Kranich gegen Düsenjet

Es brodelt im EuroNatur-Projektgebiet Narew im Nordosten Polens: Die politisch Verantwortlichen der Wojwodschaft Podlasie wollen bei Tykocin einen internationalen Flughafen errichten, nur zwei Kilometer Luftlinie vom Narew-Nationalpark entfernt und direkt zwischen zwei großräumigen Natura 2000-Gebieten gelegen.

Zusammenstoß vorprogrammiert: Der geplante Flughafen liegt mitten im Kranichgebiet.

© Josef Timar

 „Es handelt sich dabei nicht nur um ein ökologisch untragbares Projekt,  sondern diese Pläne sind auch verkehrspolitisch und ökonomisch völlig unsinnig“, sagt Lutz Ribbe, Naturschutzpolitischer Direktor von EuroNatur. Damit auch große Jets landen können, soll die Start- und Landebahn 2.400 Meter lang werden. Dabei wird es voraussichtlich nicht mehr als zwei Starts und Landungen pro Tag geben.

Zudem verstößt das Projekt gegen die verkehrs- und umweltpolitischen Zielsetzungen der Europäischen Union (EU). Diese hat in Europa 30 Projekte identifiziert, die vorrangig umgesetzt werden sollen. Die Mitgliedsstaaten haben diesem Programm zugestimmt. In Polen liegt von diesen 30 Projekten nur eines: die Verlagerung des Verkehrs auf umweltverträgliche Verkehrsträger durch die sogenannte „Rail Baltica“ -  eine Schienenverbindung von Warschau über Bialystok in die baltischen Staaten. Polen unternimmt seit Jahren nichts, um diese Planung voran zu bringen. Stattdessen wollen die Verantwortlichen nun mit dem Flughafen und der Autobahn „Via Baltica“ eine zusätzliche Konkurrenz zur „Rail Baltica“ aufbauen. Diese Missachtung der vereinbarten Zielsetzungen der EU soll zudem mit EU-Geldern finanziert werden: 112 Millionen Euro verlangt Polen als Zuschuss für das ökologisch und ökonomisch unsinnige Flughafen-Projekt.

Doch erstmal steht die Ampel für den Flughafenbau auf Rot: EuroNatur hat in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass der Flughafen eine direkte Gefahr für Leib und Leben darstellt. Schließlich tummeln sich im Umfeld zahlreiche Großvögel wie Störche, Gänse und Kraniche in der Luft – verheerende Zusammenstöße sind vorprogrammiert. Die Planungsunterlagen wurden auf diesen Einspruch hin vom Ministerium in Warschau aus vorerst mit der Note „ungenügend“ wieder nach Podlasien zurück überwiesen.

Die Regionale Direktion für Umweltschutz in Bialystok hat nun bis Ende 2011 Zeit, ein neues Gutachten für die Umweltverträglichkeitsprüfung des Flughafens zu erstellen. Um darauf schnell reagieren zu können, hat EuroNatur bereits die EU-Kommission in Brüssel alarmiert. Als Reaktion kam zumindest das Versprechen, dass nur Projekte gefördert werden, die sowohl ökologisch wie auch ökonomisch tragfähig sind. Jetzt heißt es, dran zu bleiben. Noch am vergangenen Wochenende haben Vertreter von EuroNatur mit den Betroffenen vor Ort die weiteren Schritte im Kampf gegen den Flughafenbau besprochen.

Link zur Stellungnahme von EuroNatur gegen den geplanten Flughafenbau bei Tykocin (pdf-Datei, 30 Kb)

Mehr über die EuroNatur-Projekte in der Narew-Region

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…