Eine Erneuerbare-Energie-Richtlinie für Mensch und Natur

Unser Statement für eine überarbeitete Erneuerbare-Energie-Richtlinie

Energiewende nicht auf Kosten der Biodiversität und lokaler Gemeinden

Die Biodiversitätskrise und die Klimakrise sind eine Gefahr für die menschliche Existenz, die Artenvielfalt und die Intaktheit des planetaren Systems. Die Richtlinie über erneuerbare Energiequellen (Renewable Energy Directive, RED) bietet die Gelegenheit, die Prioritäten neu zu ordnen und in der EU Energielösungen voranzubringen, die beide Krisen gemeinsam lösen. Um die EU-Klimaziele zu erreichen, braucht es:

  • eine Reduktion des Gesamt-Energieverbrauchs,
  • eine Umstellung auf ein Energiesystem mit 100% Erneuerbaren bis 2040 und
  • eine Steigerung der Energieeffizienz, um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65% zu senken.

Ein vollständig erneuerbares Energienetz bis 2040 ist technisch machbar, wie die EEB/CAN-Studie Building a Paris Agreement Compatible energy scenario zeigt. Ein Wandel zu 100% erneuerbarer Energiegewinnung bis 2040 dient sowohl dem Kampf gegen die Klimakrise als auch der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen, was heute wichtiger ist denn je.

Riesiger Staudamm staut einen Fluss auf

Ein riesiger Staudamm an der Neretva - mit desaströsen Folgen für wanderende Fischarten und andere Wildtiere.

© Anton Vorauer
Windräder im Schnee

Windenergie ist eine eher naturfreundliche Form der Energiegewinnung.

© Dietmar Nill

Allerdings bedeutet erneuerbar nicht automatisch umweltverträglich, denn Energiequellen wie Wasserkraft, Biomasse aus Holz oder Agrotreibstoffe können mit Naturzerstörung einhergehen. Die Verbrennung von Holz erhöht die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, was im für die Klimakrise relevanten Zeitraum nicht durch die Nachpflanzung von Bäumen ausgeglichen werden kann. Eine zielorientierte RED wird daher Anreize für verbrennungsbasierte Energien so weit wie möglich vermeiden, inklusive von Wäldern und Kulturpflanzen. Wasserkraftwerke können dramatische Auswirkungen auf die Gewässerbiodiversität, die umgebenden Ökosysteme und die lokalen Gemeinden haben und die Folgen des Klimawandels verschlimmern. Die RED kann dies berücksichtigen, indem sie keine weiteren Wasserkraftwerke finanziert und errichtet, bei bestehenden Anlagen die Effizienz optimiert und die Finanzierung in ökologische Nachrüstung umleitet, wo diese erforderlich ist.

Die weitere Etablierung nachhaltigerer erneuerbarer Energiequellen wie Wind, Sonne und Erdwärme kann dazu beitragen, die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die Gesellschaft zu begrenzen und die Erneuerbaren-Ziele zu erreichen, muss aber mit einer guten Raumplanung entwickelt werden. Zu diesem Zweck müssen die Mitgliedstaaten je nach Vorkommen geschützter Arten und Lebensräume und im Einvernehmen mit den lokalen Gemeinschaften geeignete Gebiete ausweisen, in denen Energieerzeugung und Bergbau so naturverträglich wie möglich durchgeführt werden können. Die RED muss den Mitgliedstaaten einen Planungsprozess vorgeben, der sowohl die Entwicklung von Projekten erleichtert als auch die Auswirkungen der Energieanlagen auf Natur und Menschen besser begrenzt und dabei die freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) auf dem Land indigener Völker garantiert.

Darüber hinaus sollten die Ziele der RED darin bestehen, das Energienetz so zu verbessern, dass es mit Solar-, Wind- und geothermischer Energie kompatibel ist. Darüber hinaus sollten Anreize für Gebäuderenovierungen geschaffen werden, die den Energieverbrauch senken und die Nutzung erneuerbarer Energien (z.B. Photovoltaik) erhöhen, und die Elektrifizierung des Energiesystems muss durch die Modernisierung der bestehenden Infrastruktur und der Stromspeicherkapazitäten verbessert und auf ländliche Gebiete ausgeweitet werden.

Die EU muss jenen erneuerbaren Energien den Vorrang einräumen, die die Erhaltung oder Wiederherstellung des guten ökologischen Zustands von Arten und Lebensräumen nicht behindern. Die RED sollte ausdrücklich mit anderen EU-Politiken und -Richtlinien wie der Vogelschutz- und der FFH-Richtlinie, die auf einen günstigen Erhaltungszustand von Arten und Lebensräumen abzielen, der Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten ökologischen Zustand von Gewässern anstrebt, und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, die auf einen guten ökologischen Zustand von Meeresgebieten abzielt, in Einklang gebracht werden.


Hier können Sie das pdf als Statement herunterladen (engl.)

