Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Kleinwasserkraftwerk Montenegro

Kleinwasserkraftwerke wie Mojanska 2 in Montenegro liefern nur wenig Energie, haben aber einen enorm schädlichen Einfluss auf die Ökologie eines Flusses.

© Dobrica Mitrovic
Stein- oder Bachkrebs am Flussufer

Der Stein-oder Bachkrebs ist eine durch den Ausbau der Wasserkraft in Südosteuropa gefährdete Art.

© Andrey Ralev
Wasserkraftwerk Ukraine

Monströse Ausmaße: Ein bereits bestehendes Wasserkraftwerk bei Tashlyk in der Ukraine.

© Eco Action

Luxemburg, Radolfzell. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat seit 20101 eine Reihe zerstörerischer Wasserkraftprojekte finanziert, wie ein heute veröffentlichter Bericht von CEE Bankwatch Network und EuroNatur zeigt. Daraus folgt, dass die Bank ihre Umwelt- und Sozialstandards verbessern muss.

Der Bericht nimmt acht Wasserkraftprogramme in Mittel- und Osteuropa2 unter die Lupe, die von der Hausbank der EU unterstützt wurden oder deren Finanzierung derzeit geprüft wird. Er kommt zu dem Ergebnis, dass weder die geltenden Regeln der Bank noch der im Juni 2021 zur Begutachtung vorgelegte Entwurf für deren Neufassung3 ausreichen, um Zerstörung durch solche Projekte zu vermeiden.

„Alle untersuchten Kraftwerke gehen mit der Schädigung von Gebieten einher, die eigentlich unter gesetzlichem Schutz stehen (sollten). Um wirklich geschützt zu werden, müssen solche Gebiete in den Biodiversitäts- und Ökosystemstandards der EIB als Ausschlussgebiete für Finanzierungen ausgewiesen werden“, fordert Andrey Ralev, Kampagnenleiter Biodiversität bei CEE Bankwatch Network.

„Das bisherige Finanzierungsmodell der EIB ist antiquiert. Wenn die EIB wirklich der ökologischen Krise und der Klimakrise entgegenwirken will, muss sie das alte Denken über Bord werfen und ihre Projektfinanzierung auf neue Beine stellen“, sagt Bruna Campos, Senior Policy Manager bei EuroNatur.

Besonders problematisch sind die Kapitalvergaben der EIB über Finanzvermittler – vor allem Geschäftsbanken und nationale Förderbanken. Alleine in Südosteuropa hat die Europäische Investitionsbank seit 2010 mindestens 27 Kredite über zwischengeschaltete Institute geleitet – allerdings bleiben diese Projekte sehr oft unbekannt, denn die EIB veröffentlicht keine Informationen über die Nutznießer solcher Investments.

„Die Finanzvermittler in Südosteuropa haben ganz offensichtlich nicht die Kapazitäten, die Übereinstimmung der Wasserkraftprojekte mit den EIB-Standards und dem EU-Recht zu prüfen. Die EIB muss aufhören, die Verantwortung für solche Kapitalvergaben abzuwälzen, und die Prüfung der Subprojekte selbst übernehmen“, ergänzt Pippa Gallop, Südosteuropa-Energieexpertin bei CEE Bankwatch Network.

Zum Beispiel finanzierte die Europäische Investitionsbank die sechs Kleinwasserkraftwerke von Tearce und Brza Voda in Nordmazedonien mittels der nordmazedonischen Entwicklungsbank. Die Kraftwerke wurden im Herzen des heutigen Shar-Nationalparks errichtet und bilden Sperren an den Flüssen Bistrica und Brza Voda, wodurch sie die Ausbreitung der Flussfauna über insgesamt 10 Kilometer unterbinden. Die Errichtung der Zufahrtsstraßen hat höchstwahrscheinlich zur Fällung von Urwaldgebieten beigetragen.

„Im Fall der Kraftwerke Tearce und Brza Voda hat die EIB offenbar angenommen, dass die nationalen Behörden willens und fähig sind, das Umweltrecht umzusetzen, was aber offenkundig auch in der EU selbst nicht durchgängig der Fall ist. Auf diese Weise möchte die Bank sich selbst die Absolution erteilen, ihre Projekte nicht ordentlich prüfen und beaufsichtigen zu müssen. Als Investitionsbank der EU muss die EIB klarstellen, wie sie sicherstellen will, dass alle Projekte EU-rechtskonform sind, unabhängig davon, ob sie in der EU umgesetzt werden oder außerhalb“, erklärt Gjorgji Mitrevski von Eko-svest, Nordmazedonien.

Anmerkungen:
1 Aufgrund mangelnder Offenlegung von Informationen durch die EIB kann nicht gesagt werden, wie viele Wasserkraftwerke finanziert wurden. Seit 2010 wurden 42 direkte EIB-Kapitalvergaben in den Energiesektor beschlossen (siehe Financed Projects), in denen die Errichtung neuer Wasserkraftwerke ein Bestandteil war. Diese Zahl enthält aber nicht die Projekte über Finanzvermittler, wo die EIB keine Informationen über die letztendlichen Nutznießer veröffentlicht.
2 Diese Projekte sind:
• Blagoevgradska Bistritsa 1-8, Bulgarien, mit schädlichen Auswirkungen auf den Rila-Nationalpark und zwei Natura 2000-Gebiete. Die EIB unterstützte den Betrieb des Kraftwerks durch eine Kaptalvergabe 2012, nach dessen Errichtung.
• Ilovac, Kroatien, im Natura 2000-Gebiet Kupa-Fluss.
• Nenskra, Georgien, gegen heftigen Widerstand des dortigen indigenen Volkes der Swan; Beeinträchtigung eines Emerald-Gebiets (analog zu Natura 2000) und des geplanten Nationalparks Oberswanetien. Die EIB hat die Kapitalvergabe 2018 beschlossen, aber noch nicht unterzeichnet.
• Mojanska 1-3, Montenegro, errichtet im Komovi-Regionalpark mit Auswirkungen auf drei Emerald-Gebiete.
• Bistrica (Tearce) 97-99 und Brza Voda 1-3, Nordmazedonien, beide im Emerald-Gebiet Shar-Gebirge errichtet, das durch nationales Recht mittlerweile als Nationalpark ausgewiesen ist.
• Beli Kamen und Komalj, Serbien, errichtet am Fluss Crni Rzav im Emerald-Gebiet und Naturpark Zlatibor.
• Tashlyk Pumpspeicherkraftwerk, Ukraine, würde Bugzkyi Gard, Naturpark und Emerald-Gebiet, sowie ein Landschaftsschutzgebiet und ein Fisch-Naturschutzgebiet beeinträchtigen. Die EIB hat der Finanzierung dieses Projekts bisher nicht zugestimmt.
3 Details unter https://consult.eib.org/consultation/essf-2021-en/
Die Richtlinien finden sich unter https://www.eib.org/en/publications/environmental-climate-and-social-guidelines-on-hydropower-development

Rückfragen:

 

 

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…