Unsere Projekte am „Grünen Band Europa“

Grünes Band Balkan

Schon lange bevor die Idee des „Grünen Bandes Europa“ entstand, hat sich EuroNatur als eine der ersten Naturschutzorganisationen für den Erhalt der wertvollsten Landschaften in Südosteuropa eingesetzt. Über Jahre hinweg wurde ein grenzüberschreitendes Netzwerk aus Naturschutzpartnern geknüpft, das noch heute besteht. EuroNatur ist deshalb im Rahmen der Initiative „Grünes Band Europa“ seit 2004 offizieller Koordinator der Naturschutzaktivitäten am Grünen Band Balkan, dem südlichsten Teilstück des Grünen Bandes Europa.

Anders als im nördlichen und zentralen Abschnitt des Grünen Bandes folgt es im Bereich der Balkanhalbinsel nicht nur der ehemaligen Trennlinie zwischen Ost und West, sondern auch den Grenzen zwischen Albanien und dem ehemaligen Jugoslawien.

Schutzgebiete nur auf dem Papier

Wesentliche Teile des Grünen Bands auf dem Balkan sind bereits formal geschützte Gebiete. Doch es gibt immer noch bedeutende Wälder, Moore und Gebirgslandschaften entlang der früheren Grenze zwischen Ost und West, die dringend einen offiziellen Schutzstatus brauchen. Ein großes Problem ist, dass viele Schutzgebiete nur auf dem Papier existieren. Es fehlen die nötigen Verwaltungen, die sich um das Management der Gebiete kümmern können. Gleichzeitig sollen am Grünen Band Balkan Staudämme, Skigebiete, Windparks und Fernstraßen gebaut werden.

Was EuroNatur und ihre Partner für den Schutz der Natur am Grünen Band Balkan unternehmen und was wir gemeinsam erreichen konnten:

  • Ein Netz aus Schutzgebieten schaffen: EuroNatur setzt sich entlang des einstigen Eisernen Vorhangs in Südosteuropa für den Erhalt artenreicher Wildnisgebiete und Kulturlandschaften ein. Die Vision von EuroNatur ist, dass sich am Grünen Band Balkan ein gut betreutes Schutzgebiet an das nächste reiht und somit ein Biotopverbund geschaffen wird, der die ganze Balkanhalbinsel vernetzt.
     
  • Menschen und Natur verbinden: Wir werben um die Akzeptanz der Menschen in den Projektgebieten am Grünen Band Balkan. Nur gemeinsam lässt sich ein dauerhafter Erfolg der Naturschutzmaßnahmen erreichen. Mit unseren Partnern erarbeiten wir in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung der jeweiligen Region. Wir wollen den Menschen zeigen, dass sie auch wirtschaftlich von einer intakten Natur profitieren.
     
  • Durch Naturschutz versöhnen: Das Grüne Band Balkan ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Naturschutz erfolgreich über Grenzen hinweg denken und verwirklichen lässt. Mit unseren grenzüberschreitenden Naturschutzprojekten tragen wir dazu bei, Menschen aus ehemals verfeindeten Staaten zusammenzubringen. Zudem stärken wir das zivilgesellschaftliche Engagement der Menschen auf dem Balkan. Aus einer dieser Initiativen ist der entscheidende Impuls hervorgegangen, dass das Shar-Gebirge grenzübergreifender Nationalpark wird.

Musterbeispiel Shar-Gebirge

Gletschersee im Shar-Gebirge

Der See Bogovinsko Ezero.

© Ljubomir Stetanov

Uralte Gletscherseen, endemische Pflanzenarten, der vom Aussterben bedrohte Balkan-Luchs: Im Shar-Gebirge gibt es noch eine alpine Schönheit und Artenvielfalt, wie sie in weiten Teilen anderer europäischer Gebirge längst verschwunden ist. Gleichzeitig spielt die Transhumanz im Shar-Gebirge eine große Rolle. Über Jahrhunderte entstand hier eine naturverträgliche Form der Wanderweidewirtschaft, die mit zur hohen Biodiversität im Gebiet beiträgt. EuroNatur ist schon seit vielen Jahren hier im Grenzgebiet zwischen Nordmazedonien, dem Kosovo und Albanien aktiv.

Langer Atem zahlt sich aus

Im Mai 2020 hat als letzter Anrainer des Gebirgsmassivs die nordmazedonische Regierung bekanntgegeben, auch ihren Teil des Shar-Gebirges zum Nationalpark zu deklarieren. Dieser Entscheidung ging nicht nur eine Einflussnahme der verschiedenen Regierungen in Skopje unsererseits voraus; vor allem haben wir mit unseren nordmazedonischen Partnern in der Region auf diese Entscheidung hingewirkt.

