Behördenwillkür und Mogelgesetze unterminieren Urwaldschutz in Rumänien

Karpaten-Urwald mit riesigen Buchen und Tannen in einem Tal bei Sinca Noua.

© Matthias Schickhofer

Am Sonntag wird in Rumänien gewählt +++ EuroNatur fordert von der neuen Regierung eine Gesetzesreparatur, ein Urwald-Einschlagsmoratorium und strenge Zügel für die Forstbehörden

Pressemitteilung vom 9. Dezember 2016

 

Radolfzell / Bukarest. Die größten Urwälder Europas befinden sich in Rumänien, aber sie verschwinden in rasender Geschwindigkeit. Ein Urwaldschutzprogramm, der „Nationale Katalog der Urwälder“, soll die verbliebenen Primärwälder retten. Doch die von der rumänischen Regierung jüngst veröffentlichte Zwischenbilanz ist mehr als ernüchternd: Der Katalog umfasst derzeit nur knapp 13.000 Hektar, also nicht einmal sechs Prozent der potentiell noch existierenden Urwälder. Die Gründe dafür liegen laut Erfahrungsberichten von Experten und Naturschutzorganisationen auf der Hand: „Vertreter von Forstbehörden und -verwaltungen halten wichtige Unterlagen wie Waldkarten und Managementpläne zurück. Damit machen sie die Erstellung der erforderlichen Studien für Einreichungen zum „Urwaldkatalog“ unmöglich“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung EuroNatur.

Die EuroNatur-Partnerorganisation  Agent Green hat im September 2016 Studien über Urwaldflächen mit einer Fläche von 1.929 Hektar in den Provinzen Bacau, Buzau, Vrancea and Covasna zwecks Aufnahme in den „Urwaldkatalog“ erstellt. Bis heute gab es von den zuständigen Forstinspektoren keinerlei Reaktion. „Dieses Verhalten ist unzulässig, denn laut Gesetz steht den Behörden nur eine Frist von 45 Tagen zu, um die Studien zu bestätigen“, sagt Gabriel Schwaderer. Daher sind all diese Paradieswälder weiterhin akut durch Abholzung bedroht. Im kommenden Winter könnten sie wegen einer im Juli 2016 erlassenen Urwaldschutzverordnung erst recht den Sägen zum Opfer zu fallen. Laut dieser dürfen in der Zeit zwischen September und März keine Studien eingereicht und Flächen überprüft werden 

Die Übergangsregierung, deren Mandat mit der Parlamentswahl am 11. Dezember 2016 endet, hatte mit der neuen Verordnung vom Juli 2016 zwar endlich eine gesetzliche Grundlage für den Urwaldschutz geschaffen. Doch diese hat entscheidende Schwächen: Die Regelung ist kompliziert und ermöglicht selbst in strengen Urwaldschutzgebieten weiterhin Abholzungen, etwa in Form von Pflegeeinschlägen als Folge von Windwürfen. „Das öffnet in Rumänien, wo Korruption omnipräsent ist, der Urwaldzerstörung Tür und Tor“, meint Gabriel Schwaderer.  

EuroNatur verlangt daher von der nächsten Regierung Rumäniens dringend ein umfassendes Einschlagsmoratorium für alle Urwaldverdachtsflächen in Rumänien, bis diese wissenschaftlich überprüft werden können. „Wir fordern die kommende Regierung Rumäniens außerdem dringend auf, die gesetzliche Basis für den Urwaldschutz gründlich und umgehend zu reparieren. Ein Urwaldschutzgesetz, das Abholzungen durch die Hintertür ermöglicht, ist inakzeptabel“, sagt Gabriel Schwaderer.

Rückfragen: EuroNatur, Westendstraße 3, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 - 92 72 10, Fax: 07732 - 92 72 22, E-Mail: katharina.grund@euronatur.org, Internet: www.euronatur.org ,Ansprechpartner: Gabriel Schwaderer, Pressekontakt: Katharina Grund

 

 

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