EuroNatur fordert Umsetzung agrarpolitischer Reformen in Deutschland

 

Presseinformation vom 30. Mai 2008

Radolfzell. „Mit den kürzlich veröffentlichten Reformvorschlägen hat Brüssel die nötigen Signale gesetzt, um die europäische Agrarpolitik in die richtige Richtung zu lenken. Jetzt sind Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer und seine Amtskollegen in den Bundesländern gefragt, den von der EU-Kommission vorgegebenen Weg konsequent weiter zu verfolgen“, sagt EuroNatur-Präsident Prof. Dr. Hartmut Vogtmann. Die für den 2. Juni einberufene Sondersitzung der Agrarminister der Länder bietet in diesem Zusammenhang eine besondere Chance, die nicht verspielt werden darf. EuroNatur fordert die Agrarminister auf, die Möglichkeiten voll auszuschöpfen, die mit den Reformvorschlägen verbunden sind. Schließlich könne man nicht nur von bäuerlicher Landwirtschaft reden, sondern müsse auch etwas dafür tun, so Vogtmann.

EuroNatur warnt vor einer Verwässerung der Vorschläge aus Brüssel oder gar einer Blockadehaltung gegenüber dem Gesetzespaket. Die EU-Kommission hat darin klar erkannt, dass sich die Agrarpolitik bewegen muss, um dauerhaft gesellschaftspolitisch akzeptiert zu bleiben. „Agrarkommissarin Fischer Boel hat völlig Recht, wenn sie fordert, dass sich die Agrarpolitik endlich den neuen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimaschutz, Erhalt der Biodiversität oder Erneuerbaren Energien stellen müsse“, sagt Vogtmann. Da es dafür keine eigenen Mittel geben wird, müssen nun die rund 50 Milliarden Euro, die jedes Jahr in den Agrarsektor fließen, anders verteilt werden. Nach Meinung von EuroNatur sind die Vorschläge, die hierzu aus Brüssel kamen sozial ausgewogen, aber in ihrer Höhe eher zu knapp bemessen. Die EU sieht vor, dass alle Betriebe in Deutschland, die pro Jahr mehr als 5.000 Euro an Direktzahlungen bekommen, acht Prozent ihrer Mittel für ein neues Maßnahmenbündel zum Natur- und Klimaschutz bereit stellen müssen. Großbetrieben mit mehr als 100.000 Euro wird ein etwas höherer Betrag abgezogen. Die Mittel gehen der Landwirtschaft nicht verloren, wie der Bauernverband glaubhaft machen will. Vielmehr werden sie Bauern zur Verfügung gestellt, die Klima- und Naturschutzmaßnahmen durchführen wollen.

Auf Zustimmung stößt bei EuroNatur auch der Ansatz der EU-Kommission, innerhalb des Agrarhaushaltes Gelder für die Grünland- und Milchviehregionen bereitzustellen. In der Vergangenheit waren es vor allem die Ackerbauregionen, die von den Subventionen profitiert hatten. Die EU wird zukünftig erlauben, vermehrt Mittel aus den Ackerbauregionen z.B. in die Grünlandregionen zu verlagern.  „Das ist nötig, denn sonst droht dort nach dem Auslaufen der Milchquotenregelung der völlige Zusammenbruch der Milchwirtschaft. Das wäre in struktur- wie auch naturschutzpolitischer Hinsicht schlimm“, so der EuroNatur-Präsident. Die Aktionen der Milchbauern in dieser Woche haben nach Auffassung von EuroNatur gezeigt, dass gerade diesen Betrieben das Wasser oft bis zum Hals steht. Besonders betroffen sind Betriebe im Schwarzwald, in den hessischen und rheinland-pfälzischen Mittelgebirgen sowie im Bayrischen Wald.

Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Straße 22

78315 Radolfzell

Tel.: 07732 - 92 72 0

Fax: 07732 - 92 72 22

E-Mail: info(at)euronatur.org

www.euronatur.org

Ansprechpartner: Lutz Ribbe

mobil 0170-4125767

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Flamingos oder Flugzeuge: Proteste gegen Flughafen in Albanien

++ Weltfeuchtgebietstag lenkt Aufmerksamkeit auf globale Zerstörung von Flüssen, Seen, Mooren und Küsten ++ Große Protestaktion in Albanien gegen…

Schwaderer in Steinmeiers Delegation

Große Ehre für Gabriel Schwaderer: Der EuroNatur-Geschäftsführer war bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Staatsbesuch in Albanien und…

Vjosa-Wildfluss-Nationalpark: Expertenteam legt Machbarkeitsstudie vor

Die Vjosa, einer der letzten großen Wildflüsse Europas, ist ihrer Unterschutzstellung heute einen großen Schritt nähergekommen. Das Projektteam aus…

Rechtliche Schritte gegen den Vlora-Flughafen in Albanien

Neue Entwicklungen zum geplanten Flughafenbau in der Narta-Lagune: Die von unseren Partnern eingereichte Klage gegen das Projekt wurde in erster…

Düstere Aussichten für Svydovets

Im ukrainischen Bergmassiv Svydovets soll ein gigantisches Skiresort entstehen. Gegen diese Pläne hat die Umweltbewegung Free Svydovets geklagt. Nun…

Jahresrückblick 2022

Ukraine-Krieg und Energiekrise, Vogelgrippe und Fischsterben, dazu noch immer die Corona-Pandemie und ihre Folgen. 2022 war ein kompliziertes Jahr,…

Vielfalt der Natur im Fokus

++ Internationaler EuroNatur-Fotowettbewerb 2023 startet ++ Runder Geburtstag für die „Naturschätze Europas“ ++

Weiterer Widerstand gegen albanischen Flughafenbau

Europäische Regierungen fordern die albanische Regierung auf, den Bau des Flughafens in der Narta-Lagune auszusetzen. Das Hauptargument: die…

Forderung nach Beschleunigung des Solarausbaus

Führende Umwelt-, Klima- und Naturverbände fordern gemeinsam mit der Solarbranche eine nachhaltige Beschleunigung der Solarenergie.

Berner Konvention fordert Bosnien-Herzegowina auf, alle Staudammprojekte am Fluss Neretva zu stoppen

Am 2. Dezember beschloss der Ständige Ausschuss der Berner Konvention (Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und…

Illegaler Flughafenbau: Umweltgruppen verklagen die albanischen Behörden

++ Klage gegen Bau des internationalen Flughafens Vlora wegen Unregelmäßigkeiten und Gesetzesverstößen ++ Flughafen stellt eine massive Bedrohung für…

Polnische Ausbaupläne könnten der Oder den Rest geben

++ Regierung in Warschau plant Ausbau des deutsch-polnischen Grenzflusses ++ Naturschutzorganisationen reichen Beschwerde bei EU ein ++…

Projekt BESTbelt bietet neue Möglichkeiten am Grünen Band Europa

Vor 33 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen und es begann eine neue Zeitrechnung. Nicht nur für die deutsche Wiedervereinigung, sondern auch für die…

"Destruktiv, undemokratisch und wahrscheinlich illegal"

Kritik an durchgesickerten EU-Maßnahmen für erneuerbare Energien: Die EU-Pläne für eine Dringlichkeitsmaßnahme, um die Entwicklung erneuerbarer…