Die lokale Bevölkerung des Shar-Gebirges sollte für die Naturschätze vor ihrer Haustür sensibilisiert werden. Gleichzeitig wurde den Menschen aufgezeigt, dass sie von der Ausweisung ihrer Heimat zum Nationalpark in mehrfacher Hinsicht profitieren würden. Das Meinungsbild in der Bevölkerung wandelte sich.

Menschen wandern im Gebirge

Die Ausgestaltung von nachhaltigem Tourismus ist eines der Modellprojekte im Shar-Gebirge.

© Jovan Bozhinovski

Aktionsgruppe mit Vorbildcharakter

Großen Anteil an dieser Kehrtwende hatte die Arbeit des Aktionsbündnisses „Freunde des Shar-Gebirges“. Die lokale Aktionsgruppe, die auch Vorbild für ähnliche Gruppen in den Nachbarländern ist, setzt sich aus verschiedenen Organisationen aus der Region zusammen. Sie alle eint das Ziel, dass ihre Heimat als grenzübergreifender Nationalpark geschützt werden soll.

EuroNatur, ihre Partnerorganisation MES und die „Freunde des Shar-Gebirges“ werden den nun anstehenden Prozess der Nationalpark-Ausweisung weiterhin begleiten, um einen adäquaten und wirksamen Schutz der Naturwerte des Shar-Gebirges sicherzustellen. Zusätzlich werden wir die lokalen Akteure dabei unterstützen, Modellprojekte für eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen. Denn nur, wenn sich die Menschen im Shar-Gebirge für den Schutz ihrer Heimat verantwortlich fühlen, wird der Nationalpark ein wirklich nachhaltiges Schutzgebiet sein.


Europas größte Naturschutzinitiative

Das „Grüne Band Europa“ trägt entscheidend dazu bei, die Biodiversität in Europa zu erhalten. Entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs finden sich mehrere Tausend Schutzgebiete. Sie sollen Trittsteine für Tier- und Pflanzenarten bieten, so dass das Grüne Band maßgeblich dazu beiträgt, eine grüne Infrastruktur quer durch Europa zu etablieren.

Beteiligt an Europas größter Naturschutzinitiative sind EU-Mitgliedsstaaten, potentielle Beitrittskandidaten und Nicht-EU-Staaten. Die Koordination der Initiative ist eine große Herausforderung, zumal die Zahl der staatlichen sowie nicht-staatlichen Akteure stetig wächst.

Im Jahr 2014 wurde der Verein „European Green Belt Association“ gegründet, der die Initiative „Grünes Band Europa“ repräsentiert und die Koordination übernimmt. Staatliche und nicht-staatliche Akteure arbeiten darin eng zusammen. Mit dem BUND als Stellvertreter hat EuroNatur den Vorsitz inne. 

Unsere Partner am Grünen Band

Unsere Partner vom Grünen Band bei der 10. Pan-Europäischen Grünes Band-Konferenz an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze (15. bis 19. Oktober 2018 auf der Wartburg).

© Katharina Grund

Wie verleihen wir und unsere Partner der Initiative „Grünes Band Europa“ Schwung?

Green Belt Days 2019

Klassischer Programmpunkt der Green Belt Days: Folkloregruppen der Region führen traditionelle Tänze auf.

© Center for Environment
  • Feiertage am Grünen Band: Alljährlich organisieren unsere Partner am „Grünen Band Europa“ in der zweiten Septemberhälfte die European Green Belt Days. Bei diesen öffentlichkeitswirksamen Aktionen stehen die Naturschätze entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs, aber auch die länderübergreifende Zusammenarbeit im Fokus. Mit Exkursionen, kulturellen Veranstaltungen und lokalen Speisen locken die Green Belt Days zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus der Region an.
     
  • Politischen Austausch stärken: Wir setzen uns dafür ein, dass die Länder am „Grünen Band Europa“ sich gegenseitig verpflichten, beim Schutz des Biotopverbundes eng zusammen zu arbeiten. Am nördlichsten Abschnitt des „Grünen Bandes Europa“ haben die Regierungen von Finnland, Russland und Norwegen bereits eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben. Sie ist Vorbild für die anderen Abschnitte des „Grünen Bandes Europa“.
Anja Siegesmund und Gabriel Schwaderer

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund und EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer unterzeichnen als Erste die Eisenacher Resolution.

© Johannes Buldmann
  • Die Politik in die Pflicht nehmen: In mehreren Resolutionen und Erklärungen haben sich die Akteure am Grünen Band dazu verpflichtet, verantwortliche Politikerinnen und Politiker auf allen Ebenen aufzufordern, das gemeinsame Natur- und Kulturerbe als Grüne Infrastruktur zu erhalten und zu fördern. Im November 2018 erklärte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund das Grüne Band Thüringen zum Nationalen Naturmonument. Weitere Bundesländer folgten.

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