Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste Fall von Gewalt gegen Menschen, die sich gegen die rumänische Holzmafia stellen.

Protest gegen Gewalt gegen Umweltaktivisten

Mehrere Umweltaktivistinnen und Naturschützer zeigten sich solidarisch mit Tiberiu Bosutar und den beiden Journalisten.

© Agent Green

Zwei Journalisten sowie der Umweltaktivist Tiberiu Bosutar von unserer rumänischen Partnerorganisation Agent Green wurden letzte Woche von mutmaßlichen illegalen Holzfällern nahe der Ortschaft Panaci angegriffen. Sie haben einen Dokumentarfilm über illegale Abholzungen in der Region gedreht. An dem Angriff waren elf Personen beteiligt, die von der Polizei verhört wurden. Die Opfer wurden im Krankenhaus behandelt.

Gewalt gegen Aktivisten, Förster und Journalisten in Rumänien, die sich mutig gegen die Zerstörung der Ur- und Naturwälder des Landes stellen, sind keine Seltenheit. 2019 wurden zwei Förster ermordet, die in getrennten Fällen auf Berichte über illegalen Holzeinschlag reagierten. Auch Gabriel Paun, Vorsitzender von Agent Green und EuroNatur-Preisträger wurde 2016 in der Nähe des Nationalparks Retezat von Holzfällern zusammengeschlagen. In seinem Fall hat die Staatsanwaltschaft noch immer keine Anzeige gegen die Täter gestellt – obwohl Videomaterial die Angreifer klar identifiziert. „Das rumänische Justizsystem ermutigt die Angreifer“, so Paun.

Indes verurteilte der rumänische Umweltminister Barna Tanczos die jüngsten Angriffe: „Die Angreifer müssten die maximalen rechtlichen Konsequenzen tragen“, so der Minister. In einer Geste der Solidarität haben am Sonntag mehrere Naturschützer und Aktivistinnen für ein Ende der Gewalt gegen Waldschützer und für rechtliche Schritte gegen die Täter demonstriert. „Im vergangenen Jahr wurden weltweit 227 Frauen und Männer getötet, die sich im Umweltschutz engagieren. Wenn wir diese Vorfälle nicht ernst nehmen, könnte Rumänien schon bald auf diese schwarze Liste gesetzt werden. Um das zu verhindern, müssen die Behörden den Vorfall mit größter Ernsthaftigkeit behandeln und solche Verbrechen scharf verurteilen", sagt Mircea Barbu von Agent Green.

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Enttäuschende Kompromisse nach Abstimmung im EU-Parlament

Nach der Abstimmung in Straßburg über die Erneuerbare-Energie-Richtlinie (RED) überwiegt die Enttäuschung. Die Abgeordneten haben es versäumt,…

Letzte Geier in Bulgarien ausgewildert

++ Zwei weibliche Mönchsgeier im bulgarischen Balkangebirge ausgewildert ++ Erfolgreiches Projekt ist nach sieben Jahren ausgelaufen ++ Am 3.…

Umweltverbände legen Kernforderungen für ein Aktionsprogramm Oder vor

Oder-Katastrophe als Chance für eine ökologische Revitalisierung nutzen.

Oder-Katastrophe: Ursachen lückenlos aufklären und Sanierung der Oder sicherstellen

Das Fischsterben in der Oder ist menschengemacht, so viel steht fest. Entschiedene Schritte sind jetzt gefragt.

Dürre in der Saline Ulcinj

Trockenheit und unzureichendes Wassermanagement haben die Saline Ulcinj in Montenegro nahezu austrocknen lassen. Dennoch können Naturschützer der…

Vorläufiger Bericht der Neretva-Wissenschaftswoche

Die ersten Ergebnisse der Wissenschaftswoche an der Neretva liegen vor und wurden in einem Bericht zusammengefasst. Er liefert erste Eindrücke,…

Storchendorftreffen im serbischen Taraš

Endlich wieder persönlich zusammenkommen: Nach zwei Jahren Covid-Zwangspause haben sich Vertreter aus sieben Europäischen Storchendörfern in Taraš…

Hohes Risiko bei Investionen in Wasserkraft auf dem Balkan

Große Wasserkraft-Neubauprojekte in Südosteuropa (1) sind mit massiven Investitionsrisiken behaftet und haben niedrige Realisierungsraten. Das zeigt…

Auszeichnung für Waldschützer und Waldschützerinnen aus Deutschland und der Ukraine

++ EuroNatur-Preis 2022 geht an Antje Grothus, Fedir Hamor und die Organisation Free Svydovets ++ Europas letzte Urwälder stehen unter enormen Druck…

Einzigartige Flusslandschaft am Südrand Mitteleuropas

Mit dem neuen EuroNatur-WWF-Reiseführer „Mur, Drau und Donau – Leben durch Flussdynamik“ lernen Natururlauber den Südosten Mitteleuropas von seiner…

Saline Ulcinj als Staatseigentum eingetragen

Der Salzgarten im Süden Montenegros ist als Staatsland ins Kataster der Stadt Ulcinj eingetragen worden. Damit ist die Eigentumsfrage, um die es…

Die Erforschung der Unbekannten: Wissenschaftswoche am Oberlauf der Neretva

Rund 50 internationale Wissenschaftlerinnen und Flussschützer haben eine Woche lang die obere Neretva untersucht. Die Daten sollen dabei helfen,…

Aufmerksamkeit für RED4Nature-Kampagne

Mit gleich zwei öffentlichkeitswirksamen Aktionen haben Künstlerinnen und EuroNatur-Mitarbeiterinnen am 22. und 23. Juni in Brüssel für Aufmerksamkeit…

Albanische Regierung unterzeichnet Erklärung zur Errichtung eines Vjosa-Wildflussnationalparks

++ Albanien markiert wichtigen Schritt für den Schutz der Vjosa ++ Regierung signiert Absichtserklärung für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark ++

EU-Wiederaufbauplan – eine Gefahr für die Natur

++ Die 672 Milliarden Euro schwere Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) wird zwar von der EU-Kommission als Hauptwerkzeug des „grünen Wiederaufbaus“…