Ausgewählte Aktivitäten

Sonne, Wind und Biogas

EuroNatur hat - primär in Zusammenarbeit mit seinen Projektpartnern, der „Energievision Frankenwald e.V.“ , der „Energievision Franken GmbH“ sowie der Stadt Wunsiedel und den Stadtwerken Wunsiedel  – damit begonnen, in Podlasien einzelne Projekte zu entwickeln und umzusetzen.

  • Zuerst wurde geprüft, ob in der Region ausreichend Potentiale an Erneuerbaren Energien vorhanden sind.
© OSEC
Potenziale der Solarnutzung in Polen. Quelle: OSEC (2008) © OSEC


  • Unter anderem wurde dies vertiefend am Beispiel der Stadt Lapy untersucht. Das mit Unterstützung des BMUB erstellte „Energie- und Klimakonzept für die Stadt und Landgemeinde Lapy“ (polnischen Fassung: „Koncepcja ochrony klimatu i wykorzystania energii“) macht sehr deutlich, dass ausreichend Potentiale verfügbar sind, um die Wärme- und Stromversorgung in der Region perspektivisch zu 100% durch Erneuerbare Energieträger decken zu können.  In diesem Zusammenhang wurde mit „Wind-Power-to-Heat“ ein völlig neuer, innovativer Ansatz entwickelt, um die Nahwärmeversorgung der Stadt Lapy von Kohle auf Erneuerbare Energien umzustellen.  Der „Wind-Power-to-Heat“ Ansatz hat zum Ziel drei Bürgerwindanlagen zu bauen, den gewonnenen Strom über Industriewärmepumpen in Wärme zu verwandeln und diese in großen Behältern zwischen zu speichern und damit die Wärmeversorgung der am städtischen Nahwärmesystem angeschlossenen Häuser zu garantieren. Die „Wind-Power-to-Heat“ Idee wurde im Rahmen des Projektes zuerst in einem kleinen Dorf im südlichen Teil der Woiwodschaft Podlasien, in Perlejewo, ins Spiel gebracht. Dort suchte der Bürgermeister nach wirtschaftlichen Alternativen zum Einsatz von Kohle und fossilem Öl. Die innerhalb des Projektes vorgenommenen Grobanalysen und -berechnungen stimmen sehr optimistisch.Sie haben das Interesse der EU Kommission und des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) geweckt; derzeit (Stand Mitte 2016) wird im BMWi eine Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie vorbereitet, um die technischen und wirtschaftlichen Detailfragen endgültig zu klären.
© Energievision Frankenwald e.V.
Potentielles Nahwärmenetz in Perlejewo. © Energievision Frankenwald e.V.


  • Das Projekt hat entscheidend dazu beigetragen, die Debatte um die Nutzung von Biogas in der Region in eine völlig neue Richtung zu lenken. Standen bislang große Anlagen mit einer Dimension von 1, 2 oder gar 3 MW Leistung, basierend auf Mais im Vordergrund, ist mittlerweile die Erkenntnis gereift, dass die Fehler, die in Deutschland beim Ausbau von Biogas gemacht wurden, u.a. was das Garsubstrat als auch die (Nicht-)Nutzung der Wärme angeht, in Podlasien nicht wiederholt werden sollten. Mit dazu beigetragen hat das Deutsche Biomasse-Forschungszentrum in Leipzig , das die Unterschiede zwischen Groß- und Kleinanlagen herausgearbeitet hat. Außerdem hat das DBFZ an der Konzeption einer 40kW Modell- und Forschungsbiogasanlage mitgearbeitet, die von der Politechnika auf einem Biobetrieb südwestlich von Bialystok erstellt und im Frühsommer 2016 in Betrieb genommen wurde. Darin werden ausschließlich landwirtschaftliche Reststoffe vergoren, die Wärme wird vollständig - im Sommer zur Trocknung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, im Winter zu Heizzwecken - genutzt.
© Piotr Banaszuk
Die erste „bäuerliche“ Kleinbiogasanlage Polens, die Reststoffe im Trockenfermentationsverfahren vergärt. © Piotr Banaszuk
  • Ein zweites Kooperationsprojekt mit der Politechnika Bialystok bestand darin, Überlegungen für die Substitution von Dieselkraftstoff in landwirtschaftlichen Maschinen anzustellen und umzusetzen. Zu diesem Zweck wurde – wiederum auf einem kleinen Biobetrieb - eine kleine Ölpresse installiert, die motortaugliches Pflanzenöl herstellen kann. Der Traktor des Landwirts wurde für die Nutzung von reinem Pflanzenöl umgerüstet. Somit ist dieser Projektteil auch eine direkte Umsetzung des von der EU-Kommission mit finanzierten europäischen Forschungsprojektes „2ndVegOil - 2nd Generation Vegetable Oil“. Mehr Infos hierzu unter http://www.2ndvegoil.eu/ 

© Lutz Ribbe
Einweihung der Ölpresse des ökologisch wirtrschaftenden Landwirts Zembrowski im Herbst 2015. © Lutz Ribbe


  • Die Förderung durch das BMU/ UBA erlaubte es, den polnischen Projektpartnern verschiedene Studienaufenthalte in Deutschland zu ermöglichen. Gerade diese praxisorientierten Aufenthalte erwiesen sich als besonders zielführend. Zum Teil wurde darüber ausführlich im regionalen Fernsehen berichtet (s.u.a. TV Beitrag: https://tv.wrotapodlasia.pl/itv/100678/Dobre_praktyki_niemieckie_OZE2.html ).



© Lutz Ribbe
Polnische Delegation auf Studienreise im Bioenergiedorf Effelter. © Lutz Ribbe


  • Ein weiteres Resultat der Studienaufenthalte sind zwei Fernsehbeiträge, die der Journalist Robert Glowacki im Auftrag des Marshallamtes bei Reisen in Deutschland erstellt hat. Diese Dokumentationen wurden zunächst im polnischen Fernsehen ausgestrahlt, anschließend auf CD-ROM vervielfältigt und in podlasischen Schulen zu Unterrichtszwecken eingesetzt. Die Beiträge „Energia odnawialna“ (dt. „Erneuerbare Energien“) und „Biogazownia jako źródło energii“ (dt. „Biogas als Energiequelle“) von Robert Glowacki (in polnischer Sprache) können Sie in der Mediathek des polnischen Regionalsenders Wrota Podlasia ansehen.


  • Zentraler Bestandteil des Projektes war es außerdem, mit den Einwohnern sowie den Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik engen Kontakt zu halten. Zahlreiche Vorträge  und drei große Konferenzen mit jeweils über 200 Teilnehmern trugen entscheidend dazu bei. Diese wurden in Zusammenarbeit mit dem Marshallamt, der Politechnika Bialystok und der „Podlassischen Stiftung für Regionalentwicklung“ organisiert. Unter konferencjaoze.eu/edycja1/ sind sämtliche Vorträge in deutscher und polnischer Sprache verfügbar.


  • Um auch die junge Generation in Polen auf die notwendige Energiewende vorzubereiten, haben wir eine Schulbroschüre (4,5 MB) erarbeitet.




Partner: Marschallamt Bialystok, Politechnika Bialystok, Stadt Lapy, Energievision Frankenwald, Stadt und Stadtwerke Wunsiedel

Förderung: Umweltbundesamt (UBA) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMUB)

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