Deutsche Steuermilliarden sollen Natur in Spanien zerstören

Umweltstiftung EuroNatur: "EU-Subventionen für Staudämme und Wasser-Pipelines sind gesetzeswidrig"

Presseinformation vom 30. Januar 2004

Radolfzell. Bei der Umsetzung ihres Konzepts zur Wasserversorgung des Landes geht Spaniens Regierung buchstäblich über Leichen. Sollte der Nationale Wasserplan (PHN, Plan Hidrológico Nacional) weiter in die Tat umgesetzt werden, droht nach Angaben der internationalen Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur) der Verlust zahlreicher Naturschutzgebiete und Lebensräume des seltenen Pardelluchses.

Die Pläne der spanischen Regierung klingen wahrlich atemberaubend. Unter anderem sollen spanienweit 112 neue Staudämme entstehen, 16 weitere ausgebaut werden. Das Wasser des Ebro, des grössten Flusses im Norden Spaniens, soll - über eine fast 1.000 Kilometer lange Pipeline - die Zukunft des intensiven Obst- und Gemüseanbaus sowie des Tourismus in Spaniens trockenem Süden sichern. Dafür sind 23 Milliarden Euro Gesamtkosten veranschlagt und sieben Milliarden davon sollen aus den EU-Strukturfonds kommen. Umgerechnet auf die Haushaltsanteile der EU-Mitgliedsstaaten, würde das bedeuten, dass Deutschland die Naturzerstörung mit etwa 1,6 Milliarden Euro unterstützt. Zum Vergleich: Der Gesamtetat des Bundesumweltministeriums für das Jahr 2003 betrug mit 794 Millionen Euro nicht einmal die Hälfte dieser Summe.

Einzelne Bauvorhaben des PHN wurden bereits begonnen. So hat die EU Mitte Januar 40 Millionen Euro für den Ausbau des Breña-Staudamms südwestlich von Córdoba bewilligt. Über eine EU-Beteiligung am Gesamtprojekt wird aber in Brüssel noch gestritten.

"Der Pardelluchs ist die am stärksten gefährdete Großkatze der Welt. Sollte die EU-Kommission den Plan mitfinanzieren, würde das weitere der wenigen verbliebenen Lebensräume der Luchse und anderer nach EU-Recht streng geschützter Arten zerstören und neue Barrieren in der Landschaft entstehen lassen", befürchtet Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur: "Der Plan verstösst gegen sämtliche EU-Richtlinien zum Schutz von Feuchtgebieten, Pflanzen und Tieren. Wie will die Kommission den EU-Bürgern erklären, dass jahrelang viel Geld in den Aufbau von Schutzgebieten und Artenschutzprogrammen geflossen ist, nun aber ein Vielfaches dafür ausgegeben werden soll, all diese Bemühungen wieder zu Nichte zu machen?"

EuroNatur fordert von der EU-Kommission eine konsequente Ablehnung der rechtswidrigen Planungen. Alternativen bestünden durch Wasserrecycling, Sparmaßnahmen und den verstärkten Einsatz von Meerwasserentsalzungsanlagen. Am 1.Februar 2004 startet EuroNatur eine Email-Protestaktion gegen den Wasserplan Spaniens. Unter www.euronatur.org kann jeder eine Protest-Email an die EU-Kommission und den spanischen Ministerpräsidenten schicken.

Zur Protestaktion und Hintergrundinformation

 

Bei Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Str. 22

78315 Radolfzell

Tel. 07732 - 92 72 0

Fax 07732 - 92 72 22

E-mail info(at)euronatur.org

Internet www.euronatur.org

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Berner Konvention hat Verbrechen an der Natur im Blick

Staudämme, Kraftwerke, Flughäfen: Zahlreiche Beschwerden von Naturschutzorganisationen gegen zerstörerische Projekte auf dem Balkan

Positionspapier: Energiegewinnung ohne Naturzerstörung ist der Weg zur Klimaneutralität 2040

Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur veröffentlicht heute ein Positionspapier, das einen neuen zukunftsfähigen Weg für…

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…

Saline Ulcinj: 2 Jahre RAMSAR-Gebiet

Vor zwei Jahren, am 10. September 2019, wurde die Saline Ulcinj im Süden Montenegros zum RAMSAR-Gebiet erklärt, einem Feuchtgebiet von internationaler…