Hitzige Debatte um Agrarreform

Auf dem Landwirtschaftstag der LVM-Versicherung diskutierten am Dienstag Politiker und Agrarexperten über die Reform der europäischen Agrarpolitik nach 2013. Für eine hitzige Diskussion sorgten vor allem die Pläne der EU-Kommission, die Direktzahlungen an Umweltauflagen zu binden - das sogenannte „Greening“.

Zu grün oder nicht ökologisch genug? Das Thema "Greening" erhitzte auf dem Landwirtschaftstag die Gemüter.

© Gunther Willinger

„Die Reformvorschläge der EU-Kommission sind ein erster Schritt in die richtige Richtung“, betonte Lutz Ribbe, naturschutzpolitischer Direktor von EuroNatur. Von einer Agrarwende könne aber keine Rede sein. „Die Auflagen für das Greening reichen nicht aus, um den massiven Artenverlust in der Agrarlandschaft zu stoppen.“ Die Gesellschaft erwarte von den Landwirten eine Gegenleistung für die milliardenschweren Fördermittel, die durch Steuergelder finanziert werden. Ribbe sprach sich daher für „mehr Ökologie“ in der künftigen Agrarpolitik aus.

Der CDU-Agrarsprecher im niedersächsischen Landtag, Clemens Große Macke, warnte dagegen vor einer Überbürokratisierung und forderte mehr Flexibilität und unternehmerische Freiheit. „Mit den freiwilligen Agrarumweltprogrammen sind wir in den letzten 20 Jahren doch gut gefahren“, meinte Macke. Dieser Meinung trat Ribbe in seinem Vortrag entgegen und zitierte aus einem Bericht der EU-Kommission über die biologische Vielfalt in der EU aus dem Jahr 2009: „Der Erhaltungszustand aller Lebensraumtypen, die mit der Landwirtschaft im Zusammenhang stehen, ist deutlich schlechter als der anderer Lebensraumtypen.“

 

Auch Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann und Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, befürchteten, dass die geplanten Reformmaßnahmen mehr Bürokratie und einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit nach sich ziehen würden. Dem wiederum widersprach Dr. Georg Häusler, Kabinettschef von Agrarkommissar Ciolos: „Mit dem Greening schlägt die Kommission drei einfache Maßnahmen für die Landwirte vor, die überall gültig sind“, sagte der EU-Beamte. Dadurch lasse sich das Risiko von Wettbewerbsverzerrungen zwischen den EU-Staaten vermeiden. 


Zum Artikel „Greening erhitzt die Gemüter“ auf top agrar-online



Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Positionspapier: Energiegewinnung ohne Naturzerstörung ist der Weg zur Klimaneutralität 2040

Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur veröffentlicht heute ein Positionspapier, das einen neuen zukunftsfähigen Weg für…

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…

Saline Ulcinj: 2 Jahre RAMSAR-Gebiet

Vor zwei Jahren, am 10. September 2019, wurde die Saline Ulcinj im Süden Montenegros zum RAMSAR-Gebiet erklärt, einem Feuchtgebiet von internationaler…

Fledermausquartier langfristig gesichert

++ Bauarbeiten an „Alter Brauerei“ in Franfurt/Oder abgeschlossen ++ Überwinterungsquartier für mehr als 1.200 Fledermäuse ++ Internationale…