Kelag zerstört in Bosnien-Herzegowina einen der besten Lebensräume des Huchen in Europa

Huchen

Der Huchen (Hucho hucho), eine global bedrohte Fischart.

© Andreas Hartl
Der Fluss Sana

Die Sana, einer der sechs wichtigsten Flüsse für den Huchen.

© Sami Rahkonen

Das österreichisch-deutsche Energieunternehmen baut an der Sana ein Wasserkraftwerk und gefährdet damit global bedrohte Fischart ++ NGOs und Wissenschaftler protestieren

 

Gemeinsame Presseinformation von EuroNatur, Riverwatch, Center for Environment (Bosnien Herzegowina) und der Koalition Sana vom 27.11. 2015



Radolfzell, Banja Luka, Wien. Das Energieunternehmen Kelag ist gerade dabei, einen der für den bedrohten Huchen (Hucho hucho) bedeutendsten Flussabschnitte in Europa zu zerstören. Darauf machten heute im Rahmen der internationalen Kampagne "Rettet das Blaue Herz Europas" Naturschützer und Wissenschaftler in Banja Luka aufmerksam. Am Oberlauf der Sana in Bosnien-Herzegowina baut das Unternehmen derzeit das Wasserkraftwerk "Medna" und flussabwärts sind weitere Dämme geplant. Der Fluss Sana ist für diese global bedrohte Fischart nach Einschätzung von Wissenschaftlern einer der sechs wichtigsten Flüsse in Europa. "Die Sana bildet zusammen mit wenigen anderen Flüssen das Rückgrat der Huchenbestände in Europa. Diese Flüsse müssen unbedingt frei von Wasserkraftwerken bleiben", so Belma Kalamuji?, von der Universität Sarajevo. Die Huchenexpertin hatte gemeinsam mit zahlreichen anderen Wissenschaftlern wegen des Medna Projekts einen Protestbrief an die Regierung des Landes sowie an die EU-Kommission gerichtet.

Seit Jahren kämpfen Naturschutzgruppen aus Bosnien-Herzegowina zusammen mit Anwohnern gegen die Zerstörung der Sana. "Nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus wirtschaftlichen. Fliegenfischer aus der ganzen Welt kommen hierher, um Forellen, Äschen und v.a. den Huchen in unberührter Natur zu fangen. Davon profitieren die Anwohner ohne die Landschaft zu zerstören" so Nataša Crnkovi? von der NGO Center for Environment. Damit wäre es vorbei, wenn die Kraftwerke gebaut werden.
Während die Kelag auf dem Balkan die besten Huchenvorkommen zerstört, werden in der EU und v.a. in Österreich die zumeist geringen Huchenbestände mit Millionenaufwand gefördert.

Nach Recherchen von Riverwatch wurden in Österreich seit 1999 etwa 45 Millionen Euro in die Renaturierung von Flüssen mit Huchenvorkommen investiert, d.h Uferverbauungen und künstliche Hindernisse wurden beseitigt, den Flüssen wieder mehr Platz gegeben. Allein auf Kärnten, dem Firmensitz der Kelag, verfielen davon 13,42 Millionen Euro. Auch der Verbundkonzern, Miteigentümer der Kelag, finanziert mit etwa 6 Millionen Euro an der Traisen in Niederösterreich ein Flussrückbauprojekt, von dem unter anderem der Huchen profitieren soll. Alle diese Projekte wurden von der EU kofinanziert (Life Projekte).

"Wenn es nicht so dramatisch wäre, wäre es fast zum Lachen: Während wir in Österreich und anderen EU-Ländern mit Millionensummen versuchen, die Fehler der Vergangenheit auszubessern, machen unsere Firmen wie die Kelag auf dem Balkan die gleichen Fehler wieder und zerstören die besten Flüsse und bedrohen seltene Arten. Das muss aufhören", so Ulrich Eichelmann von Riverwatch.

„Wir brauchen in Bosnien-Herzegowina einen Masterplan zum Schutz unserer besten Flüsse und den Ausbau der Wasserkraft. Flüsse mit Huchenvorkommen müssen auf jeden Fall tabu sein für den Staudammbau", so Nataša Crnkovi? abschließend.

Der Huchen ist einer der bekanntesten und beeindruckendsten Flussfische Europas. Er war 2015 in Deutschland und 2012 in Österreich der "Fisch des Jahres". Er kann mehr als 1,5 Meter lang werden und kommt weltweit ausschließlich im Einzugsgebiet der Donau vor. Er braucht rasch fließende, kühle, schotterreiche Flüsse. Während die Art in Deutschland, Österreich und einigen anderen Ländern nur noch  in geringen Beständen vorkommt, existieren in den Flüssen des Balkans die letzten größeren Populationen der Huchen. Doch wie Untersuchungen zum Huchen im Rahmen der Kampagne "Rettet das Blaue Herz Europas" ergaben, sind auf dem Balkan 93 Wasserkraftwerke in Huchenstrecken geplant. Und das, obwohl Huchenpopulationen in Flüssen mit Wasserkraftwerken nicht überleben können. Das Projekt Medna ist das erste im Bau.

Die Eigentümer der Kelag (Kärntner Elektrizitäts-Aktien Gesellschaft) sind neben dem Bundesland Kärnten der österreichische Verbundkonzern sowie die deutsche RWE (Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG). An der Sana baut die Kelag unter dem Firmennamen "Interenergo" mit Sitz in Ljubljana/Slowenien. Die Interenergo ist zu 100 Prozent im Eigentum der Kelag. Slowenien hat bislang 1,1 Millionen Euro in den Schutz seiner Huchenbestände investiert.

 


Die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“:
Die Wasserkraftprojekte an der Sana sind nur ein Teil einer wahren Staudammflut, die derzeit den Flüssen auf der Balkanhalbinsel droht. Rund 2.700 Wasserkraftwerke zwischen Slowenien und Albanien sind derzeit geplant. Um der Zerstörung entgegen zu wirken, haben die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur und Riverwatch gemeinsam mit Partnern aus den Balkanländern die internationale Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ gestartet.  Mehr Informationen unter: www.balkanrivers.net/de


Rückfragen:
Ulrich Eichelmann - Riverwatch - ulrich.eichelmann@riverwatch.eu +43 676 6621512
Katharina Grund – EuroNatur: katharina.grund@euronatur.org  + 49 7732 92 72-10
Nataša Crnkovi? – Center for Environment (Bosnien-Herzegowina), natasa.crnkovic@czzs.org  +387 65 604 438
Goran Krivi? – Koalition Sana  gorankrivic@gmail.com + 387 65 690 972
 

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