Endlich eine klare Ansage: EuroNatur begrüßt Biodiversitätsstrategie für EU

++ Europäische Kommission stellt Biodiversitätsstrategie vor ++ Zukünftig sollen 10 Prozent der Landesfläche unter striktem Schutz stehen ++ Für Umsetzung der Ziele will die EU viel Geld in die Hand nehmen ++

Ein Dreizehenspecht an einem abgestorbenen Baum in den Urwäldern der rumänischen Karpaten

Die Paradieswälder in den rumänischen Karpaten sind ein Hotspot der Artenvielfalt in Europa (im Bild: Dreizehenspecht). Doch Kahlschläge im großen Stil vernichten weite Teile der Waldwildnis.

© Matthias Schickhofer

Radolfzell, Brüssel. „Die EU erkennt mit ihrer Biodiversitätsstrategie an, dass erhebliche Finanzmittel erforderlich sind, um die im Papier festgelegten Ziele zu erreichen. Damit ist ein Meilenstein erreicht. Nun ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Mitgliedsstaaten der EU, allen voran die Bundesrepublik Deutschland, die Strategie der EU-Kommission unterstützen und ihre Umsetzung vorantreiben“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur, zur neuen Biodiversitätsstrategie der EU. „Die dort formulierten Ziele werden von EuroNatur begrüßt. Sie sind eine gute  Basis für die Umsetzung von Maßnahmen, die zu einer signifikanten Verbesserung des Zustands der Natur in der EU führen. Auch die derzeit laufenden Verhandlungen über die EU-Agrarpolitik sowie über europäische und nationale Konjunkturpakete müssen sich hieran orientieren.“

Die Biodiversitätsstrategie wurde heute von Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt und Ozeane, nach zweimaliger Corona-bedingter Verschiebung, vorgestellt. Die Strategie zum Erhalt von Europas Artenvielfalt setzt vor allem beim Biotopschutz an. Die EU-Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, ihre Schutzgebietsflächen auf 30 Prozent der Landesfläche auszuweiten. Davon wiederum muss ein Drittel künftig unter strengem Schutz stehen. Für gezielte Maßnahmen zum Biotopschutz will die EU pro Jahr 20 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Die Ausdehnung der Schutzgebietsfläche in der EU soll dazu beitragen, dass in Europa widerstandsfähige Biodiversitätsnetzwerke entstehen. Das Grüne Band Europa ist bereits ein Modell für solch ein ökologisches Netzwerk. EuroNatur ist Regionalkoordinator von dessen südlichstem Abschnitt, dem Grünen Band Balkan.

Die EU-Kommission hebt in ihrer Mitteilung außerdem hervor, dass es von höchster Bedeutung ist, alle Ur- und Naturwälder in der EU unter strikten Schutz zu stellen, was eine weitere forstliche Nutzung dieser Flächen ausschließt. EuroNatur drängt schon lange auf diesen Schritt, jüngst mit einer Beschwerde an die Europäische Kommission gegen die rumänische Regierung. In Rumänien befinden sich die größten Bestände von Ur- und Naturwäldern innerhalb der Europäischen Union.

 

Hintergrundinformationen:

  • In Rumänien gibt es noch mehr als 525.000 Hektar potentielle Ur- und Naturwälder, mehr als in jedem anderen EU-Land außerhalb Skandinaviens. EuroNatur und Agent Green haben gemeinsam die Kampagne „SaveParadiseForests“ zum Schutz der rumänischen Urwälder ins Leben gerufen: https://www.saveparadiseforests.eu/de/home/
  • Als Korridor von Lebensräumen mit außergewöhnlicher Artenvielfalt erstreckt sich das Grüne Band Europa entlang des einstigen Eisernen Vorhangs von der Barentssee im Norden bis zum Schwarzen, bzw. Adriatischen Meer im Süden. Hier erfahren Sie mehr zur Naturschutzinitiative:
  • www.euronatur.org/unsere-themen/kampagnen-und-initiativen/gruenes-band-europa/

Ansprechpartner:  Christian Stielow, christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732 - 92 72 15

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Enttäuschende Kompromisse nach Abstimmung im EU-Parlament

Nach der Abstimmung in Straßburg über die Erneuerbare-Energie-Richtlinie (RED) überwiegt die Enttäuschung. Die Abgeordneten haben es versäumt,…

Letzte Geier in Bulgarien ausgewildert

++ Zwei weibliche Mönchsgeier im bulgarischen Balkangebirge ausgewildert ++ Erfolgreiches Projekt ist nach sieben Jahren ausgelaufen ++ Am 3.…

Umweltverbände legen Kernforderungen für ein Aktionsprogramm Oder vor

Oder-Katastrophe als Chance für eine ökologische Revitalisierung nutzen.

Oder-Katastrophe: Ursachen lückenlos aufklären und Sanierung der Oder sicherstellen

Das Fischsterben in der Oder ist menschengemacht, so viel steht fest. Entschiedene Schritte sind jetzt gefragt.

Dürre in der Saline Ulcinj

Trockenheit und unzureichendes Wassermanagement haben die Saline Ulcinj in Montenegro nahezu austrocknen lassen. Dennoch können Naturschützer der…

Vorläufiger Bericht der Neretva-Wissenschaftswoche

Die ersten Ergebnisse der Wissenschaftswoche an der Neretva liegen vor und wurden in einem Bericht zusammengefasst. Er liefert erste Eindrücke,…

Storchendorftreffen im serbischen Taraš

Endlich wieder persönlich zusammenkommen: Nach zwei Jahren Covid-Zwangspause haben sich Vertreter aus sieben Europäischen Storchendörfern in Taraš…

Hohes Risiko bei Investionen in Wasserkraft auf dem Balkan

Große Wasserkraft-Neubauprojekte in Südosteuropa (1) sind mit massiven Investitionsrisiken behaftet und haben niedrige Realisierungsraten. Das zeigt…

Auszeichnung für Waldschützer und Waldschützerinnen aus Deutschland und der Ukraine

++ EuroNatur-Preis 2022 geht an Antje Grothus, Fedir Hamor und die Organisation Free Svydovets ++ Europas letzte Urwälder stehen unter enormen Druck…

Einzigartige Flusslandschaft am Südrand Mitteleuropas

Mit dem neuen EuroNatur-WWF-Reiseführer „Mur, Drau und Donau – Leben durch Flussdynamik“ lernen Natururlauber den Südosten Mitteleuropas von seiner…

Saline Ulcinj als Staatseigentum eingetragen

Der Salzgarten im Süden Montenegros ist als Staatsland ins Kataster der Stadt Ulcinj eingetragen worden. Damit ist die Eigentumsfrage, um die es…

Die Erforschung der Unbekannten: Wissenschaftswoche am Oberlauf der Neretva

Rund 50 internationale Wissenschaftlerinnen und Flussschützer haben eine Woche lang die obere Neretva untersucht. Die Daten sollen dabei helfen,…

Aufmerksamkeit für RED4Nature-Kampagne

Mit gleich zwei öffentlichkeitswirksamen Aktionen haben Künstlerinnen und EuroNatur-Mitarbeiterinnen am 22. und 23. Juni in Brüssel für Aufmerksamkeit…

Albanische Regierung unterzeichnet Erklärung zur Errichtung eines Vjosa-Wildflussnationalparks

++ Albanien markiert wichtigen Schritt für den Schutz der Vjosa ++ Regierung signiert Absichtserklärung für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark ++

EU-Wiederaufbauplan – eine Gefahr für die Natur

++ Die 672 Milliarden Euro schwere Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) wird zwar von der EU-Kommission als Hauptwerkzeug des „grünen Wiederaufbaus“…