Rio +20: Dünner, kalter Kaffee

Dunkle Wolken über Rio. Das bisherige Ergebnis der Konferenz Rio +20 ist enttäuschend.

© Lutz Ribbe

EuroNatur: Kaum brauchbare Vorschläge

Presseinformation vom 21. Juni 2012

Rio/ Radolfzell. „Was wir uns von Rio erhofft hatten, war eine Art konkrete Bau- oder Betriebsanleitung für eine bessere Zukunft. Was wir stattdessen bekommen haben, ist ein aufgewärmter Abklatsch längst beschlossener und vereinbarter Erklärungen. Das ist keine neue Vision, sondern dünner, kalter Kaffee“, kommentiert Lutz Ribbe, Naturschutzpolitischer Direktor der europaweit tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur, den vorliegenden Textentwurf für die Abschlussdeklaration der Nachhaltigkeitskonferenz „Rio +20“. Die Delegation der Europäischen Union, und auch Bundesumweltminister Peter Altmaier, haben diesem schwachen Vorschlag mittlerweile zugestimmt. Morgen werden die Staats- und Regierungschefs mit dessen endgültiger Verabschiedung eine wichtige Entscheidung über den künftigen Schutz unserer Lebensgrundlagen treffen. 

Nach Meinung von EuroNatur enthält der Textentwurf nur wenig brauchbare Vorschläge. Unter anderem werden die Staaten darin aufgefordert, natur- und umweltschädliche Subventionen aufzudecken und diese abzubauen. Doch selbst das ist, zumindest für Europa, nichts Neues, sondern wird unter anderem von der Europäischen Kommission seit Jahren angekündigt. Sei es im Rahmen der Europäischen Nachhaltigkeitsstrategie von 2007 oder aktuell in der Mitteilung der EU-Kommission zum Thema Erneuerbare Energien. Eine Umsetzung in die Praxis ist dagegen bis heute Fehlanzeige. „Noch immer gibt es nicht einmal eine Liste der abzubauenden Subventionen. Dabei ließe sich damit gleichzeitig richtig Steuergeld sparen und die Umwelt entlasten“, sagt Lutz Ribbe. Nach Angaben des Umweltbundesamtes fließen allein in Deutschland jährlich fast 50 Milliarden Euro in die Förderung umweltschädlicher Projekte.

Die Schuld an der schwachen Erklärung von Rio sollte nach Meinung von EuroNatur aber keinesfalls allein der EU zugeschoben werden. Es zeige sich mehr und mehr, dass nur in den Ländern und Staatengemeinschaften, in denen es handlungsfähige Natur- und Umweltschutzorganisationen gäbe, ein ausreichender Druck entstehe, der die Politiker zum Handeln zwinge. „Die gesellschaftlich notwendigen Veränderungen wachsen von unten und werden nicht von oben verordnet“, so Ribbe. 

Das magere Verhandlungsergebnis von Rio muss aber Konsequenzen haben. Die EU muss den anderen Staaten vorleben, dass beispielsweise eine andere Energie- und Agrarpolitik machbar ist. EuroNatur fordert deshalb Bundesumweltminister Peter Altmaier und die Europäische Union auf, Vorbild zu sein und die wenigen konkreten Vorschläge aus Rio sofort und konsequent umzusetzen. Darüber hinaus bedarf das Rio-Abschlussdokument dringend grundsätzlicher Verbesserungen, ansonsten enthält es nach Meinung von EuroNatur nur nutzlose Worthülsen und so gut wie keine zielführenden Wegweiser hin zu mehr Nachhaltigkeit in Europa.



Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
EuroNatur
Konstanzer Str. 22
78315 Radolfzell
Tel.: 07732-9272-10
Mobil: 0170-4125767
Email: info@euronatur.org
Internet: www.euronatur.org
Ansprechpartner: Lutz Ribbe
Pressekontakt: Katharina Grund

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

EuroNatur-Preis lenkt den Fokus auf Waldzerstörung und den Ukraine-Krieg

++ Waldschützerinnen und Waldschützer erhalten den EuroNatur-Preis 2022 ++ Krieg gegen die Ukraine und dessen Folgen erschweren die Arbeit von…

Enttäuschende Kompromisse nach Abstimmung im EU-Parlament

Nach der Abstimmung in Straßburg über die Erneuerbare-Energie-Richtlinie (RED) überwiegt die Enttäuschung. Die Abgeordneten haben es versäumt,…

Letzte Geier in Bulgarien ausgewildert

++ Zwei weibliche Mönchsgeier im bulgarischen Balkangebirge ausgewildert ++ Erfolgreiches Projekt ist nach sieben Jahren ausgelaufen ++ Am 3.…

Umweltverbände legen Kernforderungen für ein Aktionsprogramm Oder vor

Oder-Katastrophe als Chance für eine ökologische Revitalisierung nutzen.

Oder-Katastrophe: Ursachen lückenlos aufklären und Sanierung der Oder sicherstellen

Das Fischsterben in der Oder ist menschengemacht, so viel steht fest. Entschiedene Schritte sind jetzt gefragt.

Dürre in der Saline Ulcinj

Trockenheit und unzureichendes Wassermanagement haben die Saline Ulcinj in Montenegro nahezu austrocknen lassen. Dennoch können Naturschützer der…

Vorläufiger Bericht der Neretva-Wissenschaftswoche

Die ersten Ergebnisse der Wissenschaftswoche an der Neretva liegen vor und wurden in einem Bericht zusammengefasst. Er liefert erste Eindrücke,…

Storchendorftreffen im serbischen Taraš

Endlich wieder persönlich zusammenkommen: Nach zwei Jahren Covid-Zwangspause haben sich Vertreter aus sieben Europäischen Storchendörfern in Taraš…

Hohes Risiko bei Investionen in Wasserkraft auf dem Balkan

Große Wasserkraft-Neubauprojekte in Südosteuropa (1) sind mit massiven Investitionsrisiken behaftet und haben niedrige Realisierungsraten. Das zeigt…

Auszeichnung für Waldschützer und Waldschützerinnen aus Deutschland und der Ukraine

++ EuroNatur-Preis 2022 geht an Antje Grothus, Fedir Hamor und die Organisation Free Svydovets ++ Europas letzte Urwälder stehen unter enormen Druck…

Einzigartige Flusslandschaft am Südrand Mitteleuropas

Mit dem neuen EuroNatur-WWF-Reiseführer „Mur, Drau und Donau – Leben durch Flussdynamik“ lernen Natururlauber den Südosten Mitteleuropas von seiner…

Saline Ulcinj als Staatseigentum eingetragen

Der Salzgarten im Süden Montenegros ist als Staatsland ins Kataster der Stadt Ulcinj eingetragen worden. Damit ist die Eigentumsfrage, um die es…

Die Erforschung der Unbekannten: Wissenschaftswoche am Oberlauf der Neretva

Rund 50 internationale Wissenschaftlerinnen und Flussschützer haben eine Woche lang die obere Neretva untersucht. Die Daten sollen dabei helfen,…

Aufmerksamkeit für RED4Nature-Kampagne

Mit gleich zwei öffentlichkeitswirksamen Aktionen haben Künstlerinnen und EuroNatur-Mitarbeiterinnen am 22. und 23. Juni in Brüssel für Aufmerksamkeit…

Albanische Regierung unterzeichnet Erklärung zur Errichtung eines Vjosa-Wildflussnationalparks

++ Albanien markiert wichtigen Schritt für den Schutz der Vjosa ++ Regierung signiert Absichtserklärung für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark ++