Adria-Zugroute (Adriatic Flyway)

Überlebenswichtige "Raststätten"

© Martin Schneider-Jacoby
© Martin Schneider-Jacoby

Die Wasservögel Mittel-, Nord- und Osteuropas konzentrieren sich besonders auf einen Zugweg: die Adria-Zugroute (Adriatic Flyway), die quer über den Balkan und die Adria und Süditalien bis nach Nordafrika führt. Bis vor wenigen Jahren wusste man noch kaum etwas über diese Zugroute. Doch heute ist bekannt, dass Millionen von Vögeln zwei Mal jährlich auf dieser Strecke zwischen Brut- und Überwinterungsplätzen hin und herpendeln. Mit dem Mittelmeer und dem Dinarischen Gebirge müssen die Tiere auf den Flügen gewaltige Hindernisse überwinden. Diese Anstrengungen lassen sich nur bewältigen, wenn es unterwegs sichere, intakte Rastplätze gibt.


Vergessene Naturschätze auf dem Balkan

Auf dem Balkan finden sich Gebiete von außergewöhnlicher Artenvielfalt und größter Bedeutung für den Zugvogelschutz. Ihre Beschreibung gleicht einer Reihe von Ausrufezeichen: Riesig! Schützenswert! Einmalig in Europa! Sie bieten Kapazität für über eine Millionen rastende Wasservögel und zahlreiche rastende Vogelarten.

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Lebensraumzerstörung und Vogeljagd


Doch so perfekt ist die Idylle nicht. Besonders an dem schmalen Küstenstreifen der östlichen Adria ist ein Großteil der Feuchtgebietsflächen durch Trockenlegung, intensive Landwirtschaft und Tourismus stark beeinträchtigt oder ganz zerstört worden. In den wenigen intakten Feuchtgebieten entlang des Adriatic Flyway konzentrieren sich jedes Jahr Scharen von Vogeljägern.

 

Wo arbeitet EuroNatur an der östlichen Adria?

Im Mittelpunkt der Projektaktivitäten von EuroNatur stehen die Hauptrastplätze entlang der Adria-Zugroute: das Karstgebiet Livanjsko Polje in Bosnien und das Neretva-Delta im Grenzgebiet zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Einen weiteren Schwerpunkt bildet ein Abschnitt des Grünen Bandes Balkan in der Grenzregion zwischen Albanien und Montenegro, wo der Fluss Bojana-Buna aus dem Skutari-See fließt und rund 40 Kilometer weiter flussabwärts in die Adria mündet.

 

Was machen EuroNatur und seine Partnerorganisationen?

  • Hilfe zur Selbsthilfe: Auf dem Balkan fehlt es in vielen Ländern an erfahrenen Vogelbeobachtern. Durch regelmäßige Workshops baut EuroNatur das Netzwerk aus kompetenten Naturschützern Schritt für Schritt aus.
  • Wertvolle Datengrundlagen schaffen: Genaue Kenntnisse über die Flora und Fauna der Vogellebensräume an der östlichen Adria bilden die Grundlage für deren Ausweisung als Schutzgebiete.
  • Vogelbestände im Auge behalten: In den wichtigen Rastgebieten an der östlichen Adria werden standardisierte Beobachtungen von Brutvögeln, durchziehenden und überwinternden Vögeln gemacht und ausgewertet.
  • Ungestörte Rastplätze schaffen: Die Bestandsdaten ermöglichen es, den Schutz der Gebiete durch internationale Konventionen und nationale Gesetze zu erreichen.Wir unterstützen unsere Partner auch dabei, das EU-Schutzgebietsnetz Natura 2000 an der östlichen Adria sorgfältig vorzubereiten und setzen uns für die Ausweisung von Jagdbanngebieten ein.
  • Wirksame Schutzkonzepte entwickeln: Wir erarbeiten Maßnahmen, um die Lebensräume der Zugvögel langfristig und auch grenzüberschreitend zu erhalten.
  • Alternativen zur Naturzerstörung aufzeigen: Die östliche Adriaküste bietet mit ihren klaren Karstseen und ausgedehnten Feuchtgebieten attraktive Urlaubsziele. Der Naturtourismus - speziell die Vogelbeobachtung - bietet eine Alternative zur Lebensraumzerstörung. 
  • Aufklärungsarbeit leisten: Um auf die Naturschätze auf dem Balkan aufmerksam zu machen und für ihren Schutz zu werben, betreiben wir intensive Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit (dazu gehören Ausstellungen, Vorträge, Workshops, Filmbeiträge, etc.). Link zur II. Adriatic Flyway-Konferenz

 

Was wir bereits erreicht haben – Eine Auswahl wichtiger Erfolge:

  • Das Netzwerk aus qualifizierten Vogelbeobachtern wächst: In Montenegro, Albanien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina beteiligen sich mittlerweile regelmäßig einheimische Vogelschützer an den Zählungen.
  • Zahlreiche neue Schutzgebiete wurden bereits eingerichtet
  • Die erarbeiteten Biotopkarten und Bestandsdaten ermöglichten es, detaillierte Schutzkonzepte für neu ausgewiesene Schutzgebiete vorzuschlagen.
  • Die Karstpoljen in Bosnien-Herzegowina spielen eine Schlüsselrolle beim Schutz der Zugvögel. Gemeinsam mit unseren Partnern ist es uns gelungen, den hohen ökologischen Wert und den Schutzbedarf der Karstpoljen international bekannter zu machen.


Partner: Partnerorganisationen in Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Montenegro und Albanien

Förderung: Mava-Stiftung, EuroNatur-Spender und -Paten

 

 

Artikel "Letzte Ausfahrt Labudovo Okno?" im EuroNatur Magazin 4/2015, S. 4-7

Zum Download (4 MB)

Reisen Sie in die Naturparadiese an der östlichen Adria

© Peter Schmenger
© Peter Schmenger

Ein Erfolg versprechendes Mittel im Kampf gegen die Vogeljagd ist der Naturtourismus. Er bietet den Menschen vor Ort neue Perspektiven. Der EuroNatur-Reiseführer "Adria-Ostküste" ist im Online-Shop der EuroNatur-Service GmbH erhältlich. Er bietet wertvolle Tipps für eine Reise in kaum bekannte Naturparadiese Europas.

 

 

 

 

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