Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der italienischen Stiftung Fondazione Capellino haben wir ein Tripoint-Bärenprojekt gestartet.

Pindos-Dinariden-Population Braunbären

Das Verbreitungsgebiet der Braunbären im zentralen Bereich der Dinariden-Pindos-Region.

© Fondazione Capellino
großer Braunbär

Braunbären sind die größten Landraubtiere Europas, doch ihr Bestand auf dem Balkan ist gefährdet.

© Wolfgang Bajohr
toter Braunbär auf Straße

Eine Gefährdungsursache ist der Straßenverkehr. Die Errichtung von Grünbrücken soll hier Abhilfe schaffen.

© A.Riegler/Callisto NGO

Das Wissen über das Vorkommen, die Populationsgröße und die Gefährdungen der Braunbären in der Dinariden-Pindos-Region ist wenig ausgeprägt, vor allem im zentralen Bereich der Population. Zusammen mit spezialisierten Partnerorganisationen wollen wir dies ändern. Ein wichtiger Baustein für dieses ambitionierte Ziel ist das soeben gestartete „Tripoint Brown Bear Project“, ermöglicht durch unsere Partnerschaft mit Fondazione Capellino, die für die Hälfte der Zuwendungen aufkommt. Gemeinsam wollen wir den Schutz der Braunbären in der grenzübergreifenden Region von Albanien, Griechenland und Nordmazedonien sichern.

Das Projekt ist für eineinhalb Jahre angesetzt und soll:

  • die nötige Unterstützung der zuständigen Behörden und wichtiger Stakeholder für das grenzübergreifende Management der Braunbären in der Projektregion in Albanien, Griechenland und Nordmazedonien sicherstellen;
  • Hotspots aktueller und künftiger Lebensraumfragmentierung identifizieren und Maßnahmen erarbeiten, die diese Fragmentierung stoppen, u.a. durch die Einrichtung von Schutzgebieten und Verbindungskorridoren sowie den Bau von Grünbrücken;
  • die friedliche Koexistenz von Bären und Menschen verbessern, insbesondere durch Populationsmonitoring und die Bildung von Bären-Einsatzteams für Notfälle.

Eine enge Zusammenarbeit zwischen EuroNatur und ihren Partnerorganisationen in den drei involvierten Staaten, MES, PPNEA und Callisto – mit Unterstützung durch Fondazione Capellino – wird dazu beitragen, einen integrierten Ansatz rund um 4 Strategien umzusetzen: a) politische Arbeit für dauerhaften Naturschutz, b) Best Practice und Innovation in der Naturschutzarbeit, c) Aufbau von Eigenverantwortung durch transparente und integrative Zusammenarbeit sowie d) Capacity Building.

Hintergrundinformationen:

  • Die Braunbärenpopulation der Dinariden-Pindos-Region erstreckt sich über 9 Länder – mehr als jede andere der 10 Bärenpopulationen in Europa. Die nordwestlichen und die südöstlichen Teile der Population befinden sich in EU-Mitgliedstaaten – Slowenien (SI), Kroatien (HR) und Griechenland (GR) –, aber der zentrale Teil der Bärenpopulation befindet sich in 6 Nicht-EU-Staaten mit verschiedenen Beitritts-Stadien: Bosnien-Herzegowina (BA), Serbien (RS), Montenegro (ME), Kosovo (XK), Nordmazedonien (MK) und Albanien (AL). Die Größe der Population wird auf insgesamt ca. 3300 Bären geschätzt (davon 40% in Nicht-EU-Staaten). Sie wird von der IUCN als gefährdet (VU) eingestuft. Gleichzeitig besteht in der dinarischen Region ein erhebliches Defizit sowohl im Wissen über die EU-Richtlinien zum Artenschutz und -management auf Populationsebene als auch in den Umsetzungskapazitäten.
  • Fondazione Capellino ist eine gemeinnützige Einrichtung, deren Ziele die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die Wiederherstellung und -vernetzung von Lebensräumen sowie der Kampf gegen den Klimawandel sind. Die Vision der Stiftung: der Südwestbalkan als Region, in der Braunbären in nachhaltig bewirtschafteten und transnational verbundenen Lebensräumen mit den Menschen friedlich koexistieren.

     

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