Eine Erneuerbare-Energie-Richtlinie für Mensch und Natur

RED4Nature

Sowohl die ökologische Krise als auch die Klimakrise bedrohen unseren Planeten, einschließlich der menschlichen Lebensgrundlagen und der biologischen Vielfalt. In diesem Zusammenhang hat die Europäische Kommission am 14. Juli 2021 eine Überarbeitung der Richtlinie über erneuerbare Energien (RED) vorgeschlagen. Der Vorschlag der Kommission stellt jedoch nicht sicher, dass die Zukunft der erneuerbaren Energien in der EU keine negativen Auswirkungen auf die Natur hat. Deshalb setzen wir uns für eine zweckmäßige RED ein, die den Fokus auf eine umweltfreundliche Energieerzeugung legt und insbesondere den Bau von Staudämmen an Flüssen und die Abholzung von Biomasse in Primär- und Urwäldern verbietet. Nur eine RED, die der Natur dient, kann uns helfen, die Biodiversitäts- und Klimakrise gleichermaßen zu lösen.

Eine neue Erneuerbare-Energie-Richtlinie kann sowohl dem Klima als auch der Natur dienen!

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Unser Statement für eine überarbeitete Erneuerbare-Energie-Richtlinie

Energiewende nicht auf Kosten der Biodiversität und lokaler Gemeinden

Die Biodiversitätskrise und die Klimakrise sind eine Gefahr für die menschliche Existenz, die Artenvielfalt und die Intaktheit des planetaren Systems. Die Richtlinie über erneuerbare Energiequellen (Renewable Energy Directive, RED) bietet die Gelegenheit, die Prioritäten neu zu ordnen und in der EU Energielösungen voranzubringen, die beide Krisen gemeinsam lösen. Um die EU-Klimaziele zu erreichen, braucht es:

  • eine Reduktion des Gesamt-Energieverbrauchs,
  • eine Umstellung auf ein Energiesystem mit 100% Erneuerbaren bis 2040 und
  • eine Steigerung der Energieeffizienz, um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65% zu senken.
Riesiger Staudamm staut einen Fluss auf

Ein riesiger Staudamm an der Neretva - mit desaströsen Folgen für wanderende Fischarten und andere Wildtiere.

© Anton Vorauer
Windräder im Schnee

Windenergie ist eine eher naturfreundliche Form der Energiegewinnung.

© Dietmar Nill

Allerdings bedeutet erneuerbar nicht automatisch umweltverträglich, denn Energiequellen wie Wasserkraft, Biomasse aus Holz oder Agrotreibstoffe können mit Naturzerstörung einhergehen. Die Verbrennung von Holz erhöht die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, was im für die Klimakrise relevanten Zeitraum nicht durch die Nachpflanzung von Bäumen ausgeglichen werden kann. Eine zielorientierte RED wird daher Anreize für verbrennungsbasierte Energien so weit wie möglich vermeiden, inklusive von Wäldern und Kulturpflanzen. Wasserkraftwerke können dramatische Auswirkungen auf die Gewässerbiodiversität, die umgebenden Ökosysteme und die lokalen Gemeinden haben und die Folgen des Klimawandels verschlimmern. Die RED kann dies berücksichtigen, indem sie keine weiteren Wasserkraftwerke finanziert und errichtet, bei bestehenden Anlagen die Effizienz optimiert und die Finanzierung in ökologische Nachrüstung umleitet, wo diese erforderlich ist.

Die weitere Etablierung nachhaltigerer erneuerbarer Energiequellen wie Wind, Sonne und Erdwärme kann dazu beitragen, die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die Gesellschaft zu begrenzen und die Erneuerbaren-Ziele zu erreichen, muss aber mit einer guten Raumplanung entwickelt werden. Zu diesem Zweck müssen die Mitgliedstaaten je nach Vorkommen geschützter Arten und Lebensräume und im Einvernehmen mit den lokalen Gemeinschaften geeignete Gebiete ausweisen, in denen Energieerzeugung und Bergbau so naturverträglich wie möglich durchgeführt werden können. Die RED muss den Mitgliedstaaten einen Planungsprozess vorgeben, der sowohl die Entwicklung von Projekten erleichtert als auch die Auswirkungen der Energieanlagen auf Natur und Menschen besser begrenzt und dabei die freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) auf dem Land indigener Völker garantiert.

