Späteres Mähen hilft der Natur

Wiesenbewohnern eine Chance geben

Presseinformation vom 20. April 2005

Umweltstiftung EuroNatur: nicht zu früh mähen

Radolfzell. Kaum sprießen die ersten Gräser und Kräuter, werden sie auch schon wieder abgemäht. Schmetterlinge, Wildbienen und viele Vogelarten haben dadurch immer weniger Chancen. Darauf hat jetzt die internationale Umweltstiftung EuroNatur hingewiesen. Damit die natürlichen Lebensgemeinschaften in Gärten und in der freien Landschaft geschützt und die Erlebnisvielfalt erhöht wird, empfiehlt EuroNatur den Garten- und Streuobstwiesenbesitzern auf ein zu frühes Mähen zu verzichten.

Wildbienen und Schmetterlinge brauchen jetzt nämlich Wiesenblumen, um Pollen, Nektar und Blätter als Nahrung für sich und ihre Nachkommen zu finden. Werden die Pflanzen zu früh gemäht, fehlt vielen Tieren die Nahrungsgrundlage und abgelegte Eier können sich nicht entwickeln. So fliegt etwa der Aurorafalter, dessen Männchen auffällig orange-weiß gefärbt ist, zur Zeit das Wiesenschaumkraut - eine typische Rasen- und Wiesenblume - an, um dort seine Eier abzulegen. Für die Raupen des Aurorafalters ist das Wiesenschaumkraut die Hauptfutterpflanze. Nach Mitteilung von EuroNatur sind Bestandseinbußen dieses Schmetterlings, die beim Ausfall der Pflanze entstehen, leicht zu vermeiden, indem man auf ein zu frühes Mähen verzichtet oder Blüteninseln stehen lässt: "Wenn wir weiter die Natur kahl mähen, brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, dass es immer weniger Schmetterlinge gibt", so EuroNatur-Präsident Claus-Peter Hutter.

Besitzer eines Garten- oder Wochenendgrundstücks oder einer Baumwiese können der bedrohten Tierwelt ganz einfach helfen, indem sie blühende Wildkräuter im Rasen und auf den Wiesen erhalten. Durch ein Verschieben des Mähzeitpunkts möglichst weit in den Vorsommer hinein, haben Wildblumen im Rasen, in der Wiese und an Wegrändern die nötige Zeit, um Samen zu bilden und somit ihren Fortbestand zu sichern. Besonders größere, üppige und schön blühende Wildkrautbestände, etwa die des Wiesensalbeis oder Margeriten können beim Mähen leicht ausgespart bleiben. Während Landwirte für Ihr Vieh auf den Grasschnitt angewiesen seien, hätten Wochenendgrundstücksbesitzer, Hausgärtner, Städte und Gemeinden viele Möglichkeiten auf das frühe Mähen zu verzichten und dabei noch Geld einzusparen und der Natur zu helfen.

Überhaupt werden Wiesen immer seltener. Damit verliert auch die Braunschuppige Sandbiene, eine gefährdete Wildbienenart, ihren Lebensraum. Sie ist auf die sehr schnittempfindliche Wiesen-Glockenblume angewiesen, die ganz ausfällt, wenn sie zu früh oder mehr als zweimal pro Jahr gemäht wird. Die Larven dieser Wildbiene leben ausschließlich vom Blütenstaub der Glockenblumen. Aus diesem Grund empfiehlt EuroNatur nicht nur Hobby- und Freizeitgärtnern, sondern auch Stadtgärtnern und Bauhöfen, ungenutzte Rasenflächen in Wiesen umzuwandeln. diese sollten maximal zweimal im Jahr, und zwar im Juni und August, mit der Sense, dem Balkenmäher oder der Motorsense gemäht werden. Das Mähgut kann anschließend kompostiert oder - wo örtlich möglich - der Biogaserzeugung zugeführt werden. Außerdem fördere der Verzicht auf Düngung die Artenvielfalt und schütze das Grundwasser.

 

Das Buch zum Thema:

"Wiesen, Weiden und anderes Grünland"

Hutter (Hrsg.), Briemle, Fink

Biotopbestimmungsbuch aus dem Hirzel Verlag, Stuttgart

Sie können das Buch im Online-Shop der EuroNatur-Service GmbH in der Rubrik Bestimmungsbücher bestellen.

 

Bei Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Str. 22

78315 Radolfzell

Tel.: 07732 - 92 72 0

Fax: 07732 - 92 72 22

E-mail: info(at)euronatur.org

Internet: www.euronatur.org

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