Gemeinde Mals streitet für eine Landwirtschaft ohne Pestizide

++ Südtiroler Gemeinde setzt sich seit sechs Jahren für ein Pestizidverbot ein ++ Insektizide, Herbizide etc. gefährden die Lebensgrundlage von Menschen, Tieren und Pflanzen ++ Auszeichnung mit dem EuroNatur-Preis 2020 ++

Kleinbäuerliche Idylle vor Alpenpanorama. Die Mehrheit der Menschen in Mals wünscht sich eine derartige Form der Landwirtschaft.

© Alex Filz

Pestizide? Nein Danke! Ökolandbau? Ja Bitte! "Aktion Sonnenblume" in Mals

© Hollawint

Radolfzell. Ganz Europa versprüht industriell hergestellte Pestizide auf den Äckern, Wiesen und Obstplantagen. Ganz Europa? Nein! Ein kleines Dorf im Vinschgau hört nicht auf, Widerstand gegen den massiven Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden zu leisten. Für den Mut und die Beharrlichkeit vieler Menschen in Mals wird die Südtiroler Gemeinde am 8. Oktober mit dem EuroNatur-Preis 2020 ausgezeichnet.

Südtirol ist das größte Anbaugebiet für Äpfel in Europa, etwa jeder zehnte Apfel wird in den Tälern um die Dolomiten geerntet. Der intensive Anbau geht mit einem extrem hohen Einsatz von Pestiziden einher. In Apfelplantagen wird – anders als auf Getreideäckern – nicht nur der Boden chemisch behandelt, die Bäume werden auch noch in bis zu zwei Metern Höhe gespritzt. Die Abdrift stellt bei dieser Spritzmethode ein erhebliches Problem dar, weil die feinen Pestizidtropfen vom Wind überall hin, auch bis in die Wohngebiete, verweht werden.

Viele Malser Bürgerinnen und Bürger wollen dies nicht länger hinnehmen und initiierten bereits 2014 eine Volksabstimmung. 76 Prozent der Malserinnen und Malser entschieden sich für eine Zukunft ohne Pestizide. Das restliche Viertel akzeptierte jedoch den Ausgang des Plebiszits nicht und konnte durch juristische Klagen bis heute eine Umsetzung des Pestizidverbots erreichen. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte: Die Gemeinde Mals ist weiter aktiv bestrebt, den Wunsch der Mehrheit ihrer Bürgerinnen und Bürger Wirklichkeit werden zu lassen.

„Der weit verbreitete Einsatz von Pestiziden in der Obstanbauregion des Vinschgaus gefährdet die Gesundheit der Menschen. Zugleich führt er zum Aussterben ganzer Insektenpopulationen in der Region. Dass sich der Großteil der Gemeinde Mals so beharrlich gegen die Vergiftung ihrer Umwelt stellt und sich so für eine andere, biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft einsetzt, sollte Vorbildcharakter für alle Kommunen in Europa haben“, begründet EuroNatur-Präsident Thomas Potthast die diesjährige Entscheidung für die Vergabe des EuroNatur-Preises.


Hintergrundinformationen:
EuroNatur-Preis: Frühere Preisträger sind u.a. Dr. Mario F. Broggi, Jonathan Franzen, Dr. Luc Hoffmann, Gudrun Steinacker und die „mutigen Frauen von Kruščica“. Erst zum zweiten Mal erhält eine Gemeinde die Auszeichnung. Der EuroNatur-Preis ist undotiert. Mit ihm werden herausragende Leistungen für den Naturschutz, der Menschen und Natur verbindet, gewürdigt. Der EuroNatur-Preis 2020 soll am Donnerstag, 8. Oktober 2020 um 17 Uhr auf der Bodenseeinsel Mainau verliehen werden. Eine abschließende Entscheidung hängt vom weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie ab.

Rückfragen: Christian Stielow, Mail: christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732 – 92 72 15

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…