Holzunternehmen distanzieren sich von Holz aus rumänischen Nationalparks und Urwäldern

EuroNatur und Agent Green untersuchen die Nachverfolgbarkeit des Holzes ++ Internationale Holzunternehmen fordern klare Gesetzeslage von der rumänischen Regierung ++ Rumänische Urwälder sind durch illegalen Holzeinschlag massiv bedroht

In Sägewerken wie diesen enden die oft Jahrhunderte alten Baumstämme. Transparenz in Bezug auf die Herkunft des Holzes ist dringend notwendig.

© Matthias Schickhofer

Radolfzell/Bukarest. Mit der Initiative „Forest Policy Checker“ fordern die Naturschutzorganisationen EuroNatur und Agent Green die holzverarbeitenden Unternehmen in Rumänien auf, die Herkunft des erworbenen Holzes für ihre Produktionsprozesse offenzulegen. In Rumänien sind einige der letzten Urwälder Europas durch illegalen Holzeinschlag massiv bedroht – auch aufgrund unzureichender Schutzbemühungen des rumänischen Staates. Die Antworten aus dem „Forest Policy Checker“ bieten auch Verbrauchern Informationen über die Nachhaltigkeitskriterien und die Transparenz der global agierenden Holzunternehmen. Elf Unternehmen, die gemeinsam den Großteil des rumänischen Holzes verarbeiten, wurden angeschrieben. Die Erkenntnisse der Untersuchung: Vier Unternehmen lehnen Holz aus geschützten Urwäldern ab. Allerdings haben sechs Firmen gar nicht erst geantwortet. IKEA akzeptiert als einziges der kooperationsbereiten Unternehmen Holz aus Urwäldern oder Nationalparks, solange es FSC-zertifiziert ist. Außerdem Holz aus Gebieten, die von der rumänischen Regierung als Nationalparks deklariert sind, aber bei weitem nicht den Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN entsprechen. Bei der Frage zur Nachvollziehbarkeit des Holzeinkaufs zum Beispiel durch unangekündigte Inspektionen oder die Veröffentlichung von Abholzungsgenehmigungen zeigen sich die Unternehmen sehr zurückhaltend.

Diese Unternehmen haben auf den Fragebogen geantwortet: Egger (Österreich), Holzindustrie Schweighofer (Österreich), IKEA (Schweden), JF Furnir (Österreich, firmiert in Rumänien unter Holver), Kronospan (Österreich). Keine Antwort kam von Expansion (Rumänien), Kastamonu (Türkei), Losan (Spanien), Massiv (Rumänien), Succes (Rumänien) und Yildiriz Entegre (Türkei).

„In Zeiten, in denen der rumänische Staat wie der größte Feind der Natur agiert, fordern wir die internationalen Unternehmen in Rumänien auf, ihre Transparenz zu erhöhen. Wir hoffen, dass noch mehr Unternehmen uns in unseren Bemühungen unterstützen, den illegalen Holzeinschlag zu beenden“, sagt Gabriel Paun von der rumänischen Naturschutzorganisation Agent Green.

Gerade Unternehmen, die zuletzt von Naturschutzorganisationen für ihre intransparenten Abläufe stark kritisiert worden waren, haben neue interne Prozesse für mehr Nachvollziehbarkeit implementiert, wie zum Beispiel Holzindustrie Schweighofer. Auch andere Unternehmen zeigen sich besorgt angesichts der aktuellen Situation in Rumäniens Wäldern.

„Wir sind davon überzeugt, dass es unsere Pflicht ist, unserer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Natur gerecht zu werden - das bestimmt unser Handeln. Deshalb unterstützen wir die Umsetzung der IUCN-Kriterien für Nationalparks in Rumänien und weltweit, da diese Kriterien den Schutz unserer wertvollen Ökosysteme gewährleisten“, sagt Katharina Schabasser, Corporate Social Responsibility Beauftragte des österreichischen Holzunternehmens JF Furnir (Holver in Rumänien).

„Dass holzverarbeitende Unternehmen mehr für den Schutz der Urwälder tun als die rumänische Regierung, ist ein Hohn“, erklärt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Stiftung EuroNatur. „Die Firmen haben ein Recht auf eine klare Gesetzeslage. Die Regierung muss endlich handeln und die Urwälder besser schützen.“ Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die schnelle Einschreibung von Urwaldflächen in den Nationalen Urwald-Katalog.   

 

Hintergrundinformationen:

• Die Antworten der holzverarbeitenden Unternehmen können hier im Wortlaut nachgelesen werden.

• Die Kampagne „Save Paradise Forests“ zum Schutz der letzten Urwälder in Rumänien ist eine gemeinsame Aktion der Nichtregierungsorganisationen EuroNatur (Radolfzell/Deutschland) und Agent Green (Rumänien). Informationen zur Kampagne, Fakten rund um Rumäniens Urwälder und investigatives Videomaterial unter www.saveparadiseforests.org

Pressekontakt:

Agent Green: Gabriel Paun, E-Mail: gabriel.paun(at)agentgreen.org, Tel.: +43 6641850717
EuroNatur: Anja Arning, E-Mail: anja.arning(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732 - 92 72 13

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Berner Konvention hat Verbrechen an der Natur im Blick

Staudämme, Kraftwerke, Flughäfen: Zahlreiche Beschwerden von Naturschutzorganisationen gegen zerstörerische Projekte auf dem Balkan

Positionspapier: Energiegewinnung ohne Naturzerstörung ist der Weg zur Klimaneutralität 2040

Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur veröffentlicht heute ein Positionspapier, das einen neuen zukunftsfähigen Weg für…

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…

Saline Ulcinj: 2 Jahre RAMSAR-Gebiet

Vor zwei Jahren, am 10. September 2019, wurde die Saline Ulcinj im Süden Montenegros zum RAMSAR-Gebiet erklärt, einem Feuchtgebiet von internationaler…