Saline Ulcinj - Lichtblick für Zugvögel

Bis vor Kurzem stand die Zukunft des wichtigsten Rastplatzes für Zugvögel an der östlichen Adria noch auf Messers Schneide. Nun hat das montenegrinische Ministerium für Tourismus und nachhaltige Entwicklung entschieden, die gesamte Saline Ulcinj mit Ausnahme der Gebäude und des Kristallationsbeckens unter Naturschutz zu stellen. Damit wird der besondere Naturwert des Gebietes offiziell anerkannt.

Gern gesehener Gast in der Saline Ulcinj: Der Goldregenpfeifer.

© Anton Laut

Noch vor wenigen Monaten stand die Saline Ulcinj als Bauland für ein neues Tourismusgebiet für 257,8 Millionen Euro zur Auktion. Alles deutete darauf hin, dass Montenegro das einzigartige Naturjuwel zerstören und für den Massentourismus ausbauen wollte. Nachdem das Vorhaben der montenegrinischen Regierung im Dezember 2011 bekannt wurde, kam es europaweit zu massiven Protesten, die im Lande vom langjährigen EuroNatur-Projektpartner CZIP organisiert wurden. Infolge des internationalen Drucks beschloss die montenegrinische Regierung im April, die Saline nicht als Tourismusgebiet auszuweisen. 

Dass das 1.500 Hektar große, wertvolle Feuchtgebiet nun unter Naturschutz gestellt werden soll, ist ein großer Erfolg. Die positive Kehrtwende der Regierung ist das Ergebnis des jahrelangen Engagements von EuroNatur und seinen Partnern, unter anderem der montenegrinischen Vogelschutzorganisation CZIP: Bereits 2002 hat EuroNatur gemeinsam mit seinen Partnern erstmals den großen ökologischen Wert des Bojana-Buna-Deltas und der dazugehörigen Saline Ulcinj schwarz auf weiß belegt und damit die nötigen Argumente für den Schutz des Gebietes zusammengetragen. In der Folge erstellte EuroNatur einen Vorschlag für einen Managementplan, wie sich das Gebiet erfolgreich schützen und das große ökologische Potenzial naturverträglich nutzen lässt.

Zu besonderer Aufmerksamkeit verhalf EuroNatur der Saline Ulcinj mit der ersten Adriatic-Flyway-Konferenz im Jahr 2009. Diese wurde in enger Zusammenarbeit mit den Salinenbetreibern ausgerichtet. Im Rahmen einer Exkursion erfuhren Vertreter der für den Zugvogelschutz in Europa bedeutenden Institutionen den herausragenden Wert der Saline als Zugvogelrastplatz hautnah. Darunter Vertreter von African-Eurasian Waterbird Agreement (AEWA), BirdLife International, Europarat, Ramsar Konvention und Wetlands International. Vogelbeobachter kommen in der Saline Ulcinj voll auf ihre Kosten. In manchen Jahren rasten hier bis zu 200 Löffler und 100 Krauskopfpelikane gleichzeitig. Greifvögel wie Fischadler, Wespenbussarde, Rötelfalken, Schwarzmilane, Rohrweihen, Schelladler und Wanderfalken sind regelmäßige Gäste.

Jetzt kommt es darauf an, dass das neue Schutzgebiet zuverlässig betreut wird. Ziel ist es, dass die Naturschätze der Saline sich zu einer Attraktion für naturbegeisterte Besucher in der Gemeinde Ulcinj entwickeln und damit dauerhaft erhalten werden. EuroNatur hat die Grundlage dafür bereits geliefert. 

Link zum "Hammer des Monats - Vogelscheuche in Nadelstreifen", erschienen in Natur und Kosmos (heute: "Natur"), Ausgabe März 2012


Mehr über die Arbeit von EuroNatur zum Schutz der Saline Ulcinj

Mehr über das Bojana-Buna-Delta

Mehr über die Arbeit von EuroNatur zum Schutz der Zugvögel 

Zum EuroNatur-Reiseführer „Adria-Ostküste“

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…