Darüber hinaus sollten die Ziele der RED darin bestehen, das Energienetz so zu verbessern, dass es mit Solar-, Wind- und geothermischer Energie kompatibel ist. Darüber hinaus sollten Anreize für Gebäuderenovierungen geschaffen werden, die den Energieverbrauch senken und die Nutzung erneuerbarer Energien (z.B. Photovoltaik) erhöhen, und die Elektrifizierung des Energiesystems muss durch die Modernisierung der bestehenden Infrastruktur und der Stromspeicherkapazitäten verbessert und auf ländliche Gebiete ausgeweitet werden.

Die EU muss jenen erneuerbaren Energien den Vorrang einräumen, die die Erhaltung oder Wiederherstellung des guten ökologischen Zustands von Arten und Lebensräumen nicht behindern. Die RED sollte ausdrücklich mit anderen EU-Politiken und -Richtlinien wie der Vogelschutz- und der FFH-Richtlinie, die auf einen günstigen Erhaltungszustand von Arten und Lebensräumen abzielen, der Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten ökologischen Zustand von Gewässern anstrebt, und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, die auf einen guten ökologischen Zustand von Meeresgebieten abzielt, in Einklang gebracht werden.


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Unser Energie-Blog

Blog I: Eine nachhaltige und grüne Europäische Union ist möglich - aber wie?

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Blog II: Warum die Save mehr braucht als Umweltschutz

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Blog III: Holz ist zu wertvoll zum Verbrennen

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Blog IV: Der Mythos der nachhaltigen Wasserkraft

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Blog V: Putins Angriffskrieg und die Energiekrise der EU

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Blog VI: RED4Nature & RRF ("Covid-Aufbaufonds")

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Blog VII: Zu viele Schlupflöcher für echte Energiewende

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Blog VIII: Die Bedeutung lokaler Energie-Gemeinschaften

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Blog IX: Wir schauen nicht tatenlos zu, wie unser Planet implodiert

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Erneuerbare Energieträger

Klimamaßnahmen sollten den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und Kernenergie vorantreiben und dabei erneuerbaren Energien den Vorrang geben, die die Auswirkungen auf die Natur minimieren und deren ökologische Kapazitäten berücksichtigen können. Eine zweckmäßige Richtlinie für erneuerbare Energien wird sich auf erneuerbare Energiequellen konzentrieren, die gesunde, natürliche Ökosysteme erhalten. Doch Vorsicht: Erneuerbare Energiequellen wie Biomasse und Wasserkraft sind nicht unbedingt ökologisch nachhaltig, da sie wichtige Wälder und Flüsse zerstören und verändern können, auf die wir für das intakte Funktionieren unseres Planeten angewiesen sind. Erfahren Sie mehr:

  • Solarenergie

    Die Solarenergie ist eine kosteneffiziente, ausbaufähige Energiequelle und ein wichtiger Motor für die Elektrifizierung und Dezentralisierung des Energienetzes. Zwar ist die Solarenergie auf die Tageszeit und auf Gebiete mit ausreichender Sonneneinstrahlung und geeigneten Standorten beschränkt, doch mit der zunehmenden Innovation bei der Kapazität zur Speicherung von Solarenergie kann das Potenzial der Solarenergie noch weiter ausgebaut werden.

    Solarenergie kann auch eine der kosteneffektivsten Formen erneuerbarer Energie sein, insbesondere Photovoltaik (PV)-Zellen, die auf Gebäuden montiert oder in diese integriert sind. Von allen erneuerbaren Energien, einschließlich Wind, Wasserkraft und Biomasse, erzeugen PV-Solarsysteme die größte Energiemenge pro Fläche. Eine Zunahme der Photovoltaik könnte die Solarenergie bis 2040 zur zweitwichtigsten Stromquelle in Europa machen und fast 30-40 Prozent der Stromerzeugung abdecken.

