Bedrohte Botschafterin

Am 10. Mai ist Weltzugvogeltag ++ Eine der Botschafter-Arten in diesem Jahr ist die gefährdete Knäkente

Elegant und bedroht: die Knäkente

© René Bürgisser

Radolfzell. Wer sich aktuell am Bodensee auf ornithologische Entdeckungsreise begibt, entdeckt mit etwas Glück eine kleine Ente in Ufernähe, die einen auffälligen weißen Streifen am Kopf trägt. Spätestens wenn das Tier ein schnarrendes „knä-äk“ beim Abflug von sich gibt, fällt die Bestimmung leicht: Es ist das Knäkentenmännchen, dessen Ruf der Art ihren lautmalerischen Namen gab. Heute ist er aber immer seltener zu hören: Die Knäkente ist bedroht; vor allem im mitteleuropäischen Raum gibt es einen drastischen Rückgang zu verzeichnen. Knäkenten brüten an flachen, vegetationsreichen Gewässern, doch gerade um diese Lebensräume steht es schlecht. „Die für die Knäkente geeigneten Brutgewässer sind aufgrund von Trockenlegungen, Rekultivierungen und durch die Anlage von Stauseen in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden“, erklärt Dr. Stefan Ferger, Vogelexperte und Projektleiter bei der international tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur.

Neben der Zerstörung ihrer Lebensräume macht der Knäkente auch die Vogeljagd zu schaffen. Als einzige europäische Entenart gehört Anas querquedula, so ihr wissenschaftlicher Name, zu den Langstreckenziehern. Das prädestiniert sie geradezu dafür, eine von sieben Botschafter-Arten des diesjährigen Weltzugvogeltags zu sein. Die Winterquartiere der gefiederten Weltenbummler liegen im tropischen Afrika, bzw. in Indien und Südostasien. Die mittel- und osteuropäischen Vertreter ihrer Art nutzen für den weiten Zug aus ihren Brutgebieten überwiegend die Adria-Zugroute, den sogenannten Adriatic-Flyway. Dort warten jedoch die Vogeljäger, die die Knäkenten zu Tausenden vom Himmel schießen. In nahezu allen wichtigen Feuchtgebieten an der Adria-Ostküste wird außerhalb der generellen Jagdzeiten gejagt und fast überall kommen Jagdmethoden zum Einsatz, die nach den nationalen Jagdgesetzen nicht zulässig sind. Betroffen sind auch Arten, die durch die EU-Vogelschutzrichtlinie (zumindest in den Mitgliedsstaaten und den Kandidatenländern der Europäischen Union) oder durch internationale Abkommen geschützt sind.

„Wenn wir unsere Vogelwelt in Deutschland in ihrer Vielfalt bewahren wollen, müssen wir dringend auch auf dem scheinbar weit entfernten Balkan für einen verbesserten Schutz dieser faszinierenden Tiere sorgen. Bestehende Jagdverbote müssen zuverlässig kontrolliert werden“, meint Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur. Nur wenn die Vogeljagd auf dem Balkan eingedämmt wird und wir die Lebensraumzerstörung in Europa stoppen, haben wir die Chance, das „knä-äk“ der charismatischen Botschafterin des Weltzugvogeltages wieder häufiger zu hören.

 

Hintergrundinformationen:

• Adria-Zugweg: Die Wasservögel Mittel-, Nord- und Osteuropas konzentrieren sich besonders auf den sogenannten „Adriatic Flyway“, der quer über den Balkan, die Adria und Süditalien bis nach Nordafrika führt.

Kurzfilm zum Vogelzug über die östliche Adria

Mehr über den Weltzugvogeltag und das diesjährige Motto 

 

Rückfragen:

EuroNatur, Westendstraße 3, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 - 92 72 15, Fax: 07732 - 92 72 22, E-Mail: info@euronatur.org, Internet: www.euronatur.org, Ansprechpartner: Dr. Stefan Ferger, Pressekontakt: Christian Stielow, Tel: +49 (0)7732 - 92 72 15, christian.stielow(at)euronatur.org

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Enttäuschende Kompromisse nach Abstimmung im EU-Parlament

Nach der Abstimmung in Straßburg über die Erneuerbare-Energie-Richtlinie (RED) überwiegt die Enttäuschung. Die Abgeordneten haben es versäumt,…

Letzte Geier in Bulgarien ausgewildert

++ Zwei weibliche Mönchsgeier im bulgarischen Balkangebirge ausgewildert ++ Erfolgreiches Projekt ist nach sieben Jahren ausgelaufen ++ Am 3.…

Umweltverbände legen Kernforderungen für ein Aktionsprogramm Oder vor

Oder-Katastrophe als Chance für eine ökologische Revitalisierung nutzen.

Oder-Katastrophe: Ursachen lückenlos aufklären und Sanierung der Oder sicherstellen

Das Fischsterben in der Oder ist menschengemacht, so viel steht fest. Entschiedene Schritte sind jetzt gefragt.

Dürre in der Saline Ulcinj

Trockenheit und unzureichendes Wassermanagement haben die Saline Ulcinj in Montenegro nahezu austrocknen lassen. Dennoch können Naturschützer der…

Vorläufiger Bericht der Neretva-Wissenschaftswoche

Die ersten Ergebnisse der Wissenschaftswoche an der Neretva liegen vor und wurden in einem Bericht zusammengefasst. Er liefert erste Eindrücke,…

Storchendorftreffen im serbischen Taraš

Endlich wieder persönlich zusammenkommen: Nach zwei Jahren Covid-Zwangspause haben sich Vertreter aus sieben Europäischen Storchendörfern in Taraš…

Hohes Risiko bei Investionen in Wasserkraft auf dem Balkan

Große Wasserkraft-Neubauprojekte in Südosteuropa (1) sind mit massiven Investitionsrisiken behaftet und haben niedrige Realisierungsraten. Das zeigt…

Auszeichnung für Waldschützer und Waldschützerinnen aus Deutschland und der Ukraine

++ EuroNatur-Preis 2022 geht an Antje Grothus, Fedir Hamor und die Organisation Free Svydovets ++ Europas letzte Urwälder stehen unter enormen Druck…

Einzigartige Flusslandschaft am Südrand Mitteleuropas

Mit dem neuen EuroNatur-WWF-Reiseführer „Mur, Drau und Donau – Leben durch Flussdynamik“ lernen Natururlauber den Südosten Mitteleuropas von seiner…

Saline Ulcinj als Staatseigentum eingetragen

Der Salzgarten im Süden Montenegros ist als Staatsland ins Kataster der Stadt Ulcinj eingetragen worden. Damit ist die Eigentumsfrage, um die es…

Die Erforschung der Unbekannten: Wissenschaftswoche am Oberlauf der Neretva

Rund 50 internationale Wissenschaftlerinnen und Flussschützer haben eine Woche lang die obere Neretva untersucht. Die Daten sollen dabei helfen,…

Aufmerksamkeit für RED4Nature-Kampagne

Mit gleich zwei öffentlichkeitswirksamen Aktionen haben Künstlerinnen und EuroNatur-Mitarbeiterinnen am 22. und 23. Juni in Brüssel für Aufmerksamkeit…

Albanische Regierung unterzeichnet Erklärung zur Errichtung eines Vjosa-Wildflussnationalparks

++ Albanien markiert wichtigen Schritt für den Schutz der Vjosa ++ Regierung signiert Absichtserklärung für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark ++

EU-Wiederaufbauplan – eine Gefahr für die Natur

++ Die 672 Milliarden Euro schwere Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) wird zwar von der EU-Kommission als Hauptwerkzeug des „grünen Wiederaufbaus“…