Naturereignis Hochwasser auf dem Balkan

Im Jahr nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe in Deutschland demonstriert der Skutari See natürlichen Hochwasserschutz

Presseinformation vom 1. Dezember 2003

Radolfzell. Auf die Erfordernis zur Erhaltung großflächiger Feuchtgebiete als Natur-Wasserspeicher hat jetzt die Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur) hingewiesen. Während am Bodensee immer noch Niedrigwasser herrscht, haben ergiebige Regenfälle die Wassermenge des Skutari-Sees an der Grenze Albanien - Montenegro seit dem Sommer von etwa zwei Milliarden Kubikmetern auf vier Milliarden anwachsen lassen. Nach Mitteilung der internationalen Umweltstiftung EuroNatur ein Zeichen für die Wasserspeicher-Kapazität naturbelassener Auen- und Feuchtgebiete. "Die enorme Speicherkapazität großer Seen schützt weite Gebiete absolut zuverlässig vor Hochwasserkatastrophen", berichtet Dr. Martin Schneider-Jacoby von EuroNatur. Mit einer Ausdehnung von zur Zeit rund 500 Quadratkilometern ist der Skutari See der größte Balkansee und fast so groß wie der Bodensee.

Während in Deutschland entsprechende Niederschlagsmengen oft zu katastrophalen Hochwässern führen, erweist sich die Naturlandschaft Skutari See ebenso wie der Bodensee als wertvolles Auffangbecken. Der Abfluss des Sees über den Bojana Fluss in Richtung Adria (Albanisch: Buna) kann dann bis zu 3930 m3/sec betragen und liegt damit fast so hoch wie die Abflussmenge, die letztes Jahr beim Jahrhundert-Hochwasser an der Elbe in Dresden (4.580 m3/sec) gemessen wurde. Die extremen Wasserstandsschwankungen des Sees sind außerdem von größter Bedeutung für die Ökologie der Region. Sie sorgen dafür, dass etwa 180 Quadratkilometer Seeboden regelmäßig trocken fallen und wieder überschwemmt werden. Diese Flächen stehen zeitweise für die Fische zum Laichen, aber auch als Wiesen und Weiden zur Nutzung für die Bauern am See zur Verfügung. 60 Fischarten, fast doppelt so viele wie im Bodensee, kommen im Skutari See vor und sind eine wichtige Ernährungsgrundlage für die Bevölkerung ebenso wie für zahllose Wasservögel.

Der Schutz des Naturparadieses von Skutari See und Bojana liegt der internationalen Umweltstiftung EuroNatur aus Radolfzell besonders am Herzen. Denn wie am Bodensee überwintern auch in diesem Gebiet jedes Jahr etwa 250.000 Wasservögel, unter ihnen die weltweit gefährdeten Krauskopfpelikane, sowie Zwergscharben, Kormorane und Moorenten. EuroNatur möchte mit Hilfe seiner Spender ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet zwischen Albanien und Montenegro etablieren, das den Schutz der Natur mit einer Entwicklung für die Menschen verbinden soll. "Nur wenn das Naturerbe zwischen der Adria und dem Skutari See geschützt wird, können Albanien und Montenegro mit anderen Touristenzielen am Mittelmeer konkurrieren", erklärt EuroNatur-Projektleiter Schneider-Jacoby seine Überzeugung.

Hier finden Sie mehr Informationen zum EuroNatur-Projekt an der Bojana

 

Bei Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Str. 22

78315 Radolfzell

Tel. 07732 - 92 72 0

Fax 07732 - 92 72 22

E-mail info(at)euronatur.org

Internet www.euronatur.org

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Berner Konvention hat Verbrechen an der Natur im Blick

Staudämme, Kraftwerke, Flughäfen: Zahlreiche Beschwerden von Naturschutzorganisationen gegen zerstörerische Projekte auf dem Balkan

Positionspapier: Energiegewinnung ohne Naturzerstörung ist der Weg zur Klimaneutralität 2040

Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur veröffentlicht heute ein Positionspapier, das einen neuen zukunftsfähigen Weg für…

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…

Saline Ulcinj: 2 Jahre RAMSAR-Gebiet

Vor zwei Jahren, am 10. September 2019, wurde die Saline Ulcinj im Süden Montenegros zum RAMSAR-Gebiet erklärt, einem Feuchtgebiet von internationaler…