    Wie bei allen Technologien kann es auch bei der Solarenergie zu einer unbeabsichtigten Verschwendung von Nebenprodukten kommen. Auch das Recycling und die ordnungsgemäße Entsorgung von Solarmodulen sollte ins Auge gefasst werden, wobei insbesondere die Hersteller von Solarmodulen für die Durchführung eines Recyclingprogramms verantwortlich gemacht werden sollten. Wie bei Windkraftanlagen lassen sich viele Auswirkungen durch geeignete Planung und Standortwahl verringern oder vermeiden. Dennoch erzeugen PV-Solaranlagen unter den erneuerbaren Energien, einschließlich Wind, Wasserkraft und Biomasse, die größte Energiemenge pro Fläche.

  • Windkraft

    Mit der richtigen Planung kann die Onshore-Windenergie zur wichtigsten Stromquelle der EU werden und bis 2040 ein Potenzial von mehr als 2500 TWh erreichen, während die Offshore-Windenergie bis 2040 auf etwa 800 TWh ansteigen kann. Es wurden auch neue Windturbinentechnologien entwickelt, die kleine Windenergieanlagen und Windenergieanlagen auf Gemeindeebene ermöglichen, um insbesondere ländliche Gebiete mit Strom zu versorgen, Einzelpersonen in die Lage zu versetzen, ihre eigene Energie zu erzeugen und eine dezentrale Netzplanung zu erleichtern.

    Windparks, ob groß oder klein, sollten nicht auf den Wanderrouten von Tieren (z.B. Vögeln, Fledermäusen usw.), und nicht in Brut- und Schutzgebieten errichtet werden. Wichtige Areale für die Nahrungssuche sollten ebenfalls vermieden werden. So wird sichergestellt, dass die wichtigsten Gebiete für Wildtiere nicht beeinträchtigt werden. Außerdem sollten Windkraftanlagen nur aus recyceltem Material hergestellt werden. Die Entnahme und Zerstörung natürlicher Ökosysteme, auch außerhalb Europas, sollte begrenzt werden.

  • Geothermie

    Geothermische Energie wird aus der unter der festen Erdoberfläche erzeugten Wärme gewonnen, die leicht in geringer Tiefe gewonnen werden kann, ohne tief in den Boden eindringen zu müssen. Die Wärme kann mit Hilfe von Wärmepumpen genutzt werden und kann eine wichtige Triebkraft für die Elektrifizierung der Heizung sein. Daher wird durch die tiefgreifende Renovierung von Gebäuden und die verstärkte Installation von Wärmepumpen auch das Potenzial der oberflächennahen Geothermie zunehmen.

    Geothermische Energie kann genutzt werden, um die Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie zu ergänzen. Die schrittweise Abschaffung von Gas- und Ölkesseln ist ein wichtiger Schritt zur verstärkten Nutzung der Geothermie durch Wärmepumpen. Die Primärenergieversorgung mit geothermischer Energie kann sich bis 2040 mehr als verzehnfachen.

  • Energieträger Holz

    Energiegewinnung aus Holz ist nicht nachhaltig und zerstört wichtige Kohlenstoffsenken

    Die energetische Nutzung von Biomasse aus Holz geht mit massiver Naturzerstörung einher. Sie hat zu verstärkter Waldrodung beigetragen, und das sogar in Schutzgebieten. Energiegewinnung aus Holz und Feldfrüchten ist flächenineffizient und verbraucht pro erzeugter Energieeinheit sehr viel Land, Wasser und andere Ressourcen. „Bio“-Energie kann auch indirekt zu Landnutzungsänderungen führen, etwa indem sie Bauern verdrängt, die dann in bisher ungenutzte Gebiete vordringen, um dort Lebensmittel anzubauen. Bei Biomasse aus Holz kommt hinzu, dass ihre Verbrennung die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erhöht, was im für die Klimakrise relevanten Zeitraum nicht durch die Nachpflanzung von Bäumen ausgeglichen werden kann.

