Karstpoljen auf dem Balkan – bedrohte Naturschätze

Feuchtwiese im weltweit größten, regelmäßig überschwemmten Karstpolje: dem Livanjsko Polje in Bosnien-Herzegowina.

© Davorka Kitonic

Am 2. Februar ist Weltfeuchtgebietstag

Pressemitteilung vom 31. Januar 2014

 

Radolfzell.   Anlässlich des Weltfeuchtgebietstags am 2. Februar macht die Naturschutzstiftung  EuroNatur auf die drohende Zerstörung der Karstpoljen im Dinarischen Gebirge aufmerksam. „Die Karstpoljen auf dem Balkan sind wertvolle Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung. Für zahlreiche Bodenbrüter bieten die extensiv bewirtschafteten Poljen wichtige Brutplätze. Unter ihnen sind gerade die Vogelarten, die in Mitteleuropa durch Intensivlandwirtschaft und Trockenlegung stark im Rückgang begriffen oder sogar weitgehend verschwunden sind – wie zum Beispiel der Wachtelkönig“, sagt Romy Durst, Projektleiterin bei EuroNatur.

Typisch für Karstpoljen sind weite Flächen extensiv beweideten Grünlands, die im Frühjahr großräumig unter Wasser stehen. Während des Vogelzugs suchen in vielen Karstpoljen des Dinarischen Gebirges Tausende Zugvögel aus Zentral- und Nordosteuropa sowie aus West- und Nordwestsibirien nach Nahrung, um Kraft für den anstrengenden Weiterflug in Richtung ihrer Brut- oder Überwinterungsgebiete zu tanken, darunter Löffler, Kranich und Zwergscharbe.

Doch vor allem in Bosnien-Herzegowina sind diese Naturparadiese gefährdet. Die Anlage von Wasserkraftwerken und die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft zerstören die sensiblen Ökosysteme der Karstpoljen mehr und mehr. Der Wachtelkönig spiegelt die dramatischen Auswirkungen dieser Eingriffe deutlich wieder: Innerhalb der letzten sechs Jahre ist sein Brutbestand in den Karstpoljen Bosnien-Herzegowinas um mehr als 40 Prozent geschrumpft. Im Rahmen einer umfangreichen Erhebung konnten auf einer Fläche von über 1.000 Quadratkilometern in den Jahren 2012 und 2013 nur noch etwa 800 rufende Männchen registriert werden. In den Jahren 2007 und 2009 waren es über 1.100.

„Da viele Karstpoljen nur unregelmäßig überschwemmt sind, werden sie beim Feuchtgebietsschutz bislang vernachlässigt. Es braucht dringend offizielle Regelungen auf nationaler Ebene, die diese einmaligen Naturgebiete vor schädlichen Eingriffen, vor allem in deren natürlichen Wasserhaushalt, schützen. Ein weiter Schlüssel für den Erhalt der ökologischen Wertigkeit der Poljen liegt in der Förderung traditioneller, extensiver  Nutzungsformen!“, sagt Romy Durst.  


Hintergrundinformationen:

  • zum Weltfeuchtgebietstag 2014
  • In diesem Jahr steht der Weltfeuchtgebietstag unter dem Motto „Feuchtgebiete und Landwirtschaft“.


Rückfragen: EuroNatur, Konstanzer Str. 22, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 - 92 72 10, Fax: 07732 - 92 72 22, E-Mail: info@euronatur.org, Internet: www.euronatur.org ,Ansprechpartnerin: Romy Durst, Pressekontakt: Katharina Grund

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…