„Weißbuch Save“ vorgestellt

Der beste Schutz gegen Hochwasser: intakte Auwälder an der Save

© Goran Safarek

Das „Weißbuch Save“ beschreibt erstmals in komprimierter Form die ökologische Bedeutung und die Bedrohungen der Save.

© EuroNatur

++ Chancen und Bedrohungen für einen der wertvollsten Flüsse Europas ++
Hochwasserschutz ausgearbeitet ++ Am 2. Februar ist Weltfeuchtgebietstag ++

 

Gemeinsame Pressemitteilung von EuroNatur und Riverwatch vom 1. Februar 2017


Radolfzell, Wien.
Anlässlich des Weltfeuchtgebietstages am 2. Februar präsentierten heute die Naturschutzorganisationen Riverwatch und EuroNatur das „Weißbuch Save“, ein umfassendes Werk über einen der ökologisch wertvollsten und einen der am wenigsten bekannten Flüsse Europas.

Das „Weißbuch Save“ beschreibt erstmals in komprimierter Form die ökologische Bedeutung und die Bedrohungen dieses einzigartigen Flusses. Gleichzeitig werden konkret die Chancen aufgezeigt, wie der Hochwasserschutz verbessert und die Save als Lebensader erhalten werden kann. In mehr als einjähriger Arbeit wurden vom Wiener Büro FLUVIUS  in Kooperation mit der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ und dem SavaParks-Netzwerk Daten  und Fakten über die Save und ihre Zuflüsse zusammengetragen, Satellitenaufnahmen ausgewertet und Flächen berechnet. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse in einem eigenen Atlasteil in 57  Karten dargestellt. Dieses Weißbuch liefert eine Grundlage für Entscheidungen über die Zukunft der Save und ihrer Bewohner wie sie es in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Die Save ist der längste Fluss auf dem Balkan. Auf ihrem 926 Kilometer langen Weg von den Quellen in Slowenien bis zur Mündung in die Donau bei Belgrad wird dieser Fluss von 103.800 ha Auwäldern (40.500 ha Weichholz- und 63.300 ha Hartholzwälder) sowie 25.000 ha Auwiesen begleitet. Das ist einmalig in Europa. Das macht sich auch in der Artenvielfalt bemerkbar: Unter anderem nisten etwa 900 Weißstorchpaare in den Dörfern entlang der Save und mehr als 80 Seeadlerpaare brüten in den riesigen Auwäldern.

Das Weißbuch liefert konkrete Vorschläge für einen nachhaltigen Hochwasserschutz. Entlang der Save wurden 143 Flächen definiert, die sich für eine Rückverlegung der Dämme eignen. Insgesamt 185.000 Hektar ehemaliger Auwälder und -wiesen könnten so wieder in die Überflutung genommen und zusätzliche 3,1 Milliarden Kubikmeter Wasser bei einer Flut natürlich gespeichert werden. Die Hochwasserwelle würde dadurch gesenkt und verlangsamt sowie gleichzeitig die ökologische Qualität der Auen gesteigert. Nicht erst seit dem Hochwasser im Jahr 2014 ist der Hochwasserschutz das dominierende Thema entlang der Save. Die Hochwässer werden unter anderem dadurch verschärft, dass fast 80 Prozent der ehemaligen Überflutungsflächen – selbst Wälder und Wiesen – abgedämmt sind. „Anstatt ausschließlich auf technischen Hochwasserschutz mit immer mehr und immer höheren Dämmen zu setzten, sollte hier endlich ein moderner Hochwasserschutz umgesetzt werden - das heißt, mit der Natur anstatt gegen sie. Dieses Weißbuch zeigt, wie und wo es möglich ist“, sagt Ulrich Eichelmann, Koordinator der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ bei Riverwatch.

Doch neben dieser großen Chance belegt das Weißbuch auch die Gefahren für die Save. Praktisch der gesamte Flusslauf ist von Projekten bedroht, die – wenn sie realisiert werden, den Fluss samt seiner Zuflüsse zerstören. 582 Wasserkraftwerke sind im Einzugsgebiet der Save geplant, 20 davon an der Save selbst (v.a. in Slowenien), die übrigen an den Zuflüssen. Das hätte verheerende Folgen. Unter anderem sind der Oberlauf der Save sowie einige Zuflüsse wie Una, Sana und Drina das Paradies für den bis zu 1,5 Meter langen Huchen, eine global bedrohte Raubfischart. Mehr als die Hälfte des Weltbestandes kommt hier vor.  Sollten Staudämme in diesen Huchenabschnitten gebaut werden, sagen Wissenschaftler den völligen Zusammenbruch der Population voraus.

Eine weitere Bedrohung sind die enormen und oft illegalen Schotterentnahmen aus den Flüssen: Jährlich werden, den Erhebungen zufolge, etwa 950.000 Kubikmeter aus der Save selbst und weitere 1,29 Millionen Kubikmeter aus den Zuflüssen ausgebaggert, v.a. aus dem Vrbas und der Drina. Das ist das Zehnfache dessen, was die Save jährlich an Flussbett bildenden Sedimenten Richtung Donau transportiert. Die Folgen sind gravierend: die Flüsse tiefen sich ein, der Grundwasserspiegel sinkt, Schutzbauwerke können zusammenbrechen und die Hochwassergefahr wird sich flussabwärts der Entnahmestellen verschärfen.

 „Die Save steht an einem Scheideweg. Wir haben die Chance und das Wissen diese Lebensader zu erhalten und gleichzeitig  den Hochwasserschutz zu verbessern. Wir müssen dieses Wissen nur umsetzen“, sagt Theresa Schiller, Koordinatorin der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ bei EuroNatur.


Hintergrundinformationen:

  • Die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ hat den Schutz der wertvollsten Flüsse auf dem Balkan zum Ziel. Sie wird von den NGOs EuroNatur und Riverwatch koordiniert und gemeinsam mit Partnerorganisationen aus den Balkanländern durchgeführt. Mehr unter www.balkanrivers.net/de
  • Weltfeuchtgebietstag 2017

 

Rückfragen:
Katharina Grund – EuroNatur: katharina.grund(at)euronatur.org  + 49 7732 92 72-10 (Pressekontakt)
Ulrich Eichelmann – Riverwatch: ulrich.eichelmann(at)riverwatch.eu  +43 676 6621512


Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…

Saline Ulcinj: 2 Jahre RAMSAR-Gebiet

Vor zwei Jahren, am 10. September 2019, wurde die Saline Ulcinj im Süden Montenegros zum RAMSAR-Gebiet erklärt, einem Feuchtgebiet von internationaler…

Fledermausquartier langfristig gesichert

++ Bauarbeiten an „Alter Brauerei“ in Franfurt/Oder abgeschlossen ++ Überwinterungsquartier für mehr als 1.200 Fledermäuse ++ Internationale…

Mönchsrobbe Kostas getötet

Die Mittelmeermönchsrobbe Kostas wurde 2018 nach einem schweren Sturm im Mittelmeer gefunden und in einer Aufzuchtstation wieder aufgepäppelt. Nach…