Unterzeichnen Sie hier unser Statement mit dem Namen und dem Logo Ihrer Organisation

Unterzeichner

EuroNatur; BirdLife Europe; Europe Beyond Biomass (TBC); Riverwatch; European Environment Bureau; FERN; Europe Beyond Burning; PFPI; Natuurpunt; CZIP; BirdWatch Ireland; Eurosite; Society For Nature Conservation - SABUKO; BirdLife Cyprus; Latvian Ornithological Society; BIOM; Czech Society for Ornithology; Hellenic Ornithological Society; Lipu; BirdLife Sweden; MES; SOSS/BirdLife Slovakia; Lithuanian Ornithological Society; Sociedade Portuguesa para o Estudo das Aves; EcoKosWomen EKW; Let’s Do It Peja; EcoZ; Grüne Liga e.V.; Fundacja Strefa Zieleni; OTOP/BirdLife Poland; Institute for Environmental Policy; Eco Albania; NGO BIOS; Balkanka; Agent Green; Polish Green Network; Zielone Wiadomości/Green News; Fundacja Zielone Światło; Zero Waste Europe; Canopée Forêts Vivantes; Fertő lake Association; CEE Bankwatch Network; Wolne Rzeki; Geota; Comitato AVB; Pishtaret; SharaWatch; Center for Climate Change

Wenn Sie interessiert an weiteren Informationen sind, schreiben Sie uns gerne: red4nature(at)euronatur.org

RED4Nature erklärt von den EuroNatur-Mitarbeiterinnen Bruna Campos und Tara Sukic

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Unser Energie-Blog

In einem Blog stellen unsere Expertinnen aus den Bereichen Energiepolitik, Wasserkraft und Holznutzung ihre Meinungen zu verschiedenen Themen der RED4Nature-Kampagne vor.


Nicht alle erneuerbaren Energieträger sind auch nachhaltig

Erneuerbare Energiequellen wie Biomasse und Wasserkraft sind nicht unbedingt ökologisch nachhaltig, da sie wichtige Wälder und Flüsse zerstören und verändern können, auf die wir für das intakte Funktionieren unseres Planeten angewiesen sind. Erfahren Sie mehr:

  • Energieträger Holz

    Energiegewinnung aus Holz ist nicht nachhaltig und zerstört wichtige Kohlenstoffsenken

    Die energetische Nutzung von Biomasse aus Holz geht mit massiver Naturzerstörung einher. Sie hat zu verstärkter Waldrodung beigetragen, und das sogar in Schutzgebieten. Energiegewinnung aus Holz und Feldfrüchten ist flächenineffizient und verbraucht pro erzeugter Energieeinheit sehr viel Land, Wasser und andere Ressourcen. „Bio“-Energie kann auch indirekt zu Landnutzungsänderungen führen, etwa indem sie Bauern verdrängt, die dann in bisher ungenutzte Gebiete vordringen, um dort Lebensmittel anzubauen. Bei Biomasse aus Holz kommt hinzu, dass ihre Verbrennung die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erhöht, was im für die Klimakrise relevanten Zeitraum nicht durch die Nachpflanzung von Bäumen ausgeglichen werden kann.

    In Europa befinden sich infolge nicht nachhaltigen Forstmanagements schon jetzt etwa 86% der Waldlebensräume in einem ökologisch ungünstigen Zustand. Die negativsten Auswirkungen auf Lebensräume und Artenvielfalt haben dabei Kahlschläge sowie die Entfernung alter Bäume und von Totholz. Alte intakte Waldökosysteme sind wichtige Kohlenstoffsenken. Sie speichern große Mengen Kohlenstoff sowohl im lebenden Baumbestand als auch in Totholz und im Boden. Zudem sind alte Wälder sehr artenreich und daher für die Bewahrung der Biodiversität unverzichtbar.

    Die energetische Nutzung von Biomasse aus Holz sollte in Europa daher nicht weiterverfolgt werden. Im Gegenteil muss sie bis 2040 um fast zwei Drittel reduziert werden, um die Biodiversitätsziele erreichen zu können.

  • Wasserkraft

    Die negativen Auswirkungen der Wasserkraft auf die Natur sind enorm, die Mengen an gewonnener Energie hingegen sehr gering

    Wasserkraftanlagen haben gravierende Folgen für Süßwasserökosysteme und die Biodiversität weltweit. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Wasserkraftnutzung (inkl. Kleinwasserkraft) der Hauptfaktor für den Artenschwund bei Fischen ist, da sie die Vernetzung der Flüsse, den Sedimenttransport und die Fischwanderungen unterbindet. Nur 40% der Oberflächengewässer der EU befinden sich derzeit in einem guten ökologischen Zustand. Ein weiterer Ausbau der Wasserkraft würde zu noch mehr Lebensraumverlust, Fragmentierung und Zerstörung führen. Er würde die Lebensbedingungen der Flussarten weiter verschlechtern und zu mehr Erosion und Waldverlust führen.

    Der derzeitige und der potentielle Beitrag der Wasserkraft, insbesondere der Kleinwasserkraft, zur Stromerzeugung ist gering, während die Errichtungs- und Instandhaltungskosten hoch sind. Im Jahr 2019 stellten die mehr als 19.000 Wasserkraftwerke in der EU nur 2% der gesamten Energieversorgung der EU dar. Die Errichtung der mehr als 5.500 projektierten Wasserkraftwerke würde diesen Wert nur um 0,5 Prozent erhöhen. Hinzu kommt, dass sich der Klimawandel voraussichtlich negativ auf die Produktivität vieler Wasserkraftwerke auswirken wird.

    Weitere Investitionen in Wasserkraftprojekte in Europa sind daher weder ökologisch nachhaltig noch finanziell tragfähig. Und nicht zuletzt steht die Errichtung weiterer Wasserkraftwerke in direktem Widerspruch zu den Zielen der EU-Biodiversitätsstrategie und Wasserrahmenrichtlinie, frei fließende Flüsse auf 25.000 Kilometer wiederherzustellen.

     

     

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