Gefahr für griechisches Feuchtgebiet

Internationales Naturschutzbündnis ruft Alarmstufe Rot aus: Experten fordern den griechischen Premierminister Mitsotakis auf, die Zerstörung des Feuchtgebiets Erimitis zu verhindern

Fisch gefährdet durch Umweltzerstörung

Der Zebrakärpfling gehört zu wenigen Arten der Eierlegenden Zahnkarpfen (Familie Cyprinodontidae), die außerhalb des tropischen Afrikas an den Küsten der Mittelmeerregionen vorkommen, etwa in Erimitis. Seine Zukunft dort ist ungewiss, wenn das naturzerstörerische Vorhaben nicht gestoppt wird.

© Peter Sutton
Sit-In gegen Naturzerstörung auf Korfu

Viele Bürgerinenn und Bürger Korfus sind gegen das Projekt. Hier eine Protestaktion im April 2021.

© Elena Kipriotis

Internationale Naturschutzorganisationen, darunter auch EuroNatur, haben sich als Mitglieder der Mittelmeer-Allianz für Feuchtgebiete zusammengeschlossen, um den griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis aufzufordern, die Verwüstung der Halbinsel Erimitis auf Korfu und ihrer lebenswichtigen Feuchtbiotope durch den geplanten Bau eines Ferienortes zu verhindern.

Dieser Aufruf folgt auf ein früheres Schreiben an Herrn Mitsotakis im Oktober 2020 zum gleichen Thema, das jedoch unbeantwortet blieb. Die Mittelmeerallianz für Feuchtgebiete hat die Alarmstufe Rot für Erimitis ausgerufen und betont, dass die Feuchtgebiete Vromolimni und Akoli wichtige Schutzgebiete im Mittelmeerraum sind, die einer neuen Bedrohung ausgesetzt sind.

Der jüngste Brief der Allianz hält fest, dass Erimitis nicht nur ein Ort von großer natürlicher Schönheit und voller Leben ist, sondern den Menschen auch wichtige ökologische Dienstleistungen wie die Verbesserung der Wasserqualität und den Schutz vor Stürmen bietet. Als eine der wenigen verbliebenen unberührten Naturgebiete auf Korfu enthält Erimitis bemerkenswerte Lebensräume, darunter drei sehr wichtige Küstenfeuchtgebiete, die durch ein griechisches Präsidialdekret geschützt sind. Die Feuchtgebiete sind ein wichtiger Zwischenstopp für Zugvögel, die gemäß der EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt  werden müssen. Die Gebiete sind zudem Heimat zahlreicher weiterer Arten, die durch die EU-Habitat-Richtlinie geschützt sind, etwa die Sumpfschildkröte oder die Würfelnatter.

Trotz seiner Bedeutung wird die Zukunft von Erimitis durch die geplante touristische Entwicklung des „Kassiopi-Projekts“ bedroht. Lärm- und Wasserverschmutzung gefährden nicht nur das Ökosystem, sondern beeinträchtigen auch die lokale Bevölkerung. Der Brief hebt hervor, dass der Schutz von Feuchtgebieten, wie denen in Erimitis, die Umsetzung eines nachhaltigen Tourismusmanagements erfordert. Dies beinhaltet auch, die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern, die Natur zu schützen sowie sauberes Wasser, Nahrung und menschliches Wohlbefinden zu sichern.

Der Brief der Mittelmeer-Allianz für Feuchtgebiete stellt fest, dass bereits mit der Abholzung und Rodung des Gebietes begonnen wurde. Schwere Maschinen hätten zudem die Grenzen des geschützten Feuchtgebietes Vromolimni passiert und eine Straße am Ufer des Gebiets gebaut. Infolgedessen fordert das Schreiben den Premierminister auf, die Entwicklung dringend zu überdenken und geeignete Erhaltungsmaßnahmen zu ergreifen, darunter:

  • Die Ausweisung dieses Gebiets als Schutzgebiet, mit Genehmigung nur für Aktivitäten, die die ökologischen Eigenschaften von Feuchtgebieten nicht verändern, wie Wandern und Naturbeobachtung.
  • Der Erlass von Erhaltungsmaßnahmen zum Schutz bestimmter Lebensräume und Arten im Einklang mit der Bonner und Berner Konvention und den EU-Naturschutzrichtlinien.
  • Die wirksame Umsetzung des Präsidialdekrets 229/AAP/2012 über kleine Insel-Feuchtgebiete und geeignete Maßnahmen zum Schutz dieser Feuchtgebiete.

Der Brief schließt mit der Aufforderung an die griechische Regierung, bei der Wiedereröffnung der globalen Tourismusbranche nach Covid-19 einen ökologisch verträglichen Tourismus zu fördern. Dies böte auch die Chance, eine weltweite Führungsrolle bei der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung zu demonstrieren, die nicht nur die natürlichen Ressourcen schützt, sondern auch lokale Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt sowie internationales und EU-Recht einhält.

Interne Links

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Vielfalt der Natur im Fokus

Internationaler Fotowettbewerb „Naturschätze Europas 2022“ startet

Berner Konvention hat Verbrechen an der Natur im Blick

Staudämme, Kraftwerke, Flughäfen: Zahlreiche Beschwerden von Naturschutzorganisationen gegen zerstörerische Projekte auf dem Balkan

Positionspapier: Energiegewinnung ohne Naturzerstörung ist der Weg zur Klimaneutralität 2040

Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur veröffentlicht heute ein Positionspapier, das einen neuen zukunftsfähigen Weg für…

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…