Neue Regionalregierung der Balearen vergibt historische Chance

Abschaffung der Ökosteuer setzt falsches Signal

Presseinformation vom 22. Oktober 2003

Radolfzell. Mit der Abschaffung der so genannten Ökosteuer am 21. Oktober 2003 hat die mit absoluter Mehrheit regierende Partei unter dem Regionalpräsidenten Jaume Matas ein innovatives und bisher einzigartiges Instrument zur umweltfreundlichen Lenkung des Tourismus auf den Balearen nach etwas mehr als einem Jahr wieder beerdigt.

Die internationale Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur) und die größte Umweltschutzorganisation der Balearen, GOB, haben jetzt diese Entscheidung aufs Schärfste kritisiert. EuroNatur-Präsident Claus-Peter Hutter: "Mit diesem völlig falschen Signal verspielt Mallorca einmalige Chancen und gibt weiteren Umweltzerstörungen den Weg frei, ohne konkrete Konzepte des Gegensteuerns zu haben." Dem Natur- und Umweltschutz auf den Balearen werden nach Ansicht von EuroNatur dadurch dringend erforderliche Investitionsmittel vorenthalten. Sie sollten vor allem für den Ausgleich der direkten und indirekten Schäden eingesetzt werden, welche durch den Massentourismus entstehen. Allein Mallorca wird jährlich von rund 11 Millionen Touristen besucht.

"Durch die Abschaffung der Ökosteuer können wir die Besucher nicht mehr an der Beseitigung der Schäden, die der Tourismus verursacht, beteiligen", sagte der Pressesprecher von GOB, Miquel Angel March, am Tag nach der Parlamentsentscheidung. Insbesondere große Reiseveranstalter haben gemeinsam mit der jetzigen Regierung sinkende Buchungszahlen gerade aus Deutschland als Argument genutzt, um eine Kampagne gegen die Ökoabgabe zu starten, die erst 2002 eingeführt worden war. Miguel Angel March kommentiert die Argumentation der Ökosteuergegner so: "Komisch, dass wir auf den Balearen in diesem Sommer eine bessere Auslastung hatten als andere Regionen in Spanien, in denen die Touristen keine Ökoabgabe leisten mussten.–

EuroNatur und GOB sind sich einig, dass vor allem die schwierige Wirtschaftslage in Deutschland Ursache für die Buchungsrückgänge war und nicht die Ökosteuer in Höhe von lediglich 0,25 bis 2,05 Euro pro Tag, die von jedem Touristen bezahlt werden musste. "Das ist weniger als so manche in Deutschlands Fremdenverkehrs-Gemeinden erhobene Kurtaxe", argumentiert EuroNatur-Präsident Hutter.

Nach nur einem Jahr habe sich Mallorca von seiner Vorbildfunktion für die Entwicklung eines zukunfts­orientierten und nachhaltigen Tourismus wieder verabschiedet und plane stattdessen weitere Naturzerstörung im großen Stil. So sehe die neue Regie­rung in einem Wahn von Öko-Ignoranz den Bau weiterer Siedlungen in naturnahen Küstenbereichen, den Ausbau des Autobahnnetzes sowie die Vergrößerung des Flughafens auf Mallorca. Dies, obwohl der Flughafen Mallorca mehr Passagiere im Jahr abfertigt als alle drei Berliner Flughäfen zusammen. Die Weichen seien bei dieser Entwicklung auf Mallorca weiter auf die Zerstörung der Natur gestellt.

 

Weitere Informationen bei:

Stiftung Europäisches Naturerbe

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Konstanzer Str. 22

78315 Radolfzell

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