Vogelschutz in Europa

Weltenbummler unter Beschuss

© Davorka Kitonic
Graureiher im Neretva-Delta in Kroatien. © Davorka Kitonic

 

Warum ziehen Vögel?

Immer dort sein, wo sich gerade die besten Lebensbedingungen bieten: Wer Flügel hat, kann sich diesen Luxus leisten. Im Laufe der Evolution haben es viele Vogelarten geschafft, die Vorzüge unterschiedlicher Klimagebiete optimal zu nutzen. Dabei wurden auch Gebiete hoch im Norden besiedelt, deren lange Sommertage  nur über wenige Monate im Jahr optimale Lebensbedingungen bieten. Zu den Spitzenreitern unter den Fernreisenden gehören Arten wie die Küstenseeschwalbe, die zwischen ihren Brutplätzen in der Arktis und den Überwinterungsplätzen in der Antarktis pendelt. Um die Vorteile des Polartags bei der Nahrungssuche und Jungenaufzucht optimal auszunutzen, überwindet der Vogel  jährlich eine Strecke von 30.000 bis 40.000 Kilometern und fliegt damit beinahe einmal um die Erde.

 

Welche Zugwege gibt es?

Auf ihrem Flug von Nord- und Mitteleuropa nach Afrika schlagen Zugvögel hauptsächlich drei Richtungen ein: Die westliche Route über Gibraltar ist sicherlich die bekannteste. Auf ihr fliegen die meisten Zugvögel der Brutgebiete Großbritanniens und viele vom holländischen und deutschen Wattenmeer sowie aus Skandinavien. Die östliche Route führt über Osteuropa (Baltikum, Weißrussland, Ukraine, Rumänien, Bulgarien) zum Bosporus in die Türkei und weiter über den Nahen Osten bis nach Afrika. Oftmals vergessen wird der dritte Zugweg, der auch Zentraleuropäische Zugroute oder Adriatic Flyway genannt wird: Während diese Route in Sibirien und Nordeuropa noch parallel zur Ostroute verläuft, führt sie später weiter westlich von Polen und Ungarn über den Balkan und weiter über die Adria, Süditalien, Sizilien und Malta bis nach Afrika. Viele Wasservögel Mitteleuropas, teils aber auch aus Nord- und Osteuropa und sogar Asien nutzen diesen Zugweg in die Sahelzone.

 

Wodurch sind Zugvögel in Europa bedroht?

Die Anstrengungen des Vogelzuges lassen sich nur bewältigen, wenn es unterwegs ein Netz aus sicheren, intakten Rastplätzen gibt, wo die Zugvögel ausreichend Nahrung finden und neue Kräfte sammeln können. Doch durch die fortschreitende Zerstörung wichtiger Vogellebensräume sind gerade diese Rastplätze selten geworden. Die Vogeljagd vertreibt erschöpfte Zugvögel aus den  letzten Feuchtgebieten.  Wer schon einmal versucht hat, Tausend Kilometer mit dem Auto zu fahren, ohne unterwegs zu tanken oder sich auszuruhen, weiß, dass das unmöglich ist. Doch dies ist genau das Szenario, dem Zugvögel auf ihrem Weg zwischen Brutplatz und Winterquartier oft ausgesetzt sind.

 

Wo arbeitet EuroNatur zum Schutz der Zugvögel in Europa?

Die Zugvögel nicht nur in ihren Brutgebieten zu schützen, sondern auch ihre Überwinterungs- und Rastplätze zu sichern, ist eines der wichtigsten Ziele der Vogelschutzprojekte von EuroNatur. Der Schutz von Adlern, Geiern, Weißstörchen, Kranichen, Pelikanen, weiteren Zugvögeln und ihren Lebensräumen in Europa steht seit Gründung der Stiftung auf dem Programm. Besondere Schwerpunkte sind ökologisch wertvolle Feuchtgebiete auf der Balkanhalbinsel (u.a. an der östlichen Adria in den Ländern entlang des Adriatic Flyway und am Grünen Band Balkan, die Narew-Region im Nordosten Polens, die Extremadura in Spanien und die griechische Insel Tilos.

 

Was machen EuroNatur und seine Partner?

  • Wertvolle Datengrundlagen schaffen: Genaue Kenntnisse über die Flora und Fauna wertvoller Vogellebensräume bilden die Grundlage für die Ausweisung von Schutzgebieten.
  • Lebensräume erhalten: Wir setzen uns für die Ausweisung von Schutzgebieten ein und entwickeln wirksame Schutzkonzepte, um die Lebensräume der Zugvögel langfristig und auch grenzüberschreitend zu erhalten.
  • Vogelbestände im Auge behalten: Regelmäßige Bestandserfassungen in wichtigen Rastgebieten sind die Grundlage, um bei negativen Entwicklungen frühzeitig gegensteuern bzw. den Erfolg von Schutzmaßnahmen kontrollieren zu können.
  • Vogeljagd bekämpfen: Indem wir das Netzwerk aus Fachkräften und qualifizierten Vogelbeobachtern immer dichter weben, schaffen wir die Voraussetzungen, die Zugvögel wirksam vor Vogeljägern zu schützen.
  • Politische Lobbyarbeit betreiben: Wir setzen uns dafür ein, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Schutz der Zugvögel auf EU-Ebene und vor allem auch in den Ländern entlang des Adriatic Flyway zu verbessern und für die Umsetzung der Gesetze in die Praxis zu sorgen.
  • Aufklärungsarbeit leisten: Um die Akzeptanz und die Unterstützung der lokalen Bevölkerung für die Schutzmaßnahmen in den jeweiligen Ländern zu gewinnen und für ihre ökologischen Schätze zu sensibilisieren, betreiben wir intensive Öffentlichkeitsarbeit.
  • Perspektiven schaffen - für Mensch und Natur: Um einen dauerhaften Erfolg der Naturschutzmaßnahmen zu erreichen, erarbeiten EuroNatur und seine Partner in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung der jeweiligen Region. Besonders vielversprechend ist der Naturtourismus - speziell die Vogelbeobachtung - als attraktive Alternative zu Vogeljagd und Lebensraumzerstörung.

 

Erfahren Sie mehr über die EuroNatur-Projekte zum Schutz der Zugvögel in Europa!

Artikel "Zugvögel zählen will gelernt sein" im EuroNatur-Magazin 2-2016 (pdf, 5,6 MB)

Zum Download (5 MB)

Interview mit Bestseller-Autor Jonathan Franzen über seine Recherchereise in die Brennpunktgebiete der Vogeljagd auf dem Balkan, EuroNatur-Magazin 3-2013

Zum Download (610 KB)

Aktueller Projektbericht über die EuroNatur-Aktivitäten zum Vogelschutz in Europa

Zum Download (2 MB)

Kurzfilm "Geheimnis Adria-Zugroute" (englisch)

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