EU-Agrarpolitik: besser als ihr Ruf

© Gabriel Schwaderer

Eine zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und eine mit Steuergeldern finanzierte  Überproduktion von Lebensmitteln: die EU-Agrarpolitik genießt nicht den besten Ruf. Doch viele Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft haben auch Bundes- und Landespolitik zu verantworten, betonte Lutz Ribbe, naturschutzpolitischer Direktor von EuroNatur, auf der Diskussionsveranstaltung „ Die Agrarpolitik der EU – Segen oder Fluch für die Natur, die Bauern und die Handwerker Bayerns?“ vor 130 Teilnehmern im bayerischen Hutthurm. Zum Informationsabend eingeladen hatten der Bund Naturschutz (BN), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Katholische Landvolkbewegung (KLB).


Im Zuge der Agrarreform 2007/2008 („Health Check“) wollte die EU die Direktzahlungen an die Großbetriebe um 45 Prozent kürzen und damit eine Schieflage bei der Verteilung  der EU-Fördermittel  ausgleichen: „Nur 1,6 Prozent der Landwirte beziehen derzeit 30 Prozent der Mittel. Die Hälfte der Bauern muss sich dagegen mit „Hartz-IV-Sätzen“ begnügen“, beklagte Ribbe.  Aufgrund des Widerstands des damaligen Bundeslandwirtschaftsministers Horst Seehofer und anderer CSU-Politiker konnte die Kommission jedoch nur eine Kürzung von fünf Prozent durchsetzen.


Ribbe forderte EU-, Bundes- und Landespolitiker auf, mehr über die Ziele einer zukunftsfähigen Agrarpolitik zu reden. Diese müsse mehr leisten als nur Fördergelder zu verteilen. Naturschützer, Bauern und Verbraucher müssten sich zu einem Bündnis zusammenschließen, um Druck auf die Politik auszuüben und gemeinsam neue Wege in der Landwirtschaft einzufordern.


Als Koordinator einer Plattform von Verbänden aus Natur-, Tier-, Verbraucherschutz und bäuerlicher Landwirtschaft setzt sich EuroNatur seit Jahren für eine natur- und sozialverträgliche Landwirtschaft in Europa ein.Link zur Verbändeplattform

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