EuroNatur fordert Anlage von Futterplätzen für Geier

EU-Hygienevorschriften machen Geiern das Leben schwer

 

Presseinformation vom 21. Mai 2007

 

 

Radolfzell. Die Umweltstiftung EuroNatur fordert eine Strategie zum Management und zur Überlebenssicherung der wieder nach Deutschland zurückkehrenden Geier. Erst vor wenigen Tagen und auch im vergangenen Jahr wurden die ersten Gänsegeier rund 150 Jahre nach ihrer Ausrottung zwischen Ostsee und Bodensee gesichtet.

EuroNatur-Präsident Claus-Peter Hutter: "Wir heißen die Geier in unseren Landschaften in Deutschland herzlich willkommen. Damit sie hier überleben können, müssen wir jetzt Futterplätze anlegen und perspektivisch die EU-Hygienevorschriften ändern. Geier haben längst kein schlechtes Image mehr, sondern sind als Flugkünstler faszinierende Botschafter für eine lebendige Natur. Außerdem sind sie als Aasfresser die Gesundheitspolizei der Natur."

Wahrscheinlich kommen die nach Deutschland einfliegenden Gänse- und Mönchsgeier aus dem Südwesten Europas. Auf der Iberischen Halbinsel leben rund 25.000 Gänsegeier-Paare. Inzwischen leiden die Geier in Spanien jedoch Hunger. Denn dort wirkt sich eine EU-Hygienerichtlinie, die in Spanien seit mehr als 3 Jahren in Kraft ist, sehr negativ aus. Gemäß dieser Richtlinie müssen nahezu alle verendeten Haustiere in der EU aus der Landschaft entfernt und einer zentralen Anlage zur Tierkörperbeseitigung zugeführt werden. Begründet wird diese Bestimmung damit, dass der Ausbreitung von BSE Einhalt geboten werden soll.

Die große Anzahl an Geiern in Spanien ist aber vor allem auf die frühere Praxis zurückzuführen, verendete Haustiere auf der Weide zu belassen oder sie auf bestimmten Luderplätzen zu deponieren. Dort wurden sie in kürzester Zeit von Geiern und anderen Wildtieren verwertet. "Die Schindanger im ausgehenden Mittelalter und später waren nichts anderes als Geierfutterplätze", betonte C.-P. Hutter.

Die derzeitige Rechtslage sehe bereits Ausnahmen für die Anlage von Futterplätzen für Geier insbesondere in den Ländern Spanien, Portugal, Italien, Frankreich und Griechenland vor. An diese Futterplätze werden aber sehr hohe Anforderungen gestellt und es darf nur Fleisch ausgebracht werden, bei dem die BSE-Verbreitung ausgeschlossen werden kann. Insbesondere auf der Schwäbischen Alb und in anderen Regionen, in der noch viele Haustiere auf der Weide leben, sollte die Anlage von Futterplätzen zügig umgesetzt werden, fordert die Umweltstiftung EuroNatur. Die Rückkehr der Geier sei nicht nur ein Meilenstein für den Naturschutz, sondern biete auch große Chancen für das Tourismus-Marketing.

Für das Überleben der Geier und anderer Wildtiere in Spanien ist die derzeit gültige Hygienerichtlinie in höchstem Maße problematisch, betont EuroNatur. Eine Änderung dieser Richtlinie ist die Voraussetzung für das dauerhafte Überleben von Geiern in Spanien und dafür, dass sich die faszinierenden Großvögel in Europa wieder ausbreiten können.

Gänsegeier leben in Europa vor allem auf der Iberischen Halbinsel. Aber auch in Frankreich, Italien, Kroatien und auf der Balkanhalbinsel gibt es noch Geiervorkommen.

 

Bei Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Str. 22

78315 Radolfzell

Tel.          07732 – 92 72 0

Fax          07732 – 92 72 22

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Internet     www.euronatur.org

 

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