    In Europa befinden sich infolge nicht nachhaltigen Forstmanagements schon jetzt etwa 86% der Waldlebensräume in einem ökologisch ungünstigen Zustand. Die negativsten Auswirkungen auf Lebensräume und Artenvielfalt haben dabei Kahlschläge sowie die Entfernung alter Bäume und von Totholz. Alte intakte Waldökosysteme sind wichtige Kohlenstoffsenken. Sie speichern große Mengen Kohlenstoff sowohl im lebenden Baumbestand als auch in Totholz und im Boden. Zudem sind alte Wälder sehr artenreich und daher für die Bewahrung der Biodiversität unverzichtbar.

    Die energetische Nutzung von Biomasse aus Holz sollte in Europa daher nicht weiterverfolgt werden. Im Gegenteil muss sie bis 2040 um fast zwei Drittel reduziert werden, um die Biodiversitätsziele erreichen zu können.

  • Wasserkraft

    Die negativen Auswirkungen der Wasserkraft auf die Natur sind enorm, die Mengen an gewonnener Energie hingegen sehr gering

    Wasserkraftanlagen haben gravierende Folgen für Süßwasserökosysteme und die Biodiversität weltweit. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Wasserkraftnutzung (inkl. Kleinwasserkraft) der Hauptfaktor für den Artenschwund bei Fischen ist, da sie die Vernetzung der Flüsse, den Sedimenttransport und die Fischwanderungen unterbindet. Nur 40% der Oberflächengewässer der EU befinden sich derzeit in einem guten ökologischen Zustand. Ein weiterer Ausbau der Wasserkraft würde zu noch mehr Lebensraumverlust, Fragmentierung und Zerstörung führen. Er würde die Lebensbedingungen der Flussarten weiter verschlechtern und zu mehr Erosion und Waldverlust führen.

    Der derzeitige und der potentielle Beitrag der Wasserkraft, insbesondere der Kleinwasserkraft, zur Stromerzeugung ist gering, während die Errichtungs- und Instandhaltungskosten hoch sind. Im Jahr 2019 stellten die mehr als 19.000 Wasserkraftwerke in der EU nur 2% der gesamten Energieversorgung der EU dar. Die Errichtung der mehr als 5.500 projektierten Wasserkraftwerke würde diesen Wert nur um 0,5 Prozent erhöhen. Hinzu kommt, dass sich der Klimawandel voraussichtlich negativ auf die Produktivität vieler Wasserkraftwerke auswirken wird.

    Weitere Investitionen in Wasserkraftprojekte in Europa sind daher weder ökologisch nachhaltig noch finanziell tragfähig. Und nicht zuletzt steht die Errichtung weiterer Wasserkraftwerke in direktem Widerspruch zu den Zielen der EU-Biodiversitätsstrategie und Wasserrahmenrichtlinie, frei fließende Flüsse auf 25.000 Kilometer wiederherzustellen.

     

     


Interview mit Bruna Campos darüber, wie wir in Brüssel EU-politische Veränderungen anstoßen

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Wie sollten wir die EU-Energiekrise anpacken? Das sagen unsere Europaabgeordneten

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Statements and position papers

NGO position paper for RED Trilogues (November 2022)

(3 MB)

Joint statement of EU environmental organisations (12 September 2022)

(201 KB)

EuroNatur-Positionspapier zur Bewältigung der Klima- und Umweltkrise in der EU (November 2021)

(446 KB)

Joint Briefing Paper - Renewable Energy Directive for nature (März 2022)

(83 KB)

Offene Briefe an EU-Politiker

Open Letter Frans Timmermans (30 November 2022)

(55 KB)

Green10 Letter to EVP Timmermans on REPowerEU (13/16th May 2022)

(309 KB)

Abstimmungsempfehlungen

Plenary vote (14 December 2022)

(474 KB)

ITRE vote (14 November 2022)

(410 KB)

ENVI vote (25 October 2022)

(480 KB)

ITRE vote (13 July 2022)

(2 MB)

ENVI vote (16 May 2022)

(2 MB)

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