Rila-Nationalpark hängt am seidenen Faden

"Rila hängt am seidenen Faden" steht auf den Fahnen der Demonstranten.

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Junge Bulgaren demonstrieren für den Rila-Nationalpark

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Neun internationale Naturschutzorganisationen und Bergsteigerverbände haben einen Protestbrief an die bulgarische Regierung geschrieben, in dem sie fordern, dem illegalen Bauen im Rila Nationalpark, dem größten Nationalpark Bulgariens und einem der bekanntesten Naturschutzgebiete des Landes, Einhalt zu gebieten. Sie kritisierten die Entscheidung der bulgarischen Regierung, die Pufferzone rund um den Rila Nationalpark nicht in das länderübergreifende Schutzgebietssystem Natura 2000 der EU aufgenommen zu haben, um so die Pläne zum Bau von Skigebieten in dieser Gegend zu erleichtern.

 

Gemeinsam mit dem WWF, BirdLife International, CEEWEB, Europarc Federation, Europäisches Umweltbüro, Scottish Natural Heritage, Mountain Protection, International Mountaineering and Climbing Federation fordert EURONATUR von den bulgarischen Behörden, den Bau einer Straße, eines Sesselliftes und dreier Skipisten zu stoppen. Die Bauarbeiten wurden unter dem Vorwand durchgeführt, Brandschneisen anzulegen, geschahen jedoch allesamt zur Errichtung des illegalen Panichishte-Ezerata-Kabul-Skigebietes.

Bisher liegt noch keine der nötigen Baugenehmigungen vor. Der Rila Nationalpark und die umliegende Pufferzone werden noch von den Planungen für drei weitere große Skigebiete – Super Borovets, Bodrost und Iskrovete - bedroht.

 

Derweil nahmen am 23. Januar in Sofia über 1.500 junge Bulgaren an einem Protestmarsch teil und riefen das bulgarische Parlament dazu auf, die nationalen und europäischen Gesetze einzuhalten und den Bau illegaler Erholungsgebiete im Rila Nationalpark zu beenden. Vertreter örtlicher Kulturvereine waren wie traditionelle „Geisterjäger“, auf Bulgarisch „kouckeri“, gekleidet und kreisten um das bulgarische Parlament, um so „die bösen Geister zu vertreiben“. Eine große Fahne mit der Aufschrift „Rila hängt am seidenen Faden“ wurde neben dem Umweltministerium aufgehängt. „Wir tragen Stirnlampen, um Licht in die Arbeit der bulgarischen Behörden zu bringen, denn sie scheinen ihre Abkommen oft im Dunkeln zu schließen. Wir fordern Transparenz und bestehen darauf, dass die Pufferzone des Rila Nationalparks in das länderübergreifende Schutzgebietssystem Natura 2000 der EU aufgenommen wird.“, so Tsvetan Kosturkov, einer der Demonstranten.

 

“Der Trend hin zum Bau großflächiger Erholungsgebiete in Bulgarien hält trotz des kontinuierlichen Nachfragerückgangs beim Verkauf von Grundstücken entlang der Küste und in den Wintersportgebieten an“, erklärt Vera Petkanchin von der Bürgerinitiative ‚Bürger für Rila’. „Unkontrollierte Überbebauung und ernstzunehmende Probleme in der Infrastruktur beispielsweise haben Investoren von Bulgariens führendem Wintersportgebiet Bansko verjagt. Und trotzdem unterstützen andere bulgarische Gemeinden ähnliche Projekte, die ihre natürlichen Ressourcen stark beeinträchtigen und, langfristig gesehen, negative Auswirkungen auf ihren Tourismus haben werden.“, so Petkanchin weiter.

 

Text: WWF-Bulgaria, Übersetzung: Jana Glaser

 

Protestbrief (Englisch) hier als pdf-Datei (118 kb) herunterladbar

Link zu Video des Protesmarsches

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