EuroNatur schlägt Alarm: Griechenlands Naturschätze als Verlierer der Olympischen Spiele

Umweltstiftung fordert langfristige Konzepte zum Management der griechischen Nationalparke

Presseinformation vom 12. August 2004

Athen/Radolfzell. Wer hätte das vor sechs Wochen für möglich gehalten? Alle Olympiastätten sind fertig, und das sogar vier Tage vor dem offiziellen Beginn der Spiele in Athen am 13. August. Dass die Olympiaeuphorie aber vor allem in Sachen Natur ihren Tribut fordert, scheint im Moment niemanden so recht zu interessieren. Leidtragende sind die 27 Nationalparke Griechenlands und deren einzigartige Naturschätze, betont die Umweltstiftung EuroNatur, die sich seit vielen Jahren für den Erhalt der Natur in Griechenland einsetzt. EuroNatur kritisiert, dass sich Griechenland der Olympiade und damit der Antike besinnt, den Schutz der aber ebenfalls schon in der Antike vorhandenen Tiere und Lebensräume missachtet.

Bereits im Juni letzten Jahres hatte die damalige sozialistische Regierung Gelder zum Aufbau der Parkverwaltungen zugesagt - Gelder, die auch die jetzige konservative Regierungspartei nicht auszahlt. So besitzen die Parke bis heute weder Verwaltungs- noch Überwachungs- oder Informationsstrukturen.

Paradebeispiel für das Versagen in Sachen Umweltschutz ist der Meeresnationalpark Zakynthos. Im Jahr 1999 wurde der Park auf Druck der Europäischen Union und verschiedener Naturschutzorganisationen zum Schutz der Unechten Karettschildkröte, einer stark gefährdeten Meeresschildkrötenart, eingerichtet. Damit war Zakynthos der erste und einzige Nationalpark Griechenlands mit eigener Verwaltung - bis die Parkmitarbeiter im Mai diesen Jahres ihre Arbeit niederlegen mussten, da sie seit 10 Monaten keinen Lohn mehr von der griechischen Regierung erhalten hatten. "In der touristischen Hochsaison eine Katastrophe, da die Strände jetzt nicht mehr kontrolliert werden können und es zu ständigen Störungen kommt", kritisiert EuroNatur-Präsident Claus-Peter Hutter.

Aber nicht nur die Schildkröten sind Leidtragende der Olympiaeuphorie: auch der Schutz der Mönchsrobbe, die mit einer weltweiten Population von nur noch rund 450 Tieren zu einer der meistgefährdetsten Säugetierarten der Welt zählt, wird in diesen Tagen vernachlässigt. Der Meeresnationalpark Nördliche Sporaden, der seit 1992 auf dem Papier existiert, erhielt zwar im letzten Jahr wie auch die anderen Parke einen sogenannten "Management-Body", welcher für die langfristigen Planungen innerhalb des Parks zuständig ist, zur Umsetzung der hier getroffenen Entscheidungen aber fehlt aufgrund der Finanzsperre in Sachen Natur das nötige Geld.

Eine Art Persilschein hat sich die griechische Regierung bei dem Bau der olympischen Ruderanlage Schinias unweit des Ortes Marathon ausgestellt. Die Anlage wurde inmitten eines wertvollen Feuchtgebietes errichtet - im Gegenzug dazu wurden die restlichen Flächen des Gebietes kurzerhand als Schutzgebiet ausgewiesen.

EuroNatur hat zusammen mit verschiedenen griechischen und internationalen NGOs eine Unterschriftenkampagne gegen das derzeitige Verhalten der Regierung in Sachen Naturschutz gestartet. "Mit der Kampagne fordern wir die griechische Regierung dazu auf, die Nationalparke umgehend mit Parkverwaltungen auszustatten und deren langfristige Finanzierung zu gewährleisten. Nur so kann der Schutz von Tieren, Pflanzen und ihrer Lebensräume vor Ort wirksam realisieren werden", erläutert Claus-Peter Hutter. Des Weiteren fehlen derzeit noch die juristischen Voraussetzungen für die Handlungsfähigkeit der Parkverwaltungen - bei Verstößen gegen die Parkrichtlinien ist man auf die Unterstützung anderer Behörden angewiesen.

