Tatort Adria

Die Adria-Zugroute für Zugvögel wie den Kranich sicherer zu machen, ist ein wesentliches Ziel von EuroNatur und seinen Partnern.

© Bruno Dittrich

Internationale Konferenz stärkt Schutz der Zugvögel an der östlichen Adria

 

Presseinformation vom 7. Oktober 2014
 


Radolfzell.  „Vogeljagd und Lebensraumzerstörung machen die Balkanhalbinsel zu einem Gefahrenparcours für Zugvögel. Davon betroffen sind auch Arten wie Feldlerche und Wachtel, die aus unseren Kulturlandschaften nur schwer wegzudenken sind. Daran können wir nur etwas ändern, wenn staatliche und nicht-staatliche Organisationen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene eng zusammenarbeiten“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzorganisation EuroNatur.  Der Schutz von Zugvögeln entlang der Adria-Zugroute (Adriatic Flyway) stand im Zentrum der 2. internationalen Adriatic Flyway-Konferenz, die vom 1. bis 3. Oktober 2014 in Albanien stattfand. Mehr als 70 Experten aus 20 Ländern kamen bei der Konferenz in Durres zusammen. Darunter Wissenschaftler, hochrangige Vertreter der Europäischen Kommission, internationaler Konventionen wie der Bonner Konvention, sowie Vertreter internationaler Naturschutzorganisationen wie Bird Life International und Wetlands International. Veranstaltet wurde die Konferenz von EuroNatur gemeinsam mit Partnerorganisationen aus den Ländern entlang der Adria-Zugroute.

Die Feuchtgebiete an der Adria-Küste von Slowenien bis Albanien stellen für zahlreiche Vogelarten Rastplätze von globaler Bedeutung dar. „In den letzten Jahren haben wir für den Schutz der Zugvögel in den Ländern an der östlichen Adria schon einiges erreicht. Aber wir sind noch sehr weit von einer akzeptablen Situation entfernt. Noch immer werden Feuchtgebiete zerstört und Zugvögel in großem Stil gewildert“, sagt Gabriel Schwaderer. Auch wenn die Jagdgesetze zum Teil angemessen sind, gibt es hier noch Nachholbedarf. Unter anderem müssen Arten, die EU-weit geschützt sind, von der Liste der jagdbaren Arten gestrichen werden. Vor allem aber muss die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften besser kontrolliert werden und in wichtigen Rast- und Überwinterungsgebieten entlang der Adria-Zugroute sind weitere Jagdbanngebiete nötig.

Explizit wurde von den Konferenzteilnehmern der Jagdbann begrüßt, den die albanische Regierung Anfang 2014 über das gesamte Land verhängt hat. Allerdings forderten sie dringend eine bessere Umsetzung. Die Kluft zwischen Papier und Praxis ist nicht nur auf dem Balkan, sondern auch innerhalb der Europäischen Union nach wie vor ein großes Problem. „35 Jahre nach Verabschiedung der EU-Vogelschutzrichtlinie gibt es noch immer keinen umfassenden Schutz für Zugvögel. Schlupflöcher, Ausnahmeregelungen sowie fehlende Kontrollen und Sanktionen unterwandern das Ziel der Richtlinie“, sagt Gabriel Schwaderer.

Im Rahmen der 2. Adriatic Flyway-Konferenz wurde deutlich, welch großes Potenzial es bereits gibt, um die Situation zu verbessern. Eine Vielzahl an Organisationen setzt sich für den Schutz der Zugvögel in Europa und speziell entlang der Adria-Zugroute ein. Diese Bemühungen müssen noch stärker zusammengebracht werden, um ihre Schlagkraft zu erhöhen. Unter anderem wollen EuroNatur und seine Partnerorganisationen mit dem Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (AEWA) in den kommenden Jahren eng zusammenarbeiten, um die Adria-Zugroute für Kranich, Graureiher, Knäkente und Co sicherer zu machen. AEWA haben alle Länder entlang der Adria-Zugroute, außer Bosnien-Herzegowina und Serbien, unterzeichnet.


Weitere Informationen:

 

  • Über die Projekte von EuroNatur zum Schutz der Zugvögel entlang der Adria-Zugroute
  • Programm der 2. Adriatic Flyway-Konferenz

 

Rückfragen und Interviews: EuroNatur, Konstanzer Straße 22, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732-9272-10, Fax: 07732 - 92 72 22, E-Mail: katharina.grund@euronatur.org,  Pressekontakt: Katharina Grund; Ansprechpartner: Gabriel Schwaderer

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