rastplatz für Vögel, die auf der Adria-Zugroute zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren hin und herpendeln. Damit gehört die Erhaltung dieser Naturlandschaft zu den Schlüsselaufgaben für einen erfolgreichen Schutz der Zugvögel in Europa.

Vogeljagd und Lebensraumzerstörung greifen um sich

Beachtliche Teile des Deltas sind zwar bereits Schutzgebiete (zum Öffnen einer Karte klicken Sie auf die unten stehende Bildergalerie). So sind das gesamte Neretva- Delta in Kroatien und der Naturpark Hutovo Blato in Bosnien-Herzegowina Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung und durch die Ramsar-Konvention geschützt. Im kroatischen Bereich des Deltas sind zusätzlich fünf streng geschützte Naturreservate ausgewiesen. Abgesehen davon, dass das Schutzgebietsnetz dennoch beträchtliche Lücken aufweist, reicht die Einrichtung von Schutzzonen auf dem Papier nicht aus. Denn in der Praxis werden diese wenig beachtet.

Die Naturreservate in Kroatien sind im Gelände nicht einmal als solche gekennzeichnet. Mit jedem Jahr fressen Autobahnen, Mandarinenplantagen und Gewerbeflächen die reiche Naturlandschaft des Neretva-Deltas mehr auf. Und je kleiner ihr Lebensraum wird, desto stärker sind die Vögel auf den wenigen verbleibenden Flächen den Jägern ausgeliefert. Die Vogeljagd ist im Neretva-Delta ein großes Problem: Im Gegensatz zu den Hunderttausenden Vögeln, die im Neretva-Delta vor 100 Jahren noch rasteten, sind es heute nur noch wenige Hundert.

 

Was macht EuroNatur?

  • Die Ausweisung des Neretva-Deltas in Kroatien als Naturpark und die Einrichtung weiterer Jagdbanngebiete vorantreiben.
  • Sich für die Umsetzung eines grenzübergreifenden Konzeptes zum Schutz des gesamten Neretva-Deltas einsetzen.
  • Alternativen zu Vogeljagd und Naturzerstörung aufzeigen. EuroNatur berät den Naturpark Hutovo Blato bei der Entwicklung von Angeboten zu sanftem Naturtourismus und Vogelbeobachtung und organisiert Fördermittel für den Ausbau der dafür nötigen Gästeinfrastruktur.
  • Durch politische Lobbyarbeit auf den fehlenden Schutz des kroatischen Teils des Neretva-Deltas aufmerksam machen und in diesem Zusammenhang auch hier für Naturtourismus als wirtschaftlich lukrative Alternative zur Naturzerstörung werben.
  • Lokale Einrichtungen (wie z.B. die Naturparkverwaltung von Hutovo Blato) stärken und Aufklärungsarbeit leisten.
  • Einheimische Vogelexperten bei ihren freiwilligen Kontrollen unterstützen.
  • Workshops und Seminare zu Vogelbestandsaufnahmen für junge Naturschützer sowie Naturführungen organisieren.

 

Was wir bereits erreicht haben – Eine Auswahl wichtiger Erfolge:

  • Das Netzwerk an Vogelbeobachtern und Vogelschutzexperten wird immer dichter. In Bosnien überwachen mittlerweile regelmäßig Mitglieder des Vereins Nase Ptice die Wasservogelbestände im Naturpark Hutovo Blato und zeigen im Gelände Präsenz gegen die Vogeljagd.
  • Ein Zonierungskonzept für den wirksamen Schutz des Neretva-Deltas als grenzüberschreitendes Biosphärenreservat hat EuroNatur bereits ausgearbeitet.
  • Vielgleisige und konsequente Aufklärung:

Seit dem Frühjahr 2010 zeigt eine Ausstellung in der ornithologischen Sammlung in Metkovi? die Natur- und Kulturschätze des Neretva-Deltas und wirbt dauerhaft für die Ausweisung des Naturparks auf der kroatischen Seite des Deltas.

Ein mehrsprachiges Faltblatt informiert ausländische Jagdgäste, einheimische Jäger und sonstige Besucher darüber, welche Jagdvorschriften im Neretva-Delta gelten und wo die Jagd verboten ist.

Die im Jahr 2010 fertiggestellte, vierbändige Naturbuchreihe „Die Vögel des Neretva-Deltas“ dokumentiert mit eindrucksvollen Fotos und Texten erstmals den herausragenden Wert des Gebietes als Zugvogelrastplatz. EuroNatur hat die Herausgabe der Reihe unterstützt.


Partner: Vogelschutzverein „ Nase Ptice“  in Bosnien-Herzegowina, Kroatische Gesellschaft für Vogel- und Naturschutz, lokale Vogelschutzgruppe Vodmoar (Eisvogel) in Kroatien, Vogelsammlung in Metkovi?, Naturpark Hutovo Blato

Förderer: EuroNatur-Spender und -Paten

 

Lesen Sie mehr über die EuroNatur-Projekte zum Schutz der Zugvogellebensräume entlang der Adria-Zugroute

Interview "Schauriges Schauspiel im Neretva-Delta" mit Ivana Šarić von der NGO Biom

Mehr erfahren

Faltblatt "Den Vogeljägern auf den Fersen - Vogelschutzcamps am Tatort Adria", 10/2018

Zum Download (341 KB)

Sie wollen helfen?

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Grenzübergreifendes Projekt zum Save-Schutz angelaufen

Das von EuroNatur initiierte SavaParks Netzwerk hat den Zuschlag zu einer EU-Förderung für ein neues Projekt an der Save bekommen. Anfang Oktober fand...

Petition zur Rettung von Europas letzten Urwäldern

Die vierte Folge der investigativen Dokuserie „Out of Control“ zeigt die dramatischen Zerstörungen im rumänischen Calimani-Nationalpark. Parallel zur...

Das Grüne Band Europa als Grüne Infrastruktur erhalten

Über 100 Vertreter aus 24 europäischen Ländern kommen auf der Wartburg zur 10. Paneuropäischen Grüne-Band-Konferenz zusammen. Die Welterbestätte ist...

EuroNatur-Preis 2018 an Schweizer Fluss-Schützer verliehen

++ EuroNatur-Preis 2018 geht an Roberto Epple ++ Am 9. Oktober ist europaweit die Online-Kampagne #ProtectWater gestartet ++

Grenzübergreifender Gipfelsturm

Im Rahmen der European Green Belt Days 2018 haben sich über 50 Menschen auf eine Bergwanderung begeben. Das Ziel war der Drei-Länder-Gipfel im...

25 Jahre Fotowettbewerb „Naturschätze Europas“

++ EuroNatur präsentiert Höhepunkte des Fotowettbewerbs „Naturschätze Europas“ in großformatigem Kalender ++ Fotoausstellung im Nationalpark...

Ein Vierteljahrhundert deutsch-polnische Zusammenarbeit

Seit 25 Jahren ist EuroNatur in der polnischen Narew-Region aktiv und trägt zusammen mit großen Teilen der lokalen Bevölkerung dazu bei, die...

Erster europäischer Fluss-Gipfel in Sarajevo

++ 250 Personen beim ersten Gipfel zur Rettung der europäischen Flüsse ++ Teilnehmer fordern EU und Regierungen auf, nicht mehr in Wasserkraft zu...

Musik für lebendige Flüsse und gegen Dämme

Hunderte beim Konzert für Balkanflüsse in Sarajevo. Populäre Musiker singen gegen den Wasserkraft-Tsunami auf dem Balkan an.

Vorbildlicher Naturschutz am Grünen Band Europa

„Grün und lebendig“ heißt der Slogan der Gemeinde Peja im westlichen Kosovo. Und dabei handelt es sich nicht um heiße Luft. Kürzlich wurde Peja als...

Einsatz für Europas Flüsse wird geehrt

++ EuroNatur-Preis 2018 geht an Roberto Epple ++ Der Schweizer Naturschützer hat die Bedrohung naturnaher Flüsse durch Wasserkraftprojekte bereits...

Skandalöse Abholzungen in Rumänien enthüllt

Die dritte Folge der investigativen Dokuserie „Out of Control“ zeigt, dass die Waldvernichtung im rumänischen Cheile Nerei-Beusnita-Nationalpark...

Erneuter Sieg für die „tapferen Frauen von Kruščica“

++ Frauen blockieren seit über einem Jahr eine Brücke in Bosnien-Herzegowina, um ihren Fluss zu schützen ++ Erneuter Versuch des Investors, die...

Illegale Bauarbeiten im Valbona-Nationalpark gehen weiter

Juristische Farce in Albanien: Unterschiedliche Gerichte heben gegenseitig ihre Entscheidungen im Fall des geplanten Kraftwerks Dragobia auf....

Slowenischer Teilabschnitt der Mur wird UNESCO-Biosphärenreservat

Erfreuliche Neuigkeit für Mitteleuropas größte Flusslandschaft: Die UNESCO hat 29.000 Hektar Auenlandschaft der slowenischen Mur als...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung