EU-Agrarpolitik: Richtiges Leitbild, falsche Instrumente

© EuroNatur

Anlässlich der öffentlichen Anhörung des Deutschen Bundestags am 17.Mai zur Reform der Europäischen Agrarpolitik nach 2013, fordert Lutz Ribbe, naturschutzpolitischer Direktor von EuroNatur, eine gesellschaftliche Grundsatzdebatte über die Ziele der Agrarpolitik und eine Neuausrichtung der agrarpolitischen Instrumente. Ziel muss es sein, eine natur- und sozialverträgliche Landwirtschaft in Europa zu verwirklichen, die den zentralen globalen Fragen Klimaaschutz, Erhaltung der Biologischen Vielfalt und Lösung des Welthungers gleichermaßen gerecht wird.

Der Erhalt des „Europäischen Agrarmodells“, sprich einer multifunktionellen Landwirtschaft, die auch ökologische und soziale Kriterien beinhaltet, wird zwar seit Mitte der 90er Jahre oft als Ziel der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) genannt, doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen extreme Lücken. Die von der Landwirtschaft verursachten Probleme im Natur-, Tier- und Umweltschutz sowie der fortschreitende Abbau von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft zeigen es deutlich: Die Kernziele des „Europäischen Agrarmodells“ konnten mit den bisherigen Mitteln nicht erreicht werden.

Die anstehende Agrarreform „GAP 2014“ bietet nun die Möglichkeit umzusteuern. Damit die zukünftige Agrarpolitik ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden kann, bedarf es, laut Ribbe, einer klaren inhaltlichen Neuausrichtung aller Instrumente der GAP, besonders der Direktzahlungen, für die der Steuerzahler in Europa jährlich mehr als 35 Milliarden Euro aufbringt. „Besonders in Deutschland drängt aber die Debatte über agrarpolitische Instrumente – speziell die Frage der Höhe und Verteilung der Agrargelder – die Zieldiskussion völlig in den Hintergrund“, kommentierte Ribbe in seiner schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Es werde nicht von den Problemen her gedacht, vielmehr versuchten Lobbyverbände, alte Pfründe zu wahren. Agrarpolitik sei im Übrigen weit mehr als Geld zu verteilen. Eine Landwirtschaft, die nach 2013 die Biologische Vielfalt fördern, Arbeitsplätze sichern und neue schaffen soll, Sozial- und Umweltdumping in den Entwicklungsländern überwinden sowie einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Lösung des Welthungers leisten muss, muss alle agrarpolitischen Instrumente nutzen. Dazu gehöre die Marktstabilisierung, eine verbrauchergerechte Kennzeichnung der Produkte, das Bau- und Ordnungsrecht sowie eine aktive Förderung von Qualitäts- und Regionalprodukten. Um dies zu erreichen, muss sich die Agrarpolitik zu einer ländlichen Entwicklungspolitik fortentwickeln, die sich an Nachhaltigkeitskriterien messen lässt.

Link zur Stellungnahme von Lutz Ribbe im Rahmen der öffentlichen Anhörung im Deutschen Bundestag am 17.Mai 2010 zum Thema „GAP nach 2013“ (pdf-Datei, 272kb)


Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…