Jetzt kann man nur hoffen, dass sich auch in diesem Fall die griechische Tradition des "Irgendwie klappt immer alles" bewahrheitet und sich die Regierung entschließt, die Nationalparke finanziell zu unterstützen, so dass der Erhalt der wertvollen Naturschätze Griechenlands gewährleistet ist.

 

Bei Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Str. 22

78315 Radolfzell

Tel. 07732 - 92 72 0

Fax 07732 - 92 72 22

E-mail info(at)euronatur.org

Internet www.euronatur.org

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Enttäuschende Kompromisse nach Abstimmung im EU-Parlament

Nach der Abstimmung in Straßburg über die Erneuerbare-Energie-Richtlinie (RED) überwiegt die Enttäuschung. Die Abgeordneten haben es versäumt,…

Letzte Geier in Bulgarien ausgewildert

++ Zwei weibliche Mönchsgeier im bulgarischen Balkangebirge ausgewildert ++ Erfolgreiches Projekt ist nach sieben Jahren ausgelaufen ++ Am 3.…

Umweltverbände legen Kernforderungen für ein Aktionsprogramm Oder vor

Oder-Katastrophe als Chance für eine ökologische Revitalisierung nutzen.

Oder-Katastrophe: Ursachen lückenlos aufklären und Sanierung der Oder sicherstellen

Das Fischsterben in der Oder ist menschengemacht, so viel steht fest. Entschiedene Schritte sind jetzt gefragt.

Dürre in der Saline Ulcinj

Trockenheit und unzureichendes Wassermanagement haben die Saline Ulcinj in Montenegro nahezu austrocknen lassen. Dennoch können Naturschützer der…

Vorläufiger Bericht der Neretva-Wissenschaftswoche

Die ersten Ergebnisse der Wissenschaftswoche an der Neretva liegen vor und wurden in einem Bericht zusammengefasst. Er liefert erste Eindrücke,…

Storchendorftreffen im serbischen Taraš

Endlich wieder persönlich zusammenkommen: Nach zwei Jahren Covid-Zwangspause haben sich Vertreter aus sieben Europäischen Storchendörfern in Taraš…

Hohes Risiko bei Investionen in Wasserkraft auf dem Balkan

Große Wasserkraft-Neubauprojekte in Südosteuropa (1) sind mit massiven Investitionsrisiken behaftet und haben niedrige Realisierungsraten. Das zeigt…

Auszeichnung für Waldschützer und Waldschützerinnen aus Deutschland und der Ukraine

++ EuroNatur-Preis 2022 geht an Antje Grothus, Fedir Hamor und die Organisation Free Svydovets ++ Europas letzte Urwälder stehen unter enormen Druck…

Einzigartige Flusslandschaft am Südrand Mitteleuropas

Mit dem neuen EuroNatur-WWF-Reiseführer „Mur, Drau und Donau – Leben durch Flussdynamik“ lernen Natururlauber den Südosten Mitteleuropas von seiner…

Saline Ulcinj als Staatseigentum eingetragen

Der Salzgarten im Süden Montenegros ist als Staatsland ins Kataster der Stadt Ulcinj eingetragen worden. Damit ist die Eigentumsfrage, um die es…

Die Erforschung der Unbekannten: Wissenschaftswoche am Oberlauf der Neretva

Rund 50 internationale Wissenschaftlerinnen und Flussschützer haben eine Woche lang die obere Neretva untersucht. Die Daten sollen dabei helfen,…

Aufmerksamkeit für RED4Nature-Kampagne

Mit gleich zwei öffentlichkeitswirksamen Aktionen haben Künstlerinnen und EuroNatur-Mitarbeiterinnen am 22. und 23. Juni in Brüssel für Aufmerksamkeit…

Albanische Regierung unterzeichnet Erklärung zur Errichtung eines Vjosa-Wildflussnationalparks

++ Albanien markiert wichtigen Schritt für den Schutz der Vjosa ++ Regierung signiert Absichtserklärung für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark ++

EU-Wiederaufbauplan – eine Gefahr für die Natur

++ Die 672 Milliarden Euro schwere Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) wird zwar von der EU-Kommission als Hauptwerkzeug des „grünen Wiederaufbaus“…