Erster europäischer Fluss-Gipfel in Sarajevo

++ 250 Personen beim ersten Gipfel zur Rettung der europäischen Flüsse ++ Teilnehmer fordern EU und Regierungen auf, nicht mehr in Wasserkraft zu investieren++

<p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p>

Dies war der erste Gipfel dieser Art. Der nächste European Rivers Summit wird im Jahr 2020 in Portugal stattfinden.

© Luka Tomac, Flying Pangolin Film

Sarajevo. Sarajevo wurde zwischen dem 27. und 29. September zum Zentrum für europäische Flussschützer und Staudammgegner. Beim ersten „European Rivers Summit“ diskutierten 250 Personen aus über 30 Ländern, wie die Zerstörung von Europas Flüssen durch Wasserkraft gestoppt werden kann. Auch die Frage, wie die letzten freifließenden Flussjuwelen langfristig geschützt und jene, die bereits zerstört wurden renaturiert werden können, beschäftigte die Teilnehmer (alle Themen sind im Summit Programm zu finden).

Die Teilnehmer formulierten eine Liste an Forderungen adressiert an die relevanten Entscheidungsträger in Politik und Industrie. In dieser Deklaration fordern die Flussschützer die EU Kommission, die Energieindustrie, internationale Banken und nationale Regierungen auf, die Finanzierung und Förderung von Wasserkraftprojekten als grüne und erneuerbare Energiequelle zu stoppen. Diese Forderungen zielen darauf ab, die Ziele der EU Wasserrahmenrichtlinie erfolgreich zu implementieren und somit Flüsse bis 2027 wieder in einen guten ökologischen Zustand zu bringen.

Aktuell sind Flüsse die am meisten gefährdeten Habitate weltweit. 81 Prozent der globalen Süßwasser Populationen sind bereits verloren – das ist ein höherer Anteil als in jedem anderen Ökosystem. Laut dem Europäischen Umweltbüro (EEB) sind europäische Fließgewässer so stark degradiert, dass sie funktionierende Ökosysteme nicht mehr länger erhalten können. Die Hauptbedrohung für die Intaktheit der Flüsse ist der massive Ausbau der Wasserkraft, der durch den grünen Mythos, der der Wasserkraft anhängt und Förderungsmechanismen wie Einspeisetarife vorangetrieben wird. In der EU sind laut der Europäischen Umweltagentur 25.000 Wasserkraftwerke registriert, wobei Kleinwasserkraftwerke in dieser Zahl nicht enthalten sind – die tatsächliche Zahl ist daher noch viel größer. Fast zwei Drittel der europäischen Flüsse sind in einem schlechten ökologischen Zustand.

“Wir müssen den Staudammwahnsinn stoppen. Europas Flüsse haben schon lange die Zeche für unseren energiehungrigen Lebensstil gezahlt. Die letzten intakten Flüsse müssen auch weiterhin frei fließen können“, sagt Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch.

Wasserkraftwerke zerstören nicht nur fundamental die Biodiversität von Flusshabitaten, sondern verwandeln einen dynamischen Fluss in einen monotonen Wasserkörper. Zudem ist Wasserkraft nicht einmal eine klimaneutrale Energiequelle, denn Stauseen sind eine Hauptquelle für Treibhausgas-Emissionen. Zusätzlich haben Dämme auch soziale Auswirkungen. Weltweit leiden 500 bis 750 Millionen Menschen unter den direkten oder indirekten Auswirkungen von Staudämmen.

“Wasserkraft ist eine zerstörerische, überholte Technologie, die heutzutage leicht durch moderne Energiequellen wie etwa Solarenergie ersetzt werden kann”, sagt Natasa Crnkovic, Präsidentin des Center for Environment in Bosnien-Herzegowina.

Glücklicherweise gibt es in Europa noch eine Region, die frei fließende Flüsse hat: der Balkan. Aber auch diese Juwelen stehen unter großem Druck durch etwa 2.800 geplante Wasserkraftwerke. Um ein Zeichen gegen diese Zerstörung zu setzen, wurde der erste europäische Flussgipfel in Sarajevo abgehalten. Beginnend in diesem Jahr wird künftig alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Region ein European Rivers Summit stattfinden. Der nächste Gipfel findet 2020 in Portugal statt.

 

Hintergrundinformationen:

  • Der erste European Rivers Summit wurde von Riverwatch (Österreich) und Center for Environment (Bosnien-Herzegowina) organisiert und im Rahmen einer neu formierten Allianz diverser europäischer NGOs mit dem Ziel, Europas Flüsse zu retten, ausgeführt. Zu den NGOs gehören Riverwatch, EuroNatur, WWF Adria, Wetlands International und Rios livres (GEOTA) aus Portugal.
  • Großes Finale des Summits war das Konzert für die Balkanflüsse in Sarajevos Stadtzentrum am Samstag, 29. September. Es wurde innerhalb der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ organisiert. Die populären Musiker Rambo Amadeus (Montenegro), Eda Zari (Albanien), Tamara Obrovac (Kroatien) and Damir Imamovic (Bosnien-Herzegowina) erhoben vor hunderten Zuschauern ihre Stimmen für freie Balkanflüsse und gegen Stauämme.

 

Rückfragen:
Anja Arning, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, EuroNatur
anja.arning(at)euronatur.org, +49 7732 927 213

Cornelia Wieser, Blaues Herz Kampagnenkoordinatorin, Riverwatch
cornelia.wieser(at)riverwatch.eu, +43 650 4544 784

Jelena Ivanić, Blaues Herz Kampagnenkoordinatorin in Bosnien-Herzegowina, Center for Environment
jelena.ivanic(at)czzs.org, +387 6577 9467

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv:

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Damit leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag zur Bewahrung von Europas Flüssen.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Nachrichten zum Blauem Herzen Europas

Fischarten im Mittelmeerraum durch Wasserkraftboom gefährdet

++ Neue Studie belegt: Wasserkraftwerke haben verheerenden Einfluss auf Fischbestände in Flüssen rund um das Mittelmeer ++ Zahlreiche Arten sind vom...

Vorläufiges Aus für Kleinwasserkraftwerke in Bosnien-Herzegowina

++ Parlament verhängt historische Entscheidung für Flüsse in Bosnien-Herzegowina ++ Baustopp für Wasserkraftprojekte ++

Künstler für die Balkanflüsse

++ Anlässlich des World Music Days am 21. Juni erheben 40 KünstlerInnen ihre Stimme für die Blue Heart Kampagne zur Rettung der Balkanflüsse ++

Die „mutigen Frauen von Kruščica“ müssen erneut kämpfen

In Bosnien-Herzegowina rüsten sich die Bewohnerinnen des Dorfes Kruščica wieder für die Blockade ihres Flusses. Investoren haben angekündigt, den Bau...

Wasserkraftausbau in Bosnien-Herzegowina im Schutz der Ausgangssperre

++ Naturzerstörung in Zeiten der Pandemie nimmt zu ++ Investoren nutzen Coronakrise für illegalen Bau von Wasserkraftwerken ++ Einzigartige Flüsse auf...

Beschwerde gegen Serbien bei Energiegemeinschaft eingereicht

EuroNatur und drei weitere NGOs reichen bei der eurpäischen Energiegemeinschaft eine Beschwerde gegen Serbien ein, weil das Land es versäumt hat, die...

Widerstand der Wissenschaftsgemeinde gegen Ver-Dammung der Vjosa in Albanien

++ 776 Wissenschaftler verlangen in einer Petition ein Ende der Staudammprojekte an der Vjosa in Albanien ++ Die Wissenschaftler fordern von der...

Rüge für Albanien: Berner Konvention fordert albanische Regierung erneut auf, Wasserkraftprojekte an der Vjosa auszusetzen

Der Ständige Ausschuss der Berner Konvention hat beschlossen, das Verfahren gegen die albanische Regierung in Bezug auf die Wasserkraftwerke Pocem und...

Europas Flüsse sind verdammt

++ Neue Studie zeigt Ausmaß des Wasserkraft-Irrsinns in ganz Europa ++ Über 8.700 neue Wasserkraftwerke geplant ++ Besonders auf dem Balkan sind die...

EuroNatur-Preis 2019 an die „mutigen Frauen von Kruščica“ verliehen

++ Engagierte Flussschützerinnen aus Bosnien-Herzegowina ausgezeichnet ++ Staudamm-Boom bedroht die letzten Wildflüsse unseres Kontinents ++

Weiterer Sieg für Wildflüsse im Mavrovo-Nationalpark

++ Baugenehmigung für zwei Wasserkraftwerke in Nordmazedonien aufgehoben ++

Neue Studie: Subventionen für Wasserkraft am Westbalkan verwüsten die Umwelt und fließen in die Taschen einiger weniger

Kleinwasserkraftwerke erhalten in den Staaten des Westbalkans unverhältnismäßig hohe öffentliche Subventionen. Die Folgen sind große Umweltzerstörung...

Brücke blockiert – Fluss gerettet – mit EuroNatur-Preis ausgezeichnet

++ EuroNatur-Preis 2019 geht an die „mutigen Frauen von Kruščica“ ++ Über 500 Tage Brücke besetzt, um Wasserkraftwerke zu verhindern ++...

Open Air Kinoabend mit EuroNatur

Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur veranstaltet am Montag, 19. August 2019 im Hof der Geschäftsstelle in der Westendstraße 3 in...

Auszeichnung für die „mutigen Frauen von Kruščica“

++ EuroNatur-Preis 2019 geht an Flussschützerinnen aus Bosnien-Herzegowina ++ Energiekonzerne wollen die letzten Wildflüsse Europas ausbeuten, doch...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung