Erste Zugvögel kommen zurück - Vogeljagd macht Langstreckenflüge zu Spießrutenlauf

EuroNatur: Slowenien ist Vorbild im europäischen Zugvogelschutz

Bekassine

© Alfred Limbrunner

 

Presseinformation vom 15. Februar 2008

Radolfzell. Die ersten Zugvögel kehren aus ihren Winterquartieren im Süden Europas und Afrika zurück. „Besonders auf dem Rückzug in die Brutgebiete brauchen unsere Zugvögel intakte Rast- und Ruheplätze, an denen sie ausreichend Nahrung finden und ungestört neue Energie tanken können“, fordert EuroNatur-Präsident Prof. Dr. Hartmut Vogtmann. „Vor allem die Vogeljagd verwandelt die Langstreckenflüge der Zugvögel immer mehr in einen Spießrutenlauf. Besonders auf dem Zug in die Brutgebiete muss der Abschuss von Zugvögeln grundsätzlich verboten sein“. Während hier bereits die ersten Zugvögel eintreffen, läuft in Ländern wie Albanien, Montenegro und Kroatien die Jagd auf die Heimkehrer immer noch auf Hochtouren. Viele Arten, deren Bestände in Europa bedroht sind, wie Bekassine und Löffelente, werden auf dem Zugweg nach wie vor bis Ende Februar bejagt – und das meist auch noch völlig legal: In Montenegro wurde die Jagdsaison auf die Knäkente sogar bis 15. März verlängert, speziell mit dem Ziel, dass die Jäger auch später ziehende Tiere vor die Flinte bekommen.

Die offiziellen Abschusszahlen belegen das alarmierende Ausmaß der Zugvogeljagd: Jedes Jahr werden in Europa weit über 100 Millionen Vögel legal geschossen oder gefangen, so die Ergebnisse einer Studie, die in der Fachzeitschrift „Berichte zum Vogelschutz“ veröffentlicht ist . Nach Meinung von EuroNatur ein unhaltbarer Zustand. Dabei wurden in der Studie lediglich die offiziellen Zahlen (Jagdstrecke) innerhalb der EU berücksichtigt – der Balkan blieb als wichtiger Brennpunkt für den Vogelzug und die Vogeljagd außen vor. Auch die Dunkelziffer in den EU-Ländern ging nicht in die Statistik ein: Todesfälle durch illegale Jagd, aber auch verletzte und nicht wiedergefundene Tiere sind nicht erfasst – letztere können bis zu 20 Prozent der Jagdstrecke ausmachen. Ebenso unbeachtet blieben indirekte Verluste, die entstehen, wenn aufgeschreckte Vögel nach einer energiezehrenden Flucht nicht mehr genügend Kraftreserven für den Weiterflug haben und wertvolle Rastplätze durch die Jäger blockiert werden.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Slowenien: Hier dürfen mittlerweile nur noch sechs Vogelarten geschossen werden, darunter die Stockente. Um Vögel nicht zu gefährden, die sich auf dem Weg zurück in ihre Brutgebiete befinden, endet die Jagd auf diesen Brutvogel mit dem 15. Januar. Denn Zugvögel, die in anderen Ländern brüten sind tabu. „Slowenien setzt die EU-Vogelschutzrichtlinie konsequent um und verhält sich vorbildlich“, sagt Dr. Martin Schneider-Jacoby, Projektleiter bei EuroNatur. Auch die anderen Staaten auf dem Balkan sollten dem Beispiel folgen. Wie wichtig die verstärkte Kontrolle der Jagd auf Zugvögel ist, belegen Zahlen von der östlichen Adria. In einem seiner Projekte an den Brennpunkten des Vogelzugs dokumentiert EuroNatur zusammen mit dem Skutari-Nationalpark in Montenegro die positiven Auswirkungen des Jagdverbotes. Mit messbarem Erfolg: Im Januar 2008 stieg die Zahl der überwinternden Vögel im montenegrinischen Teil des Skutari-Sees auf über 150.000 Tiere an und war damit mehr als vier Mal so hoch wie vor drei Jahren, als dort noch gejagt wurde. Große jagdfreie Rastplätze in den erhaltenen Feuchtgebieten sind die Grundlage für das Überleben der Zugvögel.

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Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Straße 22

78315 Radolfzell

Tel.: 07732 - 92 72 0

Fax: 07732 - 92 72 22

E-Mail: info(at)euronatur.org

www.euronatur.org

Ansprechpartner: Dr. Martin Schneider-Jacoby

Pressekontakt: Katharina Grund 

 

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