Wie sollten wir die EU-Energiekrise anpacken? Das sagen unsere Europaabgeordneten

© Mira Bell

Interviews mit Abgeordneten

Ende März besuchten wir das Europäische Parlament, um einige seiner Mitglieder zu ihrer Sicht auf die Energiekrise in Europa und mögliche Lösungen zu interviewen. Erfreulicherweise können wir alle darin übereinstimmen, dass den Erneuerbaren und ihrem Ausbau auf europäischer Ebene eine hohe Priorität zukommen muss. Schauen Sie sich weiter unten einige Ausschnitte aus den Interviews an.

18. Mai 2022

Installation vor dem EU-Parlament

Ein passendes Motto...

© Mira Bell
EuroNatur-Mitarbeiterinnen vor dem Parlament

Die Interviews mit den Abgeordneten führten Bruna Campos und Tara Sukic von EuroNatur.

© Mira Bell

Angesichts der Abhängigkeit der EU von russischen Öl- und Gaslieferungen hat das Ziel der EU, ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto Null zu bringen, noch an Bedeutung gewonnen. Wir brauchen eine gemeinsame Anstrengung, um ein stärkeres, resilientes, selbständiges Europa aufzubauen. Die Entwicklung der EU in Richtung 100% erneuerbare Energie braucht einen klaren, langfristigen Rahmen.

Die Lösungen müssen ganzheitlich sein und pseudo-grüne Energieformen wie Wasserkraft und Biomasse aus Holz vermeiden, durch welche die Natur zerstört oder lokale Gemeinden gefährdet werden. Um eine Balance zwischen dem Wandel im Energiesystem und dem Schutz der Natur herzustellen, müssen wir Lösungen finden, die sowohl für das Klima als auch für die Natur förderlich sind. Die Überarbeitung der Erneuerbare-Energie-Richtlinie (RED) der EU wird maßgeblich die Richtung bestimmen. Eine zweckdienliche RED würde ein sauberes, resilientes, bezahlbares und sicheres Energiesystem sicherstellen, auch indem Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften mit geringen Auswirkungen auf die Biodiversität größere Verbreitung finden. Lesen Sie das Positionspapier von EuroNatur hier.

Als Teil unserer Kampagne #RED4Nature möchten wir den EU-Bürgerinnen und -Bürgern darstellen, was die Entscheidungsträgerinnen und -träger über den Weg zur Erreichung der Klima- und Biodiversitätsziele zu sagen haben. In der letzten Märzwoche 2022 teilten uns mehrere Europaabgeordneten ihre Ansichten über die Zukunft des Energiesystems der EU mit.

Hier ihre Aussagen:

  • In Anbetracht der Abhängigkeit der EU von Gas und Öl aus Russland, wäre es ein Lösungsansatz für die EU, das Energiesystem stärker zu dezentralisieren und die Energiegewinnung aus Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften auszubauen?

    Given the EU’s dependency on Russian gas and oil, would the solution for the EU be to decentralise the energy system and increase energy from renewable energy communities?

    Mikuláš Peksa, MdEP, Grüne/EFA, sagt, dass wir uns von fossilen Brennstoffen lossagen müssen und stattdessen erneuerbare Energie nutzen und unsere Energiequellen dezentralisieren sollten.

    https://twitter.com/EuroNaturORG/status/1514512027191939073


    Viola von Cramon-Taubadel, MdEP, Grüne/EFA, betont, dass sowohl saubere, klimafreundliche Energielösungen, als auch Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Verringerung des Verbrauchs in der EU entscheidend sind.

    https://twitter.com/EuroNaturORG/status/1511609914451501056

  • Mit Blick auf die Erneuerbare-Energie-Richtlinie (RED), was sehen Sie für die Zukunft des EU-Energiesystems als besonders wichtig an?

    Karolin Braunsberger-Reinhold, MdEP, EVP, sagt, dass die EU ihre Energiequellen diversifizieren und dezentralisieren muss und dass sie nicht mehr auf fossile Brennstoffe angewiesen sein soll.

    https://twitter.com/EuroNaturORG/status/1509498743439167488

  • Die Raumordnung ist ein wichtiger Aspekt, um sicherzustellen, dass Anlagen für erneuerbare Energien in Gebieten mit geringem ökologischem Risiko errichtet werden. Stimmen Sie dem zu?

    Sean Kelly, MdEP, EVP, macht klar, dass wir für erneuerbare Energien nicht die Umwelt zerstören sollten. Umweltfreundliche Wege zur Klimaneutralität 2050 sollten geebnet und gefördert werden.

    https://twitter.com/EuroNaturORG/status/1554437222392365063


    Nils Torvalds, MdEP, Renew, warnt, dass wir nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen und stattdessen ein umfassendes Raumplanungssystem für eine erfolgreiche Zukunft aufsetzen sollten.

    https://twitter.com/EuroNaturORG/status/1562451748752887810

  • Glauben Sie, dass der Entwurf für die Neufassung der Erneuerbare-Energie-Richtlinie ambitioniert genug ist?

    Nicolás González Casares, MdEP, S&D, vertritt die Ansicht, dass 45% erneuerbare Energie bis 2040 ein ausreichendes Ziel sind und dass hier nur wirklich erneuerbare und nachhaltige Energie einberechnet werden sollte.

    https://twitter.com/EuroNaturORG/status/1516340575917813760

  • In der RED-Revision werden bestimmte Energieformen diskutiert, die der Natur schaden. Sollten diese in der EU-Energiepolitik eine langfristige Rolle spielen?

    Karolin Braunsberger-Reinhold, MdEP, EVP, bekräftigt, dass langfristig die Produktions- und Energieformen aus Quellen stammen müssen, die mit der Natur arbeiten, statt ihr zu schaden.

    https://twitter.com/EuroNaturORG/status/1551543575233630209


    Jutta Paulus, MdEP, Grüne/EFA, betont, dass Wasserkraftprojekte der EU-Biodiversitätsstrategie widersprechen und daher keine Schritte zur Errichtung neuer Wasserkraftwerke unternommen werden sollten.

    https://twitter.com/EuroNaturORG/status/1562453100794826752

Machen Sie mit bei unserer Kampagne für eine EU, in der Energieformen priorisiert werden, die zur Lösung sowohl der Klimakrise als auch der Biodiversitätskrise beitragen. Kontaktieren Sie uns und erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten, gegenüber ihren politischen Vertreterinnen und Vertretern aktiv zu werden. E-Mail: red4nature(at)euronatur.org

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