Steckbrief Braunbär (Ursus arctos)

Verbreitung

© Jürgen Vogt
Zum Vergrößern der Karte klicken Sie bitte auf das Bild. © Jürgen Vogt

Einst lebten Braunbären überall dort, wo es Wald gab - und das war in fast ganz Europa. Durch die Rodung des Waldes wurden die Tiere immer weiter zurückgedrängt. Schon im Mittelalter war der Lebensraum der Bären auf die schwer zugänglichen und noch waldreichen Gebirge beschränkt. Die besten europäischen Bärengebiete sind steile, oft felsendurchsetzte großräumige Wälder; hierher verirren sich Menschen nur selten.

Im Dinarischen Gebirge und den Karpaten sind heute die höchsten Bestandsdichten in Europa zu finden. Auch in den Pyrenäen, den Alpen und dem Apennin gibt es noch kleinere Populationen. Im Kantabrischen Gebirge wächst die Zahl der Braunbären seit Ende der 1990er Jahre stetig an – ein Ergebnis der beharrlichen Arbeit von EuroNatur und seinem spanischen Projektpartner FAPAS.

Hinweise zur Karte:

Datenquelle: Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE), eigene Erhebungen

Die dargestellten Gebietsgrenzen geben nur die derzeit bekannten Kernverbreitungsgebiete an. Einzeltiere und kleinere Populationen können auch außerhalb dieser Gebiete vorkommen.

Lebensraum

Ein gutes Nahrungsangebot, genügend Möglichkeiten zur Deckung und eine ausreichende Anzahl  schwer zugänglicher Höhlen sind die entscheidenden Voraussetzungen dafür, dass sich Bärenbestände in einem Gebiet langfristig etablieren können. In Südeuropa bieten ausgedehnte Buchen- und Eichenwälder, wie sie im Dinarischen Gebirge vorkommen, den Bären optimale Voraussetzungen für die Futtersuche: hier findet Meister Petz neben den Baumfrüchten ein üppiges Vorkommen an Beeren und Insekten sowie hohe Wildbestände vor. Bären sind von Natur aus sehr scheue Tiere. Ein geeigneter Lebensraum muss daher auch genügend Rückzugsräume aufweisen, in denen die Bären Kontakt mit den Menschen meiden und ungestört ihre Jungen aufziehen können. Die ausgedehnten Wälder Skandinaviens und Osteuropas bieten den braunen Pelzträgern daher ideale Bedingungen. 

Körpermerkmale

Aufgerichtet erreichen europäische Braunbären eine Größe zwischen 1,70 und 2,20 Metern. Je nach Verbreitungsgebiet variiert das Gewicht zwischen 100 und 350 Kilogramm. In allen Populationen aber sind die Männchen deutlich schwerer als die Weibchen.

Trittsiegel:

  • Braunbären sind -wie alle Bären – Sohlengänger, d.h. Sie setzen den Fuß jeweils mit der ganzen Sohle auf.
  • Der Abdruck des Vorderfußes hat eine Länge von ca. 16 cm, der des Hinterfußes ca. 26 cm.

Spanischer Braunbär nimmt ein Bad

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Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Braunbären fällt in die Monate Mai bis Juli. Sowohl die Bären als auch die Bärinnen sind polygam und können sich mehrmals mit unterschiedlichen Partnern paaren. Die befruchtete Eizelle bleibt bis zu fünf Monate frei im Uterus. Erst zu Beginn der Winterruhe nistet sich die Eizelle in der Gebärmutter ein und die eigentliche Tragzeit beginnt. Die Jungen werden zwischen Januar und März geboren. Ein Wurf besteht in der Regel aus zwei bis drei Jungtieren, deren Aufzucht das Weibchen allein übernimmt. Während dieser Phase ist es ausgesprochen aggressiv und greift gelegentlich auch männliche Artgenossen an, wenn diese ihrem Wurf zu nahe kommen. Die Jungbären bleiben eineinhalb bis zweieinhalb Jahre bei ihrer Mutter. Sobald diese wieder paarungsbereit ist, trennt sie sich von ihrem Nachwuchs. Die Geschwister leben noch ein paar Monate zusammen und suchen sich dann eigene Lebensräume.

Nahrung

Braunbären decken – je nach Verbreitungsgebiet - bis zu drei Viertel ihres Bedarfs mit pflanzlicher Nahrung. Im Sommer und Herbst ernähren sie sich vor allem von Obst, Nüssen und Baumfrüchten wie Eicheln, Kastanien und Bucheckern. In dieser Zeit müssen sie täglich ca. 20.000 Kalorien zu sich nehmen (das entspricht etwa 30 Kilo Äpfeln), um sich genügend Winterspeck anzufressen. Wenn Bären im Frühling die Höhle verlassen, steht ihnen nur wenig Futter zur Verfügung. Ihren Bedarf decken sie zu dieser Zeit mit Wurzeln, Gräsern und Kräutern sowie Insekten. Auch Aas von Wild (wie z.B. Rehen) oder Weidetieren (wie z.B. Schafen), die Opfer des Winters geworden sind, ist jetzt eine wichtige Nahrungsquelle.

Gefährdung/ Schutzstatus

Man schätzt, dass Bären in freier Wildbahn 20 bis 30 Jahre alt werden können. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt allerdings nur sechs Jahre. Viele Tiere sterben an Mangelernährung oder Krankheiten. Die größte Gefährdung für den Braunbären stellt aber der Mensch dar: In einigen Ländern ist die Bärenjagd nach wie vor an der Tagesordnung, auch werden die Tiere oft Opfer von Wilderern. Der Bau von Verkehrswegen zerschneidet ihre Lebensräume, wodurch Populationen voneinander isoliert werden und Verkehrsunfälle mit Bären zunehmen.

In vielen Ländern Europas sind die Bären gesetzlich geschützt. Internationale Übereinkommen, in denen der Schutz der Bären verankert ist, sind zum Beispiel:

  • die Berner Konvention
  • das Washingtoner Artenschutzübereinkommen - CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora) und
  • die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU (92/43/EWG, 22.7.92)

Was tun, wenn man einem Bären begegnet?

Die richtigen Antworten finden Sie im Flyer "Richtiges Verhalten im Bärengebiet" - optimiert für Bildschirmanzeige oder zum Download als pdf-Datei.

Broschüre "Richtiges Verhalten im Bärengebiet"

Zum Download (8 MB)

Schutz der Braunbären in Europa

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