Erneuerbare Energien neu bewerten

Schafstelze im Rapsfeld

© Günter Bachmeier

Bioenergie ist kein Allheilmittel

Pressemitteilung vom 15. Oktober 2013

 

Radolfzell.   Die Mehrheit der Deutschen erwartet von der künftigen Bundesregierung spürbare Reformen in der Energiepolitik. Die EuroNatur Stiftung bewertet die Nutzung von Bioenergie dabei als wichtiges Instrument, sieht aber auch erheblichen Anpassungsbedarf und dringend nötige Korrekturen von Fehlentwicklungen in der Vergangenheit. Besonders kritisiert die Stiftung den flächendeckenden Anbau von Maismonokulturen für die Produktion von Bioenergie und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf Umwelt und Artenvielfalt.

„Es wird nicht gelingen, einfach nur fossile Energien durch Bioenergien zu ersetzen“, sagt Lutz Ribbe, Naturschutzpolitischer Direktor von EuroNatur. Grundlegende Voraussetzung ist die Abkehr von der Verschwendungswirtschaft. Bioenergie kann nur dann einen relevanten Beitrag zur Energiewende leisten, wenn wir den verschwenderischen Umgang mit unseren Ressourcen stoppen, Bioenergie nachhaltig produzieren und gezielt, ihrem Potenzial entsprechend einsetzen. „Wir brauchen einen sinnvollen Mix mit anderen erneuerbaren Energien“, so Lutz Ribbe. 

Biogas zur Abdeckung der Grundlast zu verwenden, ist nach Meinung von EuroNatur unsinnig. Sinnvoll ist es dagegen, die wesentliche Stärke der Bioenergien zu nutzen: ihre Speicherfähigkeit. Aus Biomasse produzierter Strom kann gespeichert und damit bedarfsunabhängig zu dem Zeitpunkt geliefert werden, zu dem er benötigt wird. Auch und besonders dann, wenn Photovoltaik oder Windkraftanlagen witterungsbedingt nicht genügend Strom produzieren. Dieses Potenzial wird bisher nicht genutzt. „Wenn Biogasanlagen dafür missbraucht werden, rund um die Uhr Energie ins Netz einzuspeisen, nutzen wir dieses Instrument völlig falsch. Ihr eigentliches Potenzial liegt im Regelbetrieb“, sagt Lutz Ribbe. Bestehende Biogasanlagen müssen entsprechend umgerüstet werden. Bei neu zu errichtenden Biogasanlagen muss eine finanzielle Förderung nach Meinung von EuroNatur an die Bedingung geknüpft werden, dass die Anlagen Regelenergie zur Verfügung stellen.

Eine weitere Fehlentwicklung, die der Korrektur bedarf ist, dass bis 2012 ein erheblicher Teil der Biogasanlagen vor allem zur Stromgewinnung gebaut wurde. Dabei wurde ein wesentlicher Aspekt vernachlässigt: Die in Biogasanlagen produzierte Energiemenge an Wärme ist deutlich größer als die Stromgewinnung. Bis heute geht diese Wärme weitgehend als Abwärme verloren und wird nicht genutzt. Ein Großteil der über das pflanzliche Substrat eingebrachten Energie wird so verschwendet. „Es müssen dringend die nötigen Anreize und gesetzlichen Vorgaben geschaffen werden, damit Biogasanlagen nach-  bzw. umgerüstet werden und in der Folge auch Wärme produzieren“, so Ribbe. 

Welchen Beitrag kann eine nachhaltige Bioenergie zur Energiewende leisten? Weitere Informationen liefert das Positionspapier „EuroNatur Spezial - Bioenergie neu bewerten“.



Interviewpartner und Rückfragen:
EuroNatur
Naturschutzpolitische Abteilung
Euskirchener Weg 39
53359 Rheinbach
Tel.: +49(0)2226 - 20 45
Fax: +49(0)2226 - 1 71 00
E-Mail: lutz.ribbe@euronatur.org
Internet: www.euronatur.org
Ansprechpartner: Lutz Ribbe
Pressekontakt: Katharina Grund (Tel.: 07732 - 92 72 10)

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