Bulgarien missachtet europäisches Naturschutzrecht

Bulgarien hat in mehreren Fällen versäumt, sein Naturerbe angemessen zu schützen und gegen die naturschutzrechtlichen Vorschriften der Europäischen Union verstoßen. So lauten die Vorwürfe, mit denen sich die EU-Kommission Anfang Oktober schriftlich an die bulgarische Regierung gewandt hat.

Baustelle am Schwarzen Meer: Ein Großteil der Küste ist bereits zubetoniert.

© Gunther Willinger

Im ersten Mahnschreiben der Kommission wird Bulgarien vorgeworfen, dass es seine Naturschutzgesetze nicht vollständig mit den europäischen Vorschriften in Einklang gebracht hat. Das heißt, dass die bulgarischen Naturschutzgesetze den Anforderungen der Habitatrichtlinie noch immer nicht völlig genügen und die wichtigste Rechtsvorschrift der EU zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt nicht ausreichend in nationalem Recht verankert ist.

Gemäß der Habitatrichtlinie der EU haben die Mitgliedstaaten alle Pläne und Projekte, die sich wesentlich auf geschützte Gebiete auswirken können, unabhängig von ihrer Lage einer angemessenen Prüfung zu unterziehen. Dass dies in Bulgarien nicht geschieht, zeigen die Vorwürfe der drei weiteren Schreiben, die sich auf direkte Eingriffe in Schutzgebiete beziehen. So wird beispielsweise in geschützten Bereichen des Pirin-Gebirges ein weitläufiges Ski-Zentrum angelegt. Das Entwicklungsvorhaben wurde von den bulgarischen Behörden zum Teil bereits genehmigt, bevor die Auswirkungen auf die betroffenen Arten und Lebensräume angemessen geprüft worden waren. Entlang des Flusses Vaya sind am Schwarzen Meer wertvolle Lebensräume mitten im Schutzgebiet Emine-Irakli durch Bautätigkeiten von der Zerstörung bedroht. In der Gemeinde Tsarevo im Südosten des Landes sieht es ähnlich aus: Hier drohen Teile des Strandzha-Naturparks dem Tourismus zum Opfer zu fallen. Auch hier gab es im Vorfeld der Baumaßnahmen keine Folgenabschätzung.

"Zwar entfallen auf Bulgarien nur 2,5 Prozent der Fläche der EU, doch ist es die Heimat von fast 70 Prozent der geschützten Vogelarten Europas, und rund 40 Prozent der geschützten Lebensräume liegen in diesem Land. Die außergewöhnliche Artenvielfalt muss rechtlich geschützt werden, denn nur so kann das Wohl von Wirtschaft und Gesellschaft für die Zukunft gesichert werden. Ich erwarte von Bulgarien, dass es seine Gesetze mit den europäischen Vorschriften in Einklang bringt und vor allem sicherstellt, dass sie in der Praxis vor Ort ordnungsgemäß angewendet werden“, sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.

Zu den Seiten der Europäischen Kommission

EuroNatur-Schutzprojekte in Bulgarien

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…

Saline Ulcinj: 2 Jahre RAMSAR-Gebiet

Vor zwei Jahren, am 10. September 2019, wurde die Saline Ulcinj im Süden Montenegros zum RAMSAR-Gebiet erklärt, einem Feuchtgebiet von internationaler…

Fledermausquartier langfristig gesichert

++ Bauarbeiten an „Alter Brauerei“ in Franfurt/Oder abgeschlossen ++ Überwinterungsquartier für mehr als 1.200 Fledermäuse ++ Internationale…

Mönchsrobbe Kostas getötet

Die Mittelmeermönchsrobbe Kostas wurde 2018 nach einem schweren Sturm im Mittelmeer gefunden und in einer Aufzuchtstation wieder aufgepäppelt. Nach…