Rumäniens Urwälder: Kampf für Ende des Holzeinschlags in Nationalparks

++ Protestaktion in der Wildnis des Domogled Nationalparks macht Öffentlichkeit auf Umweltdrama in den Karpaten aufmerksam ++

Mit riesigen Bannern machten die Aktivisten bei ihrer Protestaktion im Domogled Nationalpark auf den Raubbau an den Urwäldern aufmerksam.

© Matthias Schickhofer/EuroNatur

Besichtigung des Gebiets, in dem der illegale Holzeinschlag stattfindet (v.l. Dragos Mihai, Naturschutzdirektor von Romsilva; Thomas Waitz, MdEP; Gabriel Paun, Agent Green; Mihai Gotiu, rumänischer Senator)

© Matthias Schickhofer/EuroNatur

Radolfzell, Bukarest. 25 Aktivisten aus verschiedenen Regionen Rumäniens protestierten am Samstag, 26. Mai, gegen die anhaltende Zerstörung der Urwälder inmitten des Nationalparks Domogled - Valea Cernei. Ziel der Aktion war es, die internationale Aufmerksamkeit auf die weitgehend unbekannte Zerstörung der Urwälder in Rumäniens Nationalparks zu lenken.

Die Aktivisten konfrontierten den Naturschutz-Direktor Dragos Mihai von der staatlichen rumänischen Forstverwaltung Romsilva, die zwölf rumänische Nationalparks betreut, mit dem dringenden Aufruf, die Abholzungen sofort einzustellen und die internationalen Standards in allen Nationalparks einzuhalten. Mitglieder des Rumänischen und des Europäischen Parlaments, Senator Mihai Gotiu und MdEP Thomas Waitz, waren Zeugen der Protestaktion. Der Europaabgeordnete Thomas Waitz machte sich auf Einladung der Naturschutzorganisationen EuroNatur und Agent Green ein eigenes Bild von der Lage im Domogled Nationalpark.

Allein im vergangenen Jahr wurden laut SUMAL, Rumäniens zentraler Datenbank für Wald und Holzeinschlag, mindestens 382.000 Tonnen Holz aus Nationalparks geschlagen. Der Domogled Nationalpark ist der größte Nationalpark Rumäniens und am stärksten vom Holzeinschlag betroffen. Allein hier wurden im vergangenen Jahr mindestens 123.000 Tonnen Holz geschlagen. Romsilva hatte das Fällen zahlreicher alter Bestände genehmigt. Im Frühjahr 2017 wurde mit der Abholzung der letzten unberührten Täler im Forstrevier Cernisoara innerhalb des Domogled Nationalparks begonnen.

„Das rumänische Umweltministerium ignoriert nach wie vor den Willen vieler Menschen und die Forderung anerkannter Wissenschaftler, die wertvollen Nationalparks zu erhalten. Die politischen Gespräche sind gescheitert, deshalb müssen wir hier am Ort der Zerstörung unsere Stimme erheben, um sowohl die Öffentlichkeit als auch die europäischen Institutionen zu alarmieren", sagt Gabriel Paun, Gründer von Agent Green.

Die andauernde Zerstörung des Urwaldes von Cernisoara unterstreicht das systemische Versagen der rumänischen Nationalparkverwaltung. Zwei Urwaldgebiete in Cernisoara wurden 2017 bereits abgeholzt, bei zwei weiteren sind großflächige Holzeinschlägefür diesen Sommer geplant.
„Das Drama in Rumänien übersteigt bei weitem jenes im polnischen Urwald von Bialowieza. Wir fordern die EU-Kommission auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um weitere Verstöße gegen das EU-Recht zu verhindern. Es kann nicht sein, dass die Pufferzonen im Nationalpark, die die uralten Wälder schützen sollen, wie normale Forste bewirtschaftet werden. Nationalparke sind nicht dazu da, die Gewinne der Forstverwaltung zu erhöhen und sie müssen entsprechend der internationalen Naturschutzstandards und des rumänischen Nationalparkgesetzes behandelt werden", sagt Matthias Schickhofer, Campaigner und Urwaldexperte, der EuroNatur bei der Kampagne SaveParadiseForests als Berater unterstützt.

Derzeit erfüllt keiner der 13 rumänischen Urwald-Nationalparks die Empfehlungen der Weltnaturschutzorganisation IUCN und es ist nicht erkennbar, wie die Regierung in Bukarest gedenkt, die Vorgaben zu erfüllen. Im Gegenteil: Die Fläche der Kernzonen, in denen menschliche Eingriffe nicht erlaubt sind, wurde in einer Reihe von Nationalparks deutlich reduziert. „Dieser Trend ist erschreckend. Nicht nur Rumänien, sondern die gesamte EU verliert äußerst wertvolle Naturschätze. Wenn es uns in Europa nicht gelingt, dieses Drama zu beenden, werden die meisten unserer letzten Paradieswälder bald verschwunden sein – für immer", fasst Gabriel Paun zusammen.

EuroNatur und Agent Green fordern von der rumänischen Regierung:
1. Ein sofortiges Moratorium für die Abholzung von potentiellen alten Wäldern und Urwäldern in allen Nationalparks, insbesondere auf Staatseigentum.
2. Die Einführung von IUCN-kompatiblen Nationalparkverwaltungen und Managementplänen, insbesondere die Sicherstellung von mindestens 75 Prozent Kernzonenbereichen und Pufferzonen ohne kommerzielle Holzgewinnung.
3. Die Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung der Nationalparks sowie unabhängiger und professioneller Nationalparkverwaltungen aus dem Staatshaushalt.
4. Die Neustrukturierung der wissenschaftlichen Gremien aller Nationalparks, die ausschließlich aus unabhängigen Experten bestehen sollten,  die eine Verantwortung für die Erhaltung der Nationalparks übernehmen.

Hintergrundinformationen: Mit der Kampagne „SaveParadiseForests“ setzen die EuroNatur Stiftung und die rumänische NGO Agent Green ein Zeichen für den Schutz der letzten Paradieswälder Europas und rufen die Menschen zur breiten Unterstützung auf.

Videomaterial: Hier sehen Sie ein Video der Protestaktion: https://vimeo.com/272521422

Pressekontakt:
Agent Green: Gabriel Paun, E-Mail: gabriel.paun(at)agentgreen.org, Tel.: +43 6641850717
EuroNatur: Anja Arning, E-Mail: anja.arning(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732 - 92 72 13

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…