Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten in der Narta-Lagune, einem bedeutenden Rastgebiet für Zugvögel. Zivilgesellschaftliche Organisationen sowie albanische Umweltexperten kritisieren die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das Bauprojekt scharf.

Narta-Lagune aus der Vogelperspektive

Wo die Vjosa in die Adria mündet, hat sie ein weiteres Naturparadies erschaffen: die Narta-Lagune.

© Nick St. Oegger
Wasservögel in der Narta-Lagune

Heißt es hier bald: Flugzeuge statt Flamingos?

© Zydjon Vorpsi/PPNEA
Edi Rama hät Rede

Für Edi Rama ist der Bau des Flughafens ein Prestige-Objekt. Symbolträchtig eröffnete er am albanischen Nationalfeiertag (28. November) die Baustelle.

Kürzlich wurde der Bericht über die UVP für das geplante Flughafenprojekt veröffentlicht. Eine vorläufige Analyse, die von Expertinnen und Experten nationaler Umweltorganisationen und Wissenschaftlern der wichtigsten Forschungseinrichtungen des Landes durchgeführt wurde, ergab, dass die UVP eklatante Mängel aufweist. Sie sei tendenziös und wurde "absichtlich" zugunsten des Baus des Flughafens innerhalb der geschützten Landschaft Vjosa-Narta erstellt.

Zu den wichtigsten Aspekten, auf die die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht eingeht, gehören folgende Punkte:

  • Bei dem ausgewiesenen Gebiet handelt es sich um ein national und international (Emerald Network) anerkanntes Naturschutzgebiet. Der Bau des Flughafens könnte Sanktionen der Berner Konventionen nach sich ziehen.
  • Bei der Entscheidungsfindung wurde es versäumt, internationale Expertinnen und Experten miteinzubeziehen, denen es bei einem Projekt dieser Größenordnung hätte offen stehen müssen. Es ist davon auszugehen, dass die Entscheidung eine internationale Reaktion hervorruft, die sich negativ auf andere nationale Prioritäten Albaniens auswirken könnte. Für einen Beitritt zur EU, sei der Flughafenbau im Schutzgebiet kein gutes Signal.  
  • Naturkatastrophen, wie zum Beispiel Überschwemmungen, wurden in der UVP nicht berücksichtigt. Nach Prognosen der Europäischen Klimaagentur besteht in dem Gebiet, in dem der Flughafen gebaut werden soll, bis 2050 ein hohes Überschwemmungsrisiko.

Weitere Hinweise auf die vielen Ungenauigkeiten im Bericht der Umweltverträglichkeitsprüfung finden sich in diesem ausführlichen Dokument. Ein breites Bündnis albanischer NGOs fordert die zuständigen Behörden auf, in einen konstruktiven Dialog zur Zukunft der Narta-Lagune zu treten und von dem Projekt Abstand zu nehmen. EuroNatur unterstützt ihre Partner in Albanien bei dem Vorhaben.

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Jeder Euro für die Natur zählt! Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag zum Schutz von Europas Zugvögeln. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen.

Zugvogelpatenschaft

Der Vogelzug ist ein unvergleichliches Naturspektakel. Doch illegale Jagd und die Zerstörung von Rastgebieten gefährden die Vögel. Helfen Sie, ihre Reise sicherer zu machen.

Aktuelles

Letzte Geier in Bulgarien ausgewildert

++ Zwei weibliche Mönchsgeier im bulgarischen Balkangebirge ausgewildert ++ Erfolgreiches Projekt ist nach sieben Jahren ausgelaufen ++ Am 3.…

Storchendorftreffen im serbischen Taraš

Endlich wieder persönlich zusammenkommen: Nach zwei Jahren Covid-Zwangspause haben sich Vertreter aus sieben Europäischen Storchendörfern in Taraš…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

Eigentumsstreit um Saline Ulcinj endlich geklärt

Die Saline Ulcinj in Montenegro ist nun eindeutig als Staatseigentum bestätigt. Die entsprechende Behörde hat entschieden, die Saline Ulcinj als…

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Saline Ulcinj: 2 Jahre RAMSAR-Gebiet

Vor zwei Jahren, am 10. September 2019, wurde die Saline Ulcinj im Süden Montenegros zum RAMSAR-Gebiet erklärt, einem Feuchtgebiet von internationaler…

Erstes Mönchsgeierküken in Bulgarien beringt

Nach mehr als einem halben Jahrhundert wurde in diesem Frühjahr im Balkangebirge ein Mönchsgeierküken geboren. Ende Juli haben sich unsere…

Saline Ulcinj bleibt Staatseigentum

Jahrelang war die Eigentumsfrage in der Saline Ulcinj nicht geklärt. Heute hat der Rat für Privatisierung in Montenegro einstimmig beschlossen, die…

Mönchsgeier in Ungarn erschossen

In Ungarn wurde ein Mönchsgeier abgeschossen, der aus dem bulgarischen Wiederansiedlungsprogramm stammte, an dem sich auch EuroNatur beteiligt. Dies…

Albanisches Vogelparadies durch Flughafenbau gefährdet

++ In der Narta-Lagune an der Adria soll ein Flughafen gebaut werden ++ Rastgebiet von internationaler Relevanz für Hunderttausende Wasservögel ++ Am…

Wertvolle Moore in Polen durch Bergbaupläne in Gefahr

Das australische Unternehmen Balamara will in der polnischen Region Lubelskie Kohle abbauen. Das ist nicht nur schlecht fürs Klima, sondern bedroht…