Bundesregierung blockiert in Brüssel

Eine Erhöhung der Milchquoten hätte negative Folgen - sowohl für die Natur als auch für die Wirtschaft

© Katharina Grund

Ruf nach Milchfonds ist kontraproduktiv

Presseinformation vom 17. November 2008

 
Radolfzell/Hamm. Die EuroNatur Stiftung und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisieren die Haltung der Bundesregierung in den Verhandlungen zum Gesundheitscheck der EU-Agrarpolitik, die in dieser Woche abgeschlossen werden sollen.

„Bei der Milch konzentriert sich die Bundesregierung auf die Forderung von Milchindustrie und Bauernverband nach weiteren Steuergeldern für einen Milchfonds. Dieser Ruf nach Geld für Molkereien und neue Ställe schwächt aber die Forderung, die Milchquoten jetzt nicht weiter zu erhöhen. Für die Milchbauern ist die Anpassung der Milchmenge an den Bedarf das Entscheidende, denn der Markt läuft bereits über. Mehr Quoten erhöhen den Druck auf die Erzeugerpreise noch. Für die Milchbauern ist das katastrophal. Einen Vorteil davon hat nur die Milchindustrie. Sie hofft auf billigeren Rohstoff und auch noch auf Geld aus dem Milchfonds“, so AbL-Vorsitzender Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf.

Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident der EuroNatur Stiftung, warnt vor den Folgen für die Umwelt und die ländliche Wirtschaftsentwicklung: „Quotenerhöhung und noch mehr Steuergelder in Molkerei- und Stallbauten führen zu einer weiteren Konzentration der Milcherzeugung und Verarbeitung in Europa. Das bedeutet die Industrialisierung der Milchwirtschaft, mit negativen ökologischen wie auch wirtschaftlichen Folgen. Die Regionen, in denen sich Milcherzeugung nicht mehr lohnt, verlieren Arbeitsplätze bis in Handwerk und Tourismuswirtschaft hinein. In den Regionen, wo sich die Milch noch weiter konzentriert, verstärken sich die Probleme für Boden, Trinkwasser und Artenvielfalt.“

Auch die Verweigerung der Bundesregierung bei den Brüsseler Direktzahlungen kritisieren die Verbände. „Niemand bestreitet mehr, was zu tun ist, um das Geld effektiver für Arbeit und Umwelt einzusetzen, gerade in Zeiten einer drohenden Rezession. Doch statt daraus die Konsequenzen zu ziehen, setzt die Bundesregierung auf Blockade. Nicht genug, dass die EU-Kommission maßgeblich auf deutschen Druck hin den Vorschlag für eine wirksame Staffelung der Zahlungen zurückgezogen hat. Nun wollen Kanzlerin Merkel und Ministerin Aigner auch noch den letzten Rest an Staffelung in der Modulation verhindern. Das ist genau das Gegenteil davon, die Brüsseler Milliarden positiv für Arbeitsplätze im Land wirksam werden zu lassen“, so Graefe zu Baringdorf.

„Wir fordern die Bundesregierung auf, sich der höheren Umschichtung von Geldern hin zur gezielten Förderung der Ländlichen Entwicklung nicht länger zu widersetzen. Die Herausforderungen wie Klimaschutz, Wasserschutz und Erhaltung der Artenvielfalt wachsen. Das muss sich darin ausdrücken, wofür die Gelder ausgegeben werden, sonst werden ausgerechnet diejenigen Bauern finanziell bestraft, die in diesen von der Gesellschaft gewünschten Bereichen besondere Leistungen erbringen. Nur eine Honorierung dieser Leistungen hat die Chance, in der Gesellschaft die notwendige Akzeptanz für die Ausgaben zu sichern“, mahnt Prof. Vogtmann von EuroNatur.

Positionspapier von 17 Verbänden zum Thema (pdf-Datei, 73 kb)


Rückfragen:
EuroNatur
Konstanzer Straße 22
78315 Radolfzell
Tel.: 07732 - 92 72 10
Fax: 07732 - 92 72 22
E-Mail: info@euronatur.org
Internet: www.euronatur.org
Pressekontakt: Katharina Grund
Ansprechpartner: Lutz Ribbe
mobil 0170-4125767

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Berner Konvention hat Verbrechen an der Natur im Blick

Staudämme, Kraftwerke, Flughäfen: Zahlreiche Beschwerden von Naturschutzorganisationen gegen zerstörerische Projekte auf dem Balkan

Positionspapier: Energiegewinnung ohne Naturzerstörung ist der Weg zur Klimaneutralität 2040

Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur veröffentlicht heute ein Positionspapier, das einen neuen zukunftsfähigen Weg für…

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…

Saline Ulcinj: 2 Jahre RAMSAR-Gebiet

Vor zwei Jahren, am 10. September 2019, wurde die Saline Ulcinj im Süden Montenegros zum RAMSAR-Gebiet erklärt, einem Feuchtgebiet von internationaler…