Shar-Gebirge

Gletscherseen und Balkanluchse

© Christof Wermter
Kommt im Shar-Gebirge noch vor: der vom Aussterben bedrohte Balkanluchs. © Christof Wermter

In den stark erschlossenen Alpen wird es immer schwieriger, dem Zauber einer einsamen Bergwelt zu begegnen. Anders im Grenzgebiet zwischen Mazedonien, Albanien und dem Kosovo. Wie Hunderte graugrüner Augen blicken Gletscherseen aus den Falten des Shar-Gebirges in den Himmel über dem äußersten Nordwesten Mazedoniens. Sie sind eingebettet in einen der höchsten und flächenmäßig größten Gebirgszüge auf dem Balkan und Teil einer grandiosen Bergwelt wie sie in Europa Ihresgleichen sucht. Im Schutz des einstigen Eisernen Vorhangs sind die Naturschätze des Shar-Gebirges bis heute nahezu unberührt erhalten geblieben. Sogar der akut vom Aussterben bedrohte Balkanluchs findet hier noch Lebensraum. 

Übernutzung droht

Doch das Idyll am Grünen Band Balkan ist in Gefahr. Eine Vorahnung dessen, wie es schon bald im Shar-Gebirge aussehen könnte, bieten die meisten Gebirgszüge in Albanien. Jahrzehntelange, ausbeuterische Landnutzung und damit verbundener großflächiger Holzeinschlag hinterließen dort eintönige, von Erosion zerfressene Landschaften. In zahlreichen Regionen Albaniens bestimmen heute karge Hänge das Landschaftsbild. Beunruhigende Anzeichen für diesen Prozess sind in den stärker besiedelten, tieferen Lagen des Shar-Gebirges in Mazedonien bereits deutlich erkennbar. Vielerorts ist der gesunde Eichenwald auch dort schon von Flächen nackter Erde durchsetzt. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Ressourcen dort aufgebraucht sind und die Übernutzung sich weiter in die unberührte Naturlandschaft der höheren Lagen ausbreitet. 


Schutzgebiet mit Lücken

Der im Kosovo gelegene Teil des Shar-Gebirges steht bereits unter Schutz. Im Raum stehen außerdem Planungen für einen grenzübergreifenden „Shar-Park“ zwischen Albanien, Mazedonien und dem Kosovo. Entstehen soll das größte zusammenhängende Schutzgebiet Südosteuropas. Doch was Mazedonien betrifft, beziehen die Pläne mit dem Mavrovo-Nationalpark bislang nur den südlichsten Zipfel des Gebirges ein. Würde das so bleiben, wäre das eine Farce, denn damit würde dem „Shar-Park“ das Herzstück fehlen. 



Was machen EuroNatur und seine Partner?


Lobbyarbeit für grenzübergreifenden Nationalpark: Mit politischer Lobbyarbeit setzen wir uns dafür ein, dass das Shar-Gebirge auch in Mazedonien vollständig als Nationalpark ausgewiesen wird, um einen der letzten Lebensräume für den akut vom Aussterben bedrohten Balkanluchs zu erhalten und das Grüne Band Europa weiter zu stärken.


Den Rückhalt der Bevölkerung gewinnen: Wir bringen sämtliche lokale Interessensvertreter aus allen drei Ländern des geplanten „Shar-Parks“ an einen Tisch. Gemeinsam sollen sie ein Leitbild für den grenzübergreifenden Nationalpark entwickeln. Ziel ist es, frühzeitig den Rückhalt der Lokalbevölkerung für das Schutzgebiet zu gewinnen.


Die Jungen begeistern: In zahlreichen Projekten zur Umweltbildung an Schulen im mazedonischen Teil des Shar-Gebirges sensibilisieren wir bereits Kinder und Jugendliche für die Naturschätze ihrer Heimat.


Funktionierende Ansätze ins Shar-Gebirge übertragen: Wir unterstützen die Menschen im Shar-Gebirge beratend und finanziell dabei, mit dem Schutz der Natur für sich alternative Einkommensquellen zu schaffen (z.B. durch Naturtourismus, Vermarktung biologisch produzierter Lebensmittel etc.).Im südlich gelegenen Jablanica-Shebenik-Gebirge im Grenzgebiet zwischen Mazedonien und Albanien haben wir mit dem Ansatz, die Menschen vor Ort ins Boot zu holen bereits große Erfolge erzielt. Der albanische Teil wurde im Jahr 2008 Nationalpark, der mazedonische Teil steht kurz vor der Ausweisung. Auch dort setzen wir gemeinsam mit der Lokalbevölkerung Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung um. 


Nachhaltige Entwicklung greifbar machen: In einer Studienreise in das zwischen Serbien und Bulgarien gelegene Stara-Gebirge wurden Vertretern aus dem angestrebten mazedonischen Shar-Nationalpark Anregungen für die Umsetzung eigener Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung gegeben. Im Stara-Gebirge gibt es bereits ein grenzübergreifendes Schutzgebiet und die Lokalbevölkerung hat dort erste Initiativen zur Entwicklung von Ökotourismus und Umweltbildung umgesetzt.

Partner: MES (Macedonian Ecological Society), PPNEA (Preservation and Protection of Natural Environment in Albania), FINCH, KORA (Koordinierte Forschungsstelle für Großraubtiere in der Schweiz)

Förderer: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), MAVA-Stiftung, GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), EuroNatur-Spender und -Paten


Faltblatt "Shar-Gebirge – Naturjuwel am Grünen Band"

Zum Download (301 KB)

EuroNatur-Projekte zum Schutz des Balkanluchses

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EuroNatur-Projekte zum Schutz des Grünen Bandes